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Allgemeinmedizin 16. Mai 2012

Wissenschaft beim Hausarzt

Europa-Kongress der Allgemeinmediziner

Im Jahr 2010 zeigte eine Studie des steirischen Arztes Florian Stigler von der Initiative "Junge Allgemeinmedizin Österreich", dass Österreich bei der Primärversorgung in einem Vergleich von 14 Industriestaaten nur auf dem zehnten Rang lag. Jetzt steht der europäische Kongress für Allgemeinmedizin (WONCA-Europe 2012/4. bis 7. Juli im Austria Center Vienna in Wien) vor der Tür. Laut den Organisatoren gibt es in Österreich auch wissenschaftlich erheblichen Aufholbedarf.

 

"Der Kongress ist nicht wirklich zentriert auf ein einzelnes Thema. Es geht sehr stark um Wissenschaft in der Allgemeinmedizin, die ja sehr divers in ihren Themen ist. Und da ist Großbritannien führend. Weit voran sind auch die Niederlande und Dänemark", sagt Kongresspräsident Dr. Gustav Kamenski von der Österreichischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin (ÖGAM).

Kunst und Wissenschaft in der Allgemeinmedizin

In Wien werden an die 4.000 Teilnehmer erwartet. "Kunst und Wissenschaft in der Allgemeinmedizin" lautet das Motto. Kamenski betont in diesem Zusammenhang, dass gerade die Hausärzte auf für das Gesundheitswesen unerhört wichtigen Detailinformationen "säßen". Die müsse man aber auch nutzen: "In der praxisepidemiologischen Forschung sind die führenden Länder in diesem Bereich sehr stark. Die bilden im Bereich der niedergelassenen Allgemeinmediziner Netzwerke - und auf Knopfdruck haben sie die notwendigen Daten für wissenschaftliche Auswertungen."

Zu wenig Epidemiologie in Österreich

Dagegen der Status in der Alpenrepublik, so der Kongresspräsident: "Wir können zum Beispiel nicht sagen, wer von unseren Typ-2-Diabetikern zum Beispiel das Arzneimittel Meformin oder ein anderes Medikament bekommt. Hier gab es zwar vor einiger Zeit ein Sonderforschungsprojekt, (...) das funktionierte aber nur so lange, als es die Finanzierung durch einen Fonds der Nationalbank gab. Dabei wissen wir in Österreich ja kaum, woran die Menschen wirklich gesundheitlich leiden. Wir können auch zum Beispiel nicht sagen, wie gut unsere Hypertoniker eingestellt sind. Wir haben die Daten nicht."

Hohe Beteiligung der Allgemeinmediziner

Mehr als 1.000 Allgemeinmediziner haben für den Kongress Abstracts zu ihren wissenschaftlichen Arbeiten und zu Fortbildungsthemen eingereicht. Bezüglich der Plenarvorträge zum Thema Wissenschaft in der Allgemeinmedizin läuft eine Kooperation mit dem angesehenen British Medical Journal (BMJ). Dort werden die Plenarvorträge publiziert.

Bewegung, Prävention, Sportmedizin

Es gibt auch einen eigenen deutschsprachigen Programmteil zu "Bewegung, Prävention und Sportmedizin", Palliativmedizin ("Wenn Heilung nicht mehr möglich ist"), Bewegungsapparat und Schmerz. Als Festredner bei der Eröffnung (4. Juli) - die Kunst lässt sprachgewaltig grüßen - wurden Peter Turrini und die Künstlerin und Anthropologin Elisabeth von Samsonow gewonnen.

http://www.woncaeurope2012.org

 

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