zur Navigation zum Inhalt
Foto: thinkstockphotos.de
Die Kartoffel, wenn sie im Haushalt zubereitet wird, ist die reichste Quelle für die Elektrolyte Magnesium und Kalium. Die industrielle Verarbeitung schwemmt die Mikornährstofffe jedoch aus.
 
Allgemeinmedizin 11. Mai 2012

Mikronährstoffe als biologische Werkzeuge

Der Komplexität des Stoffwechsels sollte auch therapeutisch entsprochen werden.

Der physiologische Stoffwechsel des Menschen ist bei vielen ernährungsbedingten Erkrankungen gestört. Zahlreiche industriell verarbeitete Nahrungsmittel weisen einen Mangel an jenen Mikronährstoffen auf, die eine Verstoffwechselung der zugeführten Nahrung zu Energie und Regeneration unterstützen und vorantreiben sollten. Häufig wird versucht, diese Defizite durch nachträgliche Anreicherung von Nahrungsmitteln oder über Nahrungsergänzungen auszugleichen. Allerdings: Die Zufuhr von Einzelvitaminen und Spurenelementen wird der Komplexität der physiologischen Prozesse nicht gerecht. Die Folge: Der Stoffwechsel bleibt weiterhin gestört.

 

Die Medizin kennt zwar den Begriff des metabolischen Syndroms, wendet diesen jedoch nur auf die Kombination von Übergewicht, Hypertonie, erhöhte Cholesterinwerte und Diabetes an. „In Wirklichkeit“, so Mag. Norbert Fuchs, Pharmazeut und Geschäftsführer von Ökopharm, „bewirkt jeder Nährstoffmangel eine Störung des Stoffwechsels und stellt damit ein metabolisches Syndrom dar.“ Der verlangsamte Stoffwechsel führt im Bereich des Gehirns zu psychischen oder neurologischen Störungen, im Bereich des Immunsystems zu Allergien, er kann Hautprobleme oder Bluthochdruck und andere kardiovaskuläre Symptome zur Folge haben.

Jede richtige Abzweigung ein Stoffwechselschritt

Der Hintergrund: Jede Stoffwechselreaktion verläuft über bestimmte biochemische Abläufe. Für diese stellen die Mikronährstoffe die biologischen Werkzeuge in Form von Co-Faktoren dar. So beispielsweise, um die erforderlichen Neurotransmitter im Gehirn auszubilden. Vitamine, Spurenelemente und Mineralstoffe arbeiten Hand in Hand – sozusagen in einer Kettenreaktion. „Man kann sich diese biochemischen Abläufe wie auf einem Stadtplan vorstellen“, beschreibt Fuchs: „Jede richtige Abzweigung stellt einen Stoffwechselschritt dar, an dem ersichtlich ist, welche Enzyme an welchen Umwandlungsreaktionen beteiligt sind und welche Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente sie als Werkzeuge benötigen.“ Die entsprechende multifaktorielle Ergänzung wäre jener Ansatz, der den Stoffwechselbedürfnissen entspricht. Und den Körper nachhaltig in seiner Funktion unterstützt.

Während die benötigten Mikronährstoffe in den Grundnahrungsmitteln in ausreichender Menge vorhanden sind, vernichten viele industrielle Verarbeitungstechnologien den Großteil der Vitamine, Spurenelemente und Mineralstoffe. Die Kartoffel beispielsweise ist in ihrer Haushaltszubereitung die reichste Quelle für die Elektrolyte Magnesium und Kalium. Durch die großtechnische Verarbeitung in Kartoffelstärke gehen, so Fuchs, 90 bis 95 Prozent dieser Elektrolyte verloren. Die Dehydrierung schwemmt die wasserlöslichen Stoffe in die Kanalisation. Vom ernährungsphysiologischen Standpunkt gesehen, ist Kartoffelstärke damit wertlos – dennoch in zahlreichen Fertigprodukten jedoch als „Kartoffel“ deklariert. Das führt dazu, dass die Verwertung dieser leeren Kalorienträger mehr Vitamine und Mineralstoffe verbraucht, als sie selbst liefern. Damit werden sie zu Vitamin-Verbrauchern.

Die Symptome dieser latenten Vitamindefizite sind allerdings meist nicht gleich offensichtlich. „Wenn mein Körper durch einen solchen latenten, also kaum messbaren, Vitaminmangel“, so Fuchs „aus meinem 100-Prozent-Potential, Serotonin zu bilden, vielleicht nur 75 Prozent bildet, ist es das, was mich lustlos, vielleicht unglücklich, vielleicht antriebslos, vielleicht etwas denkfauler macht.“

Die Substanzfixierung ist hoch

Die biologisch-vernetzte Funktion der Mikronährstoffe führt jedoch zu einer nach wissenschaftlich-pharmakologischen Kriterien nicht nachvollziehbaren Überprüfbarkeit. „Ein historischer Irrtum“, stellt Fuchs fest, “das Wesen von Vitaminen kann nicht unter pharmakologischen Gesichtspunkten betrachtet werden. Denn ein Vitamin kann nicht wie ein Pharmakon, das einen definierten Wirkstoff darstellt, eine Wirkstoff-Rezeptor-Beziehung eingehen.“ Die Überprüfung nach Evidenz basierten Richtlinien, die den Vergleich von Einzelvariablen fordern, muss daher ins Leere gehen und fördert mit schöner Regelmäßigkeit höchst konträre Ergebnisse und letztlich Schlüsse ohne Aussage zutage. Die Substanzfixierung ist hoch. Beispiel: Vitamin E im kardiologischen Einsatzbereich.

Unterstützung auf dem Weg

Um also die komplexen – gestörten - Stoffwechselvorgänge im Organismus wirksam wieder in Stand zu setzen, sollte auf diese physiologische Komplexität eingegangen werden. Spezifisch abgestimmte Mikronährstoffkombinationen sollen spezielle Stoffwechselungleichgewichte ausgleichen. Dabei geht es nicht um die Zufuhr des Endprodukts der Stoffwechselkaskade, sondern um substanzielle Hilfestellungen auf dem physiologischen Weg dorthin.

Beispiel psychische/neurologische Erkrankungen: 900.000 Österreicher wurden laut Hauptverband der Sozialversicherungsträger wegen psychischer oder neurologischer Erkrankungen im Jahr 2011 behandelt. Je nach Altersgruppe äußern sich diese in AD(H)S, Depression oder Burn out, Altersdemenz, Alzheimer oder Altersdepression. Lärm, Überlastung, Stress und Bewegungsmangel sind die eine Seite der Ursache, Ernährung die andere. Stichwort: Stoffwechsel der Neurotransmitter. Während die pharmakologische Strategie versucht, den Abbau bestimmter Neurotransmitter – Serotonin, Noradrenalin oder Dopamin – zu verzögern, stellt die physiologische Alternative die Option dar, dem Organismus jene Co-Faktoren anzubieten, diese Neurotransmitter selbst signaladäquat auszubilden. Bei üblichen Mikronährstoff-Defiziten benötigt der Körper zwischen vier Wochen und drei Monaten, bis der Stoffwechsel wieder eigenständig auf angemessenem Niveau arbeitet. Je nach Gelingen einer Ernährungsumstellung benötigt er dann keine zusätzliche nahrungsbezogene Unterstützung mehr.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben