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Bei Bestellungen von Arzneimitteln über das Internet hat der Kunde keine Möglichkeit, zwischen Original und Fälschung zu unterscheiden.
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Allgemeinmedizin 10. April 2012

Medikamente per Mausklick

Der Patient unterschätzt die gesundheitlichen Risiken, die durch die Beratung des Apothekers vermieden werden können.

Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern schlucken die Österreicher weniger Medikamente. Die Anzahl der abgegebenen Standardunits beträgt in Österreich pro Kopf 1.010,2, in Frankreich hingegen 1.085,6 und in Deutschland 1.085,6. (Standard Unit ist jene Dosis, die der Patient pro Einnahme zu sich nimmt, wie zum Beispiel eine Tablette, ein Messbecher oder 10 Tropfen.) „Wir sind stolz auf diesen niedrigen Arzneimittelverbrauch. Unsere Aufgabe ist es nicht, für Arzneimittel zu werben, sondern sie richtig für die Gesundheit einzusetzen. Wir leben nicht von der Werbung, sondern von unserer Reputation, von der Beratung, und da kann es auch vorkommen, dass wir von der Einnahme eines Medikaments abraten“, sagte Mag. pharm. Max Wellan, Mitglied des Präsidiums der Österreichischen Apothekerkammer, auf der 45. Wissenschaftlichen Fortbildungswoche der Österreichischen Apothekerkammer in Saalfelden, 4. bis 9. März dieses Jahres.

 

Der Apotheker haftet persönlich für die Medikamentenversorgung, jede Apotheke hat täglich etwa 300 Kunden zu betreuen, im Durchschnitt sind 5.000 verschiedene Produkte lagernd. Oft wird noch vor dem Arztbesuch der Apotheker um Rat gefragt. Allerdings wird dieser Rat manchmal nicht befolgt oder dient der – kostenlosen - Vorabinformation für einen Erwerb über den Versandhandel. „Das kann man nur als Beratungsdiebstahl bezeichnen, der noch dazu gefährlich werden kann“, warnte Wellan. Für diese Medikamente gibt es keine Sicherheit, welche Wirkstoffe wie verarbeitet wurden. Selbst in Speziallabors können die Inhaltsstoffe in manchen Fällen nur schwer oder überhaupt nicht nachgewiesen werden. Der Kunde hat keine Möglichkeit, zwischen Original und Fälschung zu unterscheiden. Auch die Sicherheit des Transportes ist nicht garantiert, etwa die richtige Kühlung oder die Haltbarkeit. Diesen sicheren Vertriebsweg kann nur die Apotheke vor Ort garantieren. „Falls gesundheitliche Schäden auftreten, etwa durch eine zu hohe oder zu niedrige Dosis eines Medikaments, hat der Patient keinerlei Möglichkeit einer Entschädigung“, gab Wellan zu bedenken.

Gefährliche „ Rosinenpickerei“

Auf welche gefährliche „Rosinenpickerei“ sich der Kunde mit einer Mausklick-Bestellung einlässt, ist vielen nicht klar. 95 Prozent der von den Behörden aufgegriffenen Medikamente aus dem Internet sind Fälschungen. 62 Prozent der online gekauften Arzneimittel sind gefälscht. 95,6 Prozent der Internetapotheken operieren illegal. 90 Prozent der Websites versenden rezeptpflichtige Arzneimittel ohne Rezept. 2007 wurde erstmals mit gefälschten Versionen von „Viagra“ mehr Umsatz gemacht als mit dem Original. „Arzneimittel sind ein attraktives Feld für Produktpiraten geworden, die ihre Plagiate über Internet oder den Schwarzmarkt verkaufen. Wo Versandhandel für Arzneimittel erlaubt ist, steigt die Anzahl der Fälschungen“, richtete Wellan einen eindringlichen Appell an die zuständigen Behörden und an die Konsumenten. Er forderte eine stärkere Bestrafung von Arzneimittel-Fälschern, eine noch engere Zusammenarbeit aller Behörden, wie Zoll, Bundeskriminalamt und Arzneimittelbehörde, wobei allerdings die Verfolgung von organisierter Kriminalität problematisch ist. „Viele Leute schalten den Computer, aber nicht das Hirn ein. Wenn das Angebot sehr verlockend ist, gibt es sehr viele, die da nicht widerstehen können“, stellte Josef Holzberger vom Landeskriminalamt Salzburg fest, der an der Aufklärung von Fälschungen mitarbeitet.

 

Quelle: 45. Wissenschaftliche Fortbildungswoche für Apotheker, Saalfelden, 4. bis 9. März 2012

Sichere Medikamente
Alle Wirkstoffe, Inhaltsstoffe und sonstigen Bestandteile, die für die Herstellung eines Medikamentes verarbeitet werden, unterliegen strengen Kontrollen. Sicherheitsmerkmale und Verpackungen garantieren die Echtheit des Medikamentes. Diese Maßnahmen werden 2013 durch neue EU-Richtlinien weiter ausgebaut. Es werden zusätzliche Codes eingeführt, über ein Datenspeicher- und Abrufsystem wird jede Packung registriert und mehrfach kontrolliert. So werden Medikamente noch sicherer.

Von G. Niebauer. , Apotheker Plus 3/2012

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