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Allgemeinmedizin 9. Juli 2012

Gewitter im Kopf

Laut einem Bericht der WHO stellen Kopfschmerzen die häufigste neurologische Erkrankung des Gehirns dar. Betroffene leiden nicht nur unter den Schmerzen selbst sondern auch unter den Vorurteilen, die ihnen und ihrer Krankheit entgegengebracht werden. Die wirksame Behandlung von Kopfschmerzen ist nicht nur aus der Perspektive des Patienten sondern auch aus wirtschaftlicher Sicht sinnvoll. Denn laut WHO verursachen Kopfschmerzen durch krankheitsbedingte Ausfallszeiten auch gewaltige volkswirtschaftliche Schäden. Experten bestätigen daher, dass Selbstmedikation bei abgeklärten primären Kopfschmerzen ein Mittel der Wahl ist.

Es gibt verschiedene Formen von Kopfschmerz. Experten unterscheiden zwischen primärem und sekundärem Kopfschmerz. Für den sekundären Kopfschmerz gibt es eine klare Ursache wie zum Beispiel eine Verletzung oder eine Erkrankung. Die wichtigsten primären Kopfschmerzen sind die Migräne und der Kopfschmerz vom Spannungstyp. Univ.-Prof. Dr. Christian Wöber, Facharzt für Neurologie und Psychiatrie und Leiter des Spezialbereiches Kopfschmerz an der Uni-Klinik für Neurologie am AKH Wien kennt die Situation der Betroffenen gut. Er meint: „Wiederkehrende Kopfschmerzen sind eine ernst zu nehmende Erkrankung, die nicht bagatellisiert werden darf. In der Kopfschmerzambulanz sehen wir besonders schwer betroffene Patientinnen und Patienten. Im Alltag behandeln allerdings viele Betroffene ihre Kopfschmerzen selbst, und das ist auch zweckmäßig, sofern eine zugrunde liegende Erkrankung ausgeschlossen ist und der Kopfschmerz im Durchschnitt nicht öfter als einmal pro Woche auftritt“.

Überlegene Dreierkombination

Wöber betont, dass die Kopfschmerzen innerhalb von zwei Stunden nach der Medikamenteneinnahme abklingen sollten und gegen das verwendete Medikament keine Gegenanzeigen bestehen dürfen. Zur Kombination von Acetylsalicylsäure, Paracetamol und Koffein erklärt Wöber: „In einer großen Studie war diese Kombination den Einzelsubstanzen überlegen. Zudem konnte kürzlich gezeigt werden, dass die Dreierkombination auch bei starken Kopfschmerzen wirksam ist.“ Die Kopfschmerzgesellschaften Deutschlands, Österreichs und der Schweiz empfehlen zwei Tabletten der fixen Kombination von 250 – 265 mg Acetylsalicylsäure, 200 – 265 mg Paracetamol und 50 – 65 mg Koffein als ein Mittel der ersten Wahl zur Selbstmedikation bei Migräne und Spannungskopfschmerz.

Schnelle Kontrolle über den Schmerz

Auch die Erfahrungen aus der Apotheke sprechen für den Einsatz der Dreierkombination. Mag. pharm. Ilona Leitner, Präsidentin der Apothekerkammer Wien, über ihre Erfahrungen: „Da muss man die Zähne zusammen beißen und durch“  ist ein völlig falsches Bild, das vielen von uns in der Kindheit eingetrichtert wurde. Schmerzen zu erleiden, ist unnötig. Viele Menschen, die ihren Alltag trotz Migräne und Kopfschmerzen meistern müssen, greifen zu Selbstmedikation. Da die Patienten ihr Schmerzmittel in der Apotheke beziehen, unterstützen wir sie als Apotheker mit unserer Beratungsleistung. Auf Grund positiver Erfahrungen fragen die Betroffenen häufig nach einem Kombinationspräparat aus Acetylsalicylsäure, Paracetamol und Koffein. Da es gut verträglich ist und sehr rasch wirkt, können wir dieses Medikament nur empfehlen. Darüber hinaus gibt es auch Therapieempfehlungen, die das unterstreichen.“ Wegen dieser steht die Pharmazeutin auch aus wissenschaftlicher Sicht hinter dem Präparat: Die Dreierkombination hat ein gutes Standing im Bereich der Selbstmedikation. Sie wird von den Kopfschmerzgesellschaften Deutschlands, Österreichs und der Schweiz als Therapie der ersten Wahl und hervorgehobene Empfehlung bei Migräne und Kopfschmerzen vom Spannungstyp ausdrücklich empfohlen.

Bei Mitteln gegen Kopfschmerz gibt es in der Apotheke viele unterschiedliche Präparate mit verschiedenen Wirkstoffen, Stärken und Darreichungsformen. Je nachdem, welche Therapie der Patient sonst noch zu sich nimmt, suchen wir in der Apotheke ein geeignetes Mittel aus. Wichtig ist, dass rezeptfreie Schmerzmittel nie als Dauertherapie eingesetzt werden.“ Die Dreierkombination hat ein gutes Standing im Bereich der Selbstmedikation.

Kopfschmerzen legen alles lahm

Die Situation der Betroffenen ist schwierig. Obwohl Kopfschmerz die häufigste neurologische Krankheit darstellt, fühlen sich viele Kopfschmerzpatienten nicht ernstgenommen. Zu oft unterstellt man ihnen, dass sie die Krankheit vorschützen, um im Berufs- wie im Privatleben unangenehmen Situationen ausweichen zu können. „Der Kopf dröhnt, die Augen sind extrem lichtempfindlich und man kann sich kaum auf den Beinen halten. An Arbeit ist in diesem Zustand kaum zu denken,“ wie Frau Mag. Katharina Resch von der Selbsthilfegruppe Kopfweh Wien weiß. „Wir als Vertreter der Patientenseite wollen mit dem Tabu, das Kopfschmerzen umgibt, brechen. Denn es ist leider war, dass man als Betroffener sehr oft auf Unverständnis stößt. Besonders kritisch wird es, wenn es vermehrt zu Krankenständen wegen der Kopfschmerzen kommt. Man gerät in den Ruf des Drückebergers. Dabei ist es ja im ureigenen Interesse Kopfschmerzen rasch und effizient in den Griff zu bekommen bzw. sie gar nicht erst entstehen zulassen. Wer sich und seine Krankheit gut kennt, weiß natürlich schon welche Therapie in welcher Situation optimal wirkt. Man kann ja nicht jedes Mal zum Arzt gehen.“ 

Sozioökonomisches Problem

"Kopfschmerz und Migräne werden von den Gesundheitssystemen stark unterbewertet und undvollkomen erfasst und sie erhalten zu wenig Aufmerksamkeit", sagt WHO Repräsentant Dr. Shekhar Saxena, "Kopfschmerzen schränken viele Menschen in ihren Alltagsaktivitäten ein und können sie arbeitsunfähig machen." Bei Migräneanfällen verschieben 90 Prozent der Bbetroffenen Haushaltsarbeiten, nahezu drei Viertel sind in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt und die Hälfte dieser Personen ist gar nicht in der Lage zur Arbeit zu gehen." Migräne betrifft jede sechste Frau und jeden zwölften Mann und zählt aufgrund der volkswirtschaftlichen Auswirkungen zu den kostenintensivsten neurologischen Erkrankungen in der EU und in den Vereinigten Staaten. Der WHO-Bericht hält fest, dass alleine Migräneanfälle der Grund für 1,3 Prozent aller krankheitsbedingten Arbeitsausfälle sind, und Experten schätzen, dass alle Kopfschmerzen zusammengenommen etwa doppelt so viele Ausfälle zur Folge haben.

Die WHO fordert daher, dass der durch Kopfschmerzen verursachten individuellen und sozioökonomischen Belastung entschieden entgegengetreten werden müsse.

Selbsthilfegruppe Kopfweh Wien: http://www.shgkopfweh.at/

  • Frau Bettina Frank, 12.07.2012 um 12:29:

    „Kombinationsschmerzmittel sind der sicherste Weg, sehr schnell in einen medikamenteninduzierten Dauerkopfschmerz zu geraten!“

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