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                  © Ruth Ney
Über Interaktionen bei Multimedi- kation ist wenig bekannt
 
Allgemeinmedizin 19. August 2012

Multimedikation

Das Risiko für Nebenwirkungen steigt mit der Anzahl der Arzneien.

Negativlisten sind wenig geeignet, die Multimedikation alter Menschen im Zaum zu halten. Wichtiger sei die gezielte Nachfrage in der Apotheke, meinen Geriater.

Die von Forschern der Universität Witten-Herdecke erstellte Priscus-Liste zeigt die häufigsten verwendeten Arzneimittel auf, die bei Multimedikation älterer Patientten zu Problemen führen können. Die Geriater stehen ihr jedoch reserviert gegenüber. Gute klinisch-pharmakologische Kenntnisse bei der Verordnung und konkrete Nachfragen bei der Abgabe des Arzneimittels in der Apotheke seien hilfreicher. In der Liste werden mehr als 80 für alte Patienten potenziell ungeeignete Medikamente aufgeführt.

In Wirklichkeit gebe es aber kein „Schwarz/Weiß“, so Professor Heiner Berthold von der Charité Berlin. Das biologische Alter könne sich individuell erheblich vom kalendarischen Alter unterscheiden. Daher müsse das Problem der Multimorbidität und Multimedikation anders angegangen werden. Berthold fordert von seinen Kollegen gute klinisch-pharmakologische Kenntnisse und einen kritischen Umgang mit neuen Präparaten. „Schließlich ist es die ärztliche Kunst, im Einzelfall Schwerpunkte in der Arzneimitteltherapie zu setzen, welche an einem individuellen Gesamtkonzept ausgerichtet sind“. In Bezug auf die oft mangelnde Compliance habe der Apotheker „ganz erhebliche Bedeutung“.

So habe er zumindest eine gewisse Freiheit, unter wirkstoffgleichen Präparaten das passende Mittel auszusuchen. Er sollte sich daher beim Patienten versichern, dass dieser damit zurechtkomme. Wenn zum Beispiel Tabletten geteilt werden sollen, müsse nicht nur darauf geachtet werden, dass tatsächlich eine echte Bruchrille vorhanden ist, sondern dass der Patient den Einnahmemodus auch realisieren kann.

Insgesamt sei noch zu wenig über die komplexen Interaktionen von Multimedikation und Multimorbidität bekannt, beklagte Berthold. Es bedürfe stärker entsprechender Forschungsprojekte. Zudem sollten sich die Fachgesellschaften gemeinsam um Leitlinien für die Arzneimittelversorgung alter Menschen bemühen, forderte er.

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