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Allgemeinmedizin 16. Juni 2012

Aus für das Pyramidenspiel

Dr. Ingrid Kiefer: Bei der Ernährung erweisen sich nur simple Empfehlungen als umsetzbar.

Ernährungsexpertin Dr. Ingrid Kiefer stellt eine gewaltige Diskrepanz zwischen Ist und Soll bei der Ernährungsweise der Bevölkerung fest. Diäten boomen zwar, bis hin zu den denkbar abstrusesten Ratschlägen, doch in der Realität sind nur simple Empfehlungen breit umsetzbar. Dies erklärte sie bei den österreichischen Ärztetagen in Grado in Italien Anfang Juni.

Was viele Empfehlungen für eine gesündere Ernährung einfach unwirksam macht, ist laut Dr. Ingrid Kiefer zunächst einmal ihre mangelnde Umsetzbarkeit in der täglichen Praxis der Konsumenten: „Empfehlungen wie ein Anteil von mit Fetten zugeführter Energieanteil von 15 bis 30 Prozent sind nicht nachvollziehbar und machbar.“

Prozentangaben obsolet

Damit seien die ehemals so populären und geforderten Anteile von Fetten, Kohlenhydraten und Proteinen an der Ernährung obsolet. Die Expertin: „Man geht immer mehr weg von nährstoffbasierten Empfehlungen und immer mehr zu nahrungsmittelbasierten Empfehlungen.“ Doch auch hier liegt, so Kiefer, die Crux im Detail: „Die Regel ‚Fünf Mal täglich Obst und Gemüse‘ hat alle abgeschreckt – einfach, weil der einzelne Konsument instinktiv gedacht hat: Das schaffe ich nie.“

Was dazu gehöre: Man müsse unbedingt auch die Mengen für die einzelnen Nahrungsmittel anführen: zwei Erdäpfel als eine Portion oder zwei Handvoll gekochter Reis als eine solche Portion – das mache solche Leitlinien für den Einzelnen durchschau- und realisierbar.

USA: My Plate

In den Vereinigten Staaten hat man auf das Versagen der Ernährungspyramide schon vor einem Jahr reagiert. Die Adipositas-Epidemie in den USA zeugte früh von der Vergeblichkeit des Bemühens, Männern, Frauen und Kindern die Bedeutung der verschiedenen Nahrungsbestandteile und deren erforderliche Mengen und Anteile am täglichen Speisezettel in Form einer nach oben spitz zulaufenden Pyramide zu veranschaulichen.

Vor einem Jahr schwenkten die amerikanischen Ernährungsexperten auf die eventuell einprägsamere Darstellung mittels Teller um. Dieser Teller „My Plate“ feiert eben seinen ersten Geburtstag (siehe Linktipp).

Aus für Pyramide & Co.

Vorbei ist in Österreich das „Pyramidenspiel“, das heißt die je nach Autor bzw. Gremium unterschiedlich ausgestaltete „Ernährungspyramide“. Ob da jetzt Teller oder Pyramiden oder andere Darstellungen gewählt würden, auf die Einheitlichkeit der Empfehlungen komme es an.

Woran es noch hapere: Es gebe kaum wissenschaftlich fundierte Evaluierungen, was in der Bevölkerung breit propagierte Empfehlungen für eine gesunde bzw. gesündere Ernährung wirklich bringen – ob sich auch real etwas ändert.

Der Österreichische Ernährungsbericht 2008 hat gezeigt, dass die Bevölkerung zu viel Fett, zu viel Cholesterin, zu viele Kalorien insgesamt sowie massiv zu viel Salz zu sich nimmt. Nicht alles davon ist von den Konsumenten entscheidend zu beeinflussen. Kiefer: „Bei der Salzreduktion hängt man sehr von den Lebensmittelherstellern ab.“ Nahrungsmittelindustrie, Bäcker etc. müssten hier ins Boot geholt werden. Mit dem zunehmenden Konsum von Halbfertig- und Fertigprodukten steige die Salzbelastung mit der Ernährung. Hier könnte auch eine schrittweise Reduktion von Salz in den Produkten helfen, um über eine langsame Anpassung die Menschen an salzreduzierte Nahrungsmittel zu gewöhnen.

 

Quellen: APA, USDA

http://www.choosemyplate.gov/

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