zur Navigation zum Inhalt
                  © cipollimartina / fotolia.com
Die Nahrung erfüllt nicht immer den erhöhten Nährstoffbedarf in der Schwangerschaft.
 
Allgemeinmedizin 16. August 2012

Schwangerschaft & Ernährung

Trotz erhöhter Kalorienzufuhr kann ein Mangel an Mikronährstoffen auftreten.

Ist eine ausgewogene Ernährung in jedem Lebensabschnitt wesentlich für die Versorgung des Körpers mit den benötigten Nährstoffen, so gilt dies für den Zeitraum der Schwangerschaft sowie für die stillende Mutter ganz besonders, um eine gesunde Entwicklung des Kindes zu unterstützen.

Die industrielle Lebensmittelverarbeitung und modernen Ernährungsgewohnheiten führen häufig zu Mangelerscheinungen, die sich über die Nahrung alleine nicht mehr ausgleichen lassen. Speziell auf die Lebenssituation von Schwangeren und stillenden Müttern abgestimmte Kombinationen von Mikronährstoffen können dabei Defizite ausgleichen.

Grundsätzlich, so Tempfer et al., besteht ein direkter Zusammenhang zwischen dem Ausmaß der Nährstoffzufuhr und dem Wachstum der Plazenta und des Fötus: Ein BMI unter 19,8 vor der Schwangerschaft, eine unzureichende Gewichtszunahme in der Schwangerschaft sowie ein niedriges mütterliches Gewicht zum Zeitpunkt der Geburt erhöhen das Risiko von Wachstumsverzögerungen des Fötus, eines niedrigen kindlichen Geburtsgewichts und einer verkürzten Schwangerschaftsdauer. Ein BMI über 40 vor Beginn der Schwangerschaft erhöht das Risiko für Mutter und Kind für Komplikationen, Krankheiten und Störungen.

In unseren Breiten stellt freilich die übermäßige Ernährung - auch während der Schwangerschaft - das größere der beiden Probleme dar, was allerdings nicht bedeutet, dass die Betroffenen mit den benötigten Mi-kronährstoffen ausreichend versorgt sind. Dies wirkt sich schwerwiegend auf Mutter und Kind aus: „Wenn der Erhöhung des Bedarfs an Mikronährstoffen nicht Rechnung getragen wird, kann es in allen Phasen der Schwangerschaft zu klinisch fassbaren Störungen kommen“, stellen Tempfer et al. fest. Speziell bei den wasserlöslichen Vitaminen, die der Körper nicht speichern kann, ergeben sich schnell Probleme ebenso aber auch bei Folsäure und manchen Mineralien und Spurenelementen.

Vitamin A spielt besonders bei Wachstum, Entwicklung und Differenzierung von Epithelgewebe, bei der Reproduktion (Spermatogenese, Embryogenese, Fetalentwicklung, Entwicklung der Plazenta), bei der Testosteronproduktion und beim Sehen eine wichtige Rolle. Wenn in der mitteleuropäischen Bevölkerung im allgemeine auch kein Problem mit der Versorgung besteht, kann sich jedoch bei einseitig pflanzlicher Kost eine Unterversorgung ergeben.

Der Stellenwert von Vitamin D liegt neben der zentralen Position im Gleichgewicht des Knochenmetabolismus auch in seiner gleichzeitig als Vorstufe für hormonartige Wirkstoffe fungierenden Rolle, und hier vor allem an den Zielorganen Darm, Niere und Nebenschilddrüse aus. „Für bestimmte Bevölkerungsgruppen mit erhöhtem Risiko einer Unterversorgung ergibt sich daher“, so die Autoren, „die Empfehlung zur bewussteren Zufuhr über die Nahrung oder gegebenenfalls auch zu einer regelmäßigen medikamentösen Supplementierung.“

Relativ weit verbreitet ist auch ein Vitamin B6-Mangel, wobei in der Schwangerschaft und Stillzeit ein noch erhöhter Bedarf besteht. Zehn bis 13 Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter weisen hier Defizite auf, die häufig in Verbindung mit einer Unterversorgung mit anderen B-Vitaminen zu finden sind.

Die Bedeutung der Folsäure für die kindliche Entwicklung ist mittlerweile allgemein anerkannt. In der Schwangerschaft ist der Bedarf gegenüber Nicht-Schwangeren um 100 Prozent erhöht, weshalb, so Bung, neben einer folatreichen Ernährung die Einnahme von mindestens 400 Mikrogramm Folsäure/Folat empfohlen wird, um Neuralrohrdefekte zu vermeiden. In den USA ist deshalb eine Anreicherung von Lebensmitteln mit Folsäure gesetzlich verankert.

Unter den Mineralstoffen und Spurenelementen stellen vor allem Eisen, Kalzium, Magnesium, Fluorid, Zink sowie Kupfer und Selen für die Versorgung des mütterlichen und kindlichen Organismus wichtige Bausteine dar und sie werden teilweise mit der Ernährung nicht ausreichend zugeführt. Bei Eisen etwa ergibt sich auch das Problem der Resorption, die durch Milch und schwarzen Tee behindert, durch Vitamin C aber gefördert wird.

Sowohl in der Schwangerschaft als auch in der Stillzeit und für die fetale Entwicklung ist die richtige Auswahl an Fetten bedeutsam, die zugunsten mehrfach ungesättigter Fettsauren (PUFA) ausfallen sollte. Die aus der Alphalinolensaure (ALA) synthetisierbaren Omega 3-Fettsäuren Eikosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) haben Auswirkungen auf die Entwicklung des zentralen Nervensystems. „Eine Substitution mit DHA wahrend Schwangerschaft und Stillzeit hat komplexe Effekte auf die fetale und frühkindliche neurophysiologische Entwicklung“, halten Tempfer et al. fest: Die pränatale Einnahme von mehrfach ungesättigten Fettsauren wie DHA habe damit einen positiven Einfluss auf die frühkindliche Intelligenzentwicklung.

Speziell in der Stillzeit hat sich zur Förderung der mütterlichen Milchproduktion die anregende Wirkung von Bockshornklee-Extrakt aus der bewährten Naturheilkunde als förderlich erwiesen. Durch den vermehrten Milchfluss kann auch einer Bakterienbesiedelung entgegengewirkt und Brustdrüsenentzündungen können hintangehalten werden. Eine standardisierte Formulierung im Zusammenhang mit anderen Mikronährstoffen bietet die Sicherheit einer ausgewogenen Zufuhr.

Fazit

Grundsätzlich sollten Schwangeren und stillenden Müttern in einer Ernährungsberatung die wichtigsten Pfeiler einer speziell in diesen Lebensphasen passenden Ernährung dargelegt werden. Lebensmittel mit einer hohen „Nährstoffdichte“, also einem möglichst hohen Gehalt an bestimmten Stoffen bezogen auf den Kaloriengehalt, sollten bevorzugt werden, fassen Tempfer et al. ihre Empfehlungen zusammen. Die biologische Verfügbarkeit der Stoffe kann allerdings durch verschiedene Zubereitungsarten, durch Lagerung oder durch die Kombination mit anderen Nahrungsmitteln eingeschränkt sein. Daher kann eine gezielte Substitution der komplexen Mikronährstoffe sinnvoll sein.ki

Literatur: C. Tempfer, P. Bung: Schwangerschaft und Ernährung, in: H. Schneider et al. (eds.), Die Geburtshilfe, Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2011, Seite 223-243

P. Bung: Lifestyle in der Schwangerschaft. Ernährung, Beruf, Reisen, Sport, Sexualität, Trends und Genussmittel, Gynäkologe 2012. 45:71-78

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben