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Bei Stress verstärken Hormone die erregende Nervenaktivität im Gehirn.

Die Passionsblume hat direkten Einfluss auf das GABA-System.

 
Allgemeinmedizin 23. April 2012

Belastung, Überforderung, Erschöpfung

Stressmechanismen im ZNS mit Wirkstoffen aus der Natur durchbrechen.

Weil Stress binnen Sekunden die Energiereserven im Körper für Flucht oder Kampf freisetzt, hat er jahrtausendelang das Überleben des Menschen gesichert. Der physische Kampf und die überlebensnotwendige Flucht stehen allerdings heute im allgemeinen nicht mehr auf der Tagesordnung. Stress bedeutet daher aufgestaute Energie, die meist nur mangelhaft abgebaut werden kann und selbst zum Störfaktor wird.

 

Permanenter Stress führt auf der körperlichen Ebene zu andauernd hohen Adrenalin- und Cortisolspiegeln und damit verbunden kommt es zur Freisetzung von Fettsäuren. Langfristig erhöhte Adrenalin-, Cortisol-, Glucose- und Fettsäurekonzentrationen im Blut führen zu den Zivilisationskrankheiten wie Bluthochdruck, Diabetes mellitus und daraus resultierenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Adrenalin erhöht zudem den Muskeltonus – es kommt zu Verspannungen, Haltungsschäden und Spannungskopfschmerzen.

Die Auswirkungen von anhaltendem Druck auf der psychischen Ebene lösen einen Teufelskreis aus: Ständige Müdigkeit, Lustlosigkeit und Konzentrationsschwäche sowie Ein- und Durchschlafstörungen verhindern eine ausreichende Erholung während der Nacht, führen zu Angstzuständen, Depressionen und Burn-out.

Stressphysiologie im Gehirn

In einer Stresssituation werden die Hormone Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol ausgeschüttet und die erregende Aktivität wird verstärkt. Gleichzeitig wird die hemmende Nervenaktivität heruntergefahren – der Körper befindet sich in höchster Leistungsbereitschaft. Ist eine Stressphase vorüber, stellt sich zwischen erregenden und hemmenden Impulsen wieder ein Gleichgewicht ein. Stressoren, die in Überlastungssituationen auf das Nervensystem einwirken, antagonisieren das neuronale Hemmsystem, führen zur Überaktivität der Nerven und nervöser Unruhe. Um die Nerven zu schützen, muss das System der inhibitorischen Neurotransmitter unterstützt werden.

Mit einem Anteil von 30 Prozent in den Synapsen ist GABA (Gamma-Aminobuttersäure) der wichtigste inhibitorische Neurotransmitter. Die GABA-Agonisten Dehydroepiandrosteron (DHEA) und das daraus synthetisierte Testosteron setzen die Erregbarkeit der Nervenzellen herab. Das erklärt auch die Effekte von Benzodiazepinen, die als Schlaf- und Beruhigungsmittel eingesetzt werden. Sie verstärken die Wirkung von GABA an ihrer Andockstelle, wirken aber oft sedierend und können zur Abhängigkeit führen.

Die im Zentralnervensystem vorherrschenden Adenosin-A1-Rezeptoren erklären die Wirkung von Adenosin, das sich bei Stress im Gehirn ansammelt: Die Aktivierung der Adenosin-A1-Rezeptoren hemmt die weitere Ausschüttung erregender Stoffe und schützt so das Gehirn vor Überlastung. Antagonisten dieser A1-Rezeptoren sind zum Beispiel Coffein und Theophyllin, die eine zerebrale Stimulation bewirken. Agonisten der A1-Rezeptoren schützen dagegen die Nerven.

Stressbewältigung aus der Natur

Die Passionsblume hemmt das testosteronabbauende Enzym Aromatase und hat damit einen direkten Einfluss auf das GABA-System, allerdings ohne ermüdend zu wirken wie synthetische Schlaf- und Beruhigungsmittel, und ohne Suchtpotential. Das Passionsblumenkraut wird daher traditionell gegen nervöse Unruhe und leichte Einschlafstörungen verwendet.

Auch die beruhigenden und schlaffördernden Effekte des Baldrians dürften bereits im Mittelalter bekannt gewesen sein. Als wirkbestimmend wird ein hydrophiles Derivat von Olivil – einem Lignan – als wahrscheinlich angenommen. Olivil bindet mit hoher Affinität an Adenosin-A1- Rezeptoren, deren Stimulation die Nervenaktivität beruhigt und die Nerven vor Überlastung schützt. Mehrere klinische Prüfungen bei Patienten mit Schlafstörungen zeigten teilweise die Gleichwertigkeit mit einem synthetischen Beruhigungsmittel, wobei Baldrianwurzelextrakt tagsüber eingenommen weder die Reaktionszeit noch die Konzentrationsfähigkeit beeinträchtigt.

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