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Der Gedanke an die Zukunft zeigt depressiven Schmerzpatienten vor allem ihre schlechte Gesundheit.
 
Allgemeinmedizin 14. August 2012

Unheilige Allianz

Depression und Schmerz gehen oft Hand in Hand.

Angstzustände und Depression sind eng verknüpft mit chronischem Schmerz und zählen zu den häufigsten psychiatrischen Begleiterkrankungen bei chronischen Schmerzpatienten. Verhaltenstherapien können Betroffenen oft helfen. Dies ist umso wichtiger, als Depressionen Schmerz verschlimmern können.

„Schmerz kann nach international anerkannten Definitionen nicht als ausschließlich körperliches Phänomen betrachtet werden“, erklärte Dr. Maria Alexandra Ferreira-Valente, Porto, Portugal beim Europäischen Schmerzkongress Ende vergangenen Jahres. „In Anbetracht der bisherigen Forschungsergebnisse sollten Ärzte danach trachten, die Behandlungsprogramme an das Ausmaß der Ängste oder Depressionen ihrer Patienten anzupassen.“

Kognitive Pfade und Depression

Die Analyse von 164 akuten und subakuten Patienten mit nichtspezifischem Schmerz ergab, dass die Beziehung zwischen Schmerz und Depression durch kognitive Bewältigungsstrategien vermittelt wird, etwa Katastrophisierung, Hilflosigkeit, Hoffnungslosigkeit oder Gedankenunterdrückung. Schmerzintensität, Depression und schmerzbezogene Kognitionen wurden mithilfe von Fragebögen gemessen. Die Ergebnisse stützen die Hypothese von einem Vermittlungseffekt kognitiver Bewältigungsstrategien zwischen Schmerz und Depression. „Wir entdeckten, dass Schmerz alleine keine direkte Verbindung zu Depression aufwies. Aber Hilf- und Hoffnungslosigkeit hatten einen direkten Pfad zu Depression, während das Katastrophisieren einen indirekten Effekt über die erhöhte Hilf- und Hoffnungslosigkeit zeigte“, erklärte Dr. Adina Rusu, Bochum und London. „Die Resultate weisen deutlich darauf hin, dass wir die Behandlungen verbessern könnten, wenn wir der Modifikation von dysfunktionalen kognitiven Schmerzbewältigungsstrategien mehr Beachtung schenken würden.“

Psychiatrische Begleiterkrankung

„Psychiatrische Begleiterkrankungen, insbesondere Angstzustände und depressive Störungen, kommen sehr häufig bei Patienten mit peripherem neuropathischen Schmerz vor“, sagte Dr. Françoise Radat, Bordeaux, Frankreich. Eine Querschnittsstudie fand bei den 212 Studienteilnehmern eine aktuelle Depression und allgemeine Angstzustände als die am häufigsten auftretenden psychiatrischen Störungen. Analysen zeigten, dass Katastrophisieren, Schmerz an mehreren Körperstellen und die Intensität von minimalem Schmerz unabhängig voneinander zu Gemütszustandsstörungen beitragen können. Katastrophisieren alleine hingegen macht für Angststörungen empfänglich“, erklärte Radat. Daher sollten Patienten mit peripherem neuropathischem Schmerz in multidisziplinären Teams behandelt werden, in denen auch klinische Psychologen und andere relevante Spezialisten vertreten sind.

Darüber hinaus sind depressive Schmerzpatienten in geringerem Maß als nicht-depressive Schmerzpatienten oder gesunde Kontrollpersonen in der Lage, die Zukunft positiv zu sehen. Zukunftsbezogene Ängste und Depressionen könnten der Beweis sein, dass die positive Selbstidentität massiv angeschlagen ist. Auch wenn sich der kognitive Prozess allgemeiner Zukunftsgedanken bei depressiven Schmerzpatienten nicht von jenem chronischer Schmerzpatienten, von Menschen mit einer klinischen Depression oder nicht-depressiven Schmerzpatienten unterscheidet, ist doch der Fokus völlig anders: „Wenn depressive Schmerzpatienten an die Zukunft denken“, so Rusu, „liegt das Augenmerk nämlich verstärkt auf der schlechten Gesundheit. Wenn wir unsere Therapiemöglichkeiten verbessern wollen, brauchen wir weiterführende Forschungen, um ein neues, subgruppenspezifisches Behandlungskonzept zu entwickeln.ki

Quelle: Presseinformation EFIC

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