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Allgemeinmedizin 9. Mai 2012

Reise und Verdauung

Vorbeugung und schnelle Hilfe für mehr Reisegenuss.

Reisen in fremde Länder sind häufig mit Verdauungsstörungen verbunden. Ungewohnte Speisen, hohe Temperaturen und andere Hygienevoraussetzungen können den Stoffwechsel durcheinander bringen. In den meisten Fällen sind diese Störungen vorübergehend und unkompliziert – beeinträchtigen das Wohlbefinden des Betroffenen jedoch ziemlich stark. Einige Vorsorgemaßnahmen und schnell wirksame Medikamente für den Ernstfall können da hilfreich sein. Die Beratung vor der Reise hat einen besonders hohen Stellenwert.

 

Nicht nur in tropischen und subtropischen Reisezielen kann Diarrhoe als unangenehme Begleiterscheinung auftreten, in diesen Gegenden ist sie jedoch beim erwachsenen Reisenden die häufigste Gesundheitsstörung. Der Grund: Ebenso wie Neugeborene verfügen Tropenreisende noch über keine Immunität gegen die zahlreichen gastrointestinalen Pathogene, aufgrund der bisher fehlenden Konfrontation damit. “Andere Risikopopulationen sind alte Menschen mit Komorbiditäten wie Diabetes, Herzkrankheiten sowie Immunkompromittierte“, stellen Pitzurra et al. fest. Der Aufenthalt in Luxushotels schützt nicht davor – im Gegenteil. Studien zeigten eine größere Häufigkeit in Häusern der gehobenen Kategorie.

Die Kolonialregel hat noch immer Gültigkeit

Mehr als drei ungeformte Stuhlgänge pro 24 Stunden, begleitet von mindestens einem anderen Symptom wie Spasmen, Meteorismus, Nausea, Fieber, plötzlicher Stuhldrang, Erbrechen und Blut oder Schleim im Stuhl sind die Definitionskriterien der klassischen Reisediarrhoe. Nach wie vor Gültigkeit für eine wirksame Prävention habe, so Pitzurra et al. die alte „Kolonialregel: Boil it, cook it, peel it or forget ist.“ In der Therapie stellen orale Rehydrierung, symptomatische Therapie und antimikrobielle Therapie die drei Eckpfeiler dar. „Im akuten Fall unterwegs ist oft rasches Handeln wichtig, nur schon, um überhaupt reisefähig zu bleiben.“

Dabei ist die orale Rehydrierungstherapie (ORT) zur Wiederherstellung des Flüssigkeits- und Elektrolythaushaltes wenig bekannt, stellen Pitzurra et al. fest: „Besonders wichtig ist sie bei Kleinkindern, Personen mit Komorbiditäten und älteren Erkrankten.“ Die WHO-Formel ist meist einfach zuzubereiten: 1 Liter gekochtes Wasser, 5 gestrichene Teeloffel Zucker, 1 gestrichener Teeloffel Salz und Orangensaft (kaliumreich). Noch einfacher ist ein konfektioniertes Elektrolytersatzpulver zur Auflösung oder auch gezuckerter Tee, Salzgebäck oder Bouillon.

Als Darmmotilitätshemmer für Notfälle hat sich Loperamid bewährt. Hält die Diarrhoe allerdings nach 48 Stunden trotz Loperamideinnahme an oder verschlechtert sich der Allgemeinstand, sollte der Betroffene auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen. Generell sollte empfohlen werden, höchstens kleine Dosen einzunehmen, um eine nachfolgend oft lästige Obstipation zu vermeiden. Antibiotika können eine unkomplizierte Reisediarrhoe um 20 bis 65 Stunden verkürzen, zitieren Pitzurra et al. die Studienlage. „Oftmals reichen maximal drei Tage Therapie oder schon eine Einzeldosis. „Es handelt sich”, so Löscher et al., „überwiegend um so genannte Reisediarrhoen mit unkompliziertem und selbstlimitiertem Verlauf.“ Hier ist eine eine unspezifische symptomatische Therapie bei Erwachsenen ohne Grunderkrankungen ohne gezielte Diagnostik ausreichend.

Wenn der Darm streikt

Nicht ganz so dramatisch, aber doch unangenehm kann die durch die veränderte Kost und einen gewissen „Reisestress“ gestörte Darmmotilität in Form von Obstipation sein. Auch hier gilt: Viel trinken! Viel - schälbares - Obst und - gekochtes - Gemüse und möglichst auch viel Bewegung können den Darm wieder in Schwung bringen. Erleichterung bringt auch ein mildes Abführmittel. das vor allem für lange Reisen in Reserve gehalten werden kann.

 

Quellen: Pitzurra R., Mutsch M., Steffen R.: Reisediarrhoe; Gastroenterologe 2007, 2:161–169; Löscher T., Hoelscher M. : Reiseassoziierte Lebensmittelinfektionen; Bundesgesundheitsbl - Gesundheitsforsch - Gesundheitsschutz 2002 • 45:556–564

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