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Allgemeinmedizin 15. März 2012

Mündiger Patient trägt zu Fehlervermeidung bei

Es klingt recht simpel, kann aber gröbere Fehler im Spitalsalltag verhindern: Wenn man im Spital gestern blaue Pillen bekommen hat und heute sind sie rosa - dann soll der Patient im Zweifelsfall unbedingt nachfragen, ob alles seine Richtigkeit hat. Betroffene stehen nicht allwissenden Göttern in Weiß gegenüber, sondern sollen aktiv in den Ablauf involviert werden, hieß es bei einem Pressegespräch am Donnerstag in Wien zum Thema Patientensicherheit.

Immer noch trauen sich in Österreich viel zu wenige Patienten und Angehörige, bei einem Mediziner aktiv und kritisch über ihre Behandlung nachzufragen oder bei einem Krankenhausaufenthalt im Zweifelsfall aktiv zu werden. Die Plattform Patientensicherheit möchte dazu beitragen, die Betroffenen niederschwellig zu mündigen Beteiligten im Gesamtprozess zu machen. Das bedeute nicht, die Verantwortung auf die Patienten abzuschieben, sagten die Verantwortlichen.

Aber: Es werde damit ein zusätzlicher Schutzmechanismus eröffnet, der zur Fehlervermeidung beträgt. Und letztendlich auch eine Verbesserung des Verhältnisses zwischen Arzt und Patient bringen wird, erläuterte Gerald Bachinger, Sprecher der Patientenanwälte Österreichs. Auch wenn gerade Mediziner der Initiative bisher eher verhalten gegenüberstehen, wie erste Ergebnisse einer Pilotstudie nahe legen. In Österreich würden aktive Patienten nicht selten "eher als Angriff gesehen" - das wollte man ändern.

Die aktuelle Initiative "Sicher = Sicher" stellt die kompetente Aufklärung des Patienten über seinen Aufenthalt in der Klinik in den Fokus. Als Teil des Prozesses setzt man auf seine Mitarbeit - und schlicht ein weiteres Augenpaar, das eventuelle Gefahren rechtzeitig entdecken kann. Ziel ist eine möglichst große Reduktion der Risiken, zu der alle Beteiligten ihren Beitrag leisten können.

Kurz und bündig und in verständlichen Worten wird in einem Folder auf die Bereiche Information, Hygiene, Medikamente, Gefahrenvermeidung und Entlassung eingegangen. Der Patient soll sensibilisiert und zur Aktivität animiert werden. Wie sich zeigte, sind zwei Drittel der Patienten gerne zu einer aktiven Mitarbeit bereit, wenn damit Behandlungsfehler reduziert werden können.

Eine Arbeitsgruppe hatte im Vorfeld in Niederösterreich erste konkrete Ergebnisse erarbeitet, was eine derartige Aufklärung bringen kann: Gemeinsam mit der FH St. Pölten wurde in Amstetten und Lilienfeld eine Pilotstudie zur Patientensicherheit durchgeführt. "Zehn bis 15 Prozent kann der Patient beitragen. Diese Potenzial wird derzeit nicht genützt", zeigte sich Peter Gausmann, Geschäftsführer der deutschen Gesellschaft für Risiko-Beratung, überzeugt. Durch die Einbeziehung entstehe außerdem ein positiver Nebeneffekt: Der Druck auf das Personal steigt.

Service: Weitere Informationen zur Plattform Patientensicherheit unter http://www.plattformpatientensicherheit.at

 

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