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Foto: Österreichische Akademie für Präventivmedizin und Gesundheitskommunikation
Das auf unterhaltsame Art lehrreiche Zahntheater „Im Mund geht‘s rund!“ errang Platz 1 des Österreichischen Kommunikationspreises 2009.
 
Allgemeinmedizin 29. April 2009

Modellhafte Projekte für Gesundheitskommunikation

Auszeichnungen für Zahntheater, Mini Med-Studium und Bärenburg.

Der Österreichische Kommunikationspreis 2009 wurde von der Österreichischen Akademie für Präventivmedizin und Gesundheitskommunikation (ÖAPG) heuer erstmals für innovative und vorbildliche Gesundheitskommunikation im Bereich der Prävention und Gesundheitsförderung ausgelobt (die Ärzte Woche berichtete). Die Verleihung des mit 3.000 Euro dotierten Wettbewerbs fand am 23. April 2009 im Rahmen des Symposiums „Sprechen Sie Gesundheit“ statt.

 

Um den Preis bewarben sich Einzelpersonen, PR-, Werbeagenturen, Gemeinden, Verbände, Vereine und Institutionen mit Aufklärungs-, Informations- und Motivationskampagnen oder Projekten, die maßgeblich zur Prävention & Gesundheitsförderung beitragen (siehe Kasten). Die Zahl der Einreichungen übertraf die Erwartungen um ein Vielfaches. Die drei besten werden kurz vorgestellt – und zur Nachahmung empfohlen.

1. Platz: „Im Mund geht’s rund!“ – Ein Zahntheather

Das ganzheitliche, österreichweit einzigartige Zahntheater, ein Projekt des Vereins für prophylaktische Gesundheitsarbeit, vermittelt den Kindern der Wiener Volksschulen spaß- und erlebnisbetont die wichtigsten Inhalte in Bezug auf Zahngesundheit. Das Theaterstück wird von drei SchauspielerInnen vorgeführt, die auch als ZahngesundheitserzieherInnen ausgebildet sind.

Inhalt des Stücks

Die Hauptpersonen sind Rebecca und Markus, zwei befreundete Kinder im Volksschulalter. Während des Stücks begeben sich die Zuschauer auf einen Ausflug in Rebekkas Mund und lernen Rebekkas 5er-Zahn und den 6er-Zahn kennen. Die SchauspielerInnen schlüpfen dabei in lustige Zahnkostüme. Rebekkas Zähne leiden schon längere Zeit unter all dem klebrigen Zuckerzeug, das Rebekka zu sich nimmt. Der 5er-Zahn wird regelmäßig von schrecklichem Karies-Albtraum gequält. Im Traum gelingt es dem Zahn, die Kariesbakterie, die ihn bedroht, mit Kraftworten wie „Zähneputzen!“, „Gesunde Ernährung!“ und „Regelmäßiger Zahnarztbesuch!“ zu verschrecken und zu vertreiben. Doch die Zähne wissen, dass es im realen Leben mehr als bloße Worte braucht. So beginnen sie, im Mund für ihre Gesundheit aktiv zu werden. Auch das Thema gesunde Ernährung wird im Zahntheater berücksichtig. Markus empfiehlt Rebekka seinen Zahnarzt, den er regelmäßig besucht. Rebekka geht also während des Stücks zum Zahnarzt.

Im ganzen Theaterstück werden die Kinder aktiv eingebunden. Wir sehen, wie Rebekka im Wartezimmer sitzt und dann auf den Untersuchungsstuhl klettert. Der Zahnarzt zeigt Rebekka danach das richtige Zähneputzen und erklärt ihr den richtigen Umgang mit Süßigkeiten. Als sie fertig ist, ist sie richtig glücklich, und auch die Zähne bemerken den Unterschied zu früher und fühlen sich wesentlich wohler.

Pädagogischer Faktor

Im Anschluss an das Stück wird mit den Kindern in Kleingruppen Zähne geputzt. Damit wird der pädagogische Effekt des Theaters verstärkt. Die Kinder sehen nicht nur ein spannendes, lustiges Stück, sondern setzen danach die Inhalte mit Unterstützung der fachkompetenten ZahngesundheitserzieherInnen selbst um. Durch das Zähneputzen in Kleingruppen kann auf die richtige Zahnputztechnik jedes einzelnen Kindes geachtet werden. Im Rahmen des Zähneputzens bekommt jedes Kind eine altersgerechte Zahnbürste geschenkt. Weiters werden im Sinne der Gruppenprophylaxe Eltern-Informationsbroschüren verteilt, die die richtige Zahnputztechnik zeigen, um auch die Eltern in die Prophylaxe einzubeziehen. Die Kinder sind begeistert, wenn die Stars, die sie soeben noch auf der Bühne gesehen haben, zu ihnen in die Klasse kommen. Das Demo-Gebiss, mit dem die richtige Zahnputztechnik gezeigt wird, kam auch schon im Stück vor. Die Rückmeldungen der PädagogInnen und der Kinder auf das Zahntheater sind sehr, sehr positiv. Besonders der „Vitamine-Rap“ gilt als großer Ohrwurm, und die Kinder sind begeistert von den beiden Zähnen und den vielen Inhalten, die sie im Stück erklärt bekommen.

Evaluierung 2007/08

Gemeinsam mit TippTopp-Kariesstopp konnte das Zahntheater im Schuljahr 2007/2008 23.834 Kinder in 69 Volksschulen und 156 Kindertagesheimen erreichen. Mit sieben Elternabenden und 60 Infoständen in Volksschulen und Kindergärten konnten 2.262 Eltern erreicht werden. Über Sponsoring von „mentadent“ finanziert, konnten 91 Aufführungen des Zahntheaters „Im Mund geht‘s rund“ in 47 Volksschulen mit 9.971 Kindern durchgeführt werden. Insgesamt erreichte man mit dem Projekt knapp 68.000 Kinder in Wien.

2. Platz: Mini Med-Studium

Seit seiner Geburtsstunde in Tirol vor nunmehr neun Jahren hat sich das Mini Med-Studium des Vereins zur Förderung der Information über Gesundheitsfragen (www.minimed.at) zur größten österreichischen Gesundheits-Informationsplattform für die Bevölkerung entwickelt. Die medizinischen Vorlesungen für Laien erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit. Insgesamt haben bereits 200.000 Menschen die bisher stattgefundenen 800 Vorträge in ganz Österreich und Südtirol besucht. Unter dem Motto „Spitzenmedizin hautnah erleben“ stellen sich führende ÄrztInnen kostenlos in den Dienst der Menschen und referieren in allgemein verständlicher Sprache am „state of the art“ zu wichtigen Gesundheitsthemen. Die Vorträge behandeln unterschiedliche medizinische Themen auf Basis wissenschaftlich gesicherter Erkenntnisse und am neuesten Stand der Forschung. Dabei spielen Gesundheitsförderung und Vorsorge eine wichtige Rolle. Im Anschluss daran diskutieren die ReferentInnen mit den Menschen ausführlich. Moderatoren wachen darüber, dass die Sprache einfach und für alle verständlich bleibt und die Diskussion Freiraum für alle Fragen bietet, auch sehr offene und persönliche. Die insgesamt zirka 300 Veranstaltungen in Österreich sind für die Bevölkerung kostenlos.

„Ziel des Mini Med-Studiums ist es, aus Patienten mündige Partner zu machen. In diesem Sinne leistet es einen wesentlichen Beitrag zur Gesundheitsvorsorge“, sagt Prof. Dr. Georg Bartsch, Mini Med-Studiumsgründer und Direktor der Universitätsklinik für Urologie Innsbruck. Außerdem soll das Interesse an zentralen Gesundheitsthemen in der Bevölkerung geweckt und am neuesten Stand der Forschung informiert werden. Darüber hinaus soll jedem, egal welcher Bildungs- und Einkommensschicht er angehört, kostenfreier Zugang zu medizinischem Wissen aus erster Hand ermöglicht werden. Das Studium ist in allen österreichischen Bundesländern und in Südtirol vertreten. Mittlerweile gibt es bereits 15 voneinander unabhängige Vortragsprogramme mit 23 verschiedenen Standorten. Mit einer DVD-Reihe können sich Interessierte die Vorträge ausgewählter ReferentInnen in ihr Wohnzimmer holen. Derzeit sind vier Bände zu den Themen Depression, Herzinfarkt, Osteoporose und Hormonhaushalt erhältlich.

Der Mini Med-Studentenausweis ist die Grundlage für das Mini Med-Zertifikat, das jeder Teilnehmer nach zehn besuchten und auf dem Ausweis bestätigten Veranstaltungen erhält. Darüber hinaus berechtigt der Mini Med-Studentenausweis zu zahlreichen Ermäßigungen.

3. Platz: Bärenburg – Kindersicherheitshaus Graz

Die Bärenburg, initiiert vom Österreichischen Komitee für Unfallverhütung im Kindesalter, ist das erste österreichische Kindersicherheitshaus. Es zeigt Eltern und Kindern, wo im Haushalt Gefahrenquellen lauern, wie man sie erkennt, entschärft und wie das eigene Heim und der Garten ein sicherer Platz für Kinder wird. Von „Große schützen Kleine“ wurde das Schauhaus am Gelände des LKH-Univ.-Klinikums Graz nach australischem Vorbild erbaut.

Ungesicherte Steckdosen, heiße Herdplatten, leicht zu öffnende Fenster und Schubladen, Elektrogeräte, Putzmittel, der Wickeltisch – 52 Prozent aller Kinderunfälle passieren zu Hause. Dies betrifft jährlich rund 90.000 Kinder in Österreich. Vier Fünftel davon ereignen sich im Wohnbereich, der Rest in Hof und Garten. Küche, Bad und Kinderzimmer bergen die größten Gefahren. In der Bärenburg werden die Gefahrenbereiche anschaulich dargestellt und gleichzeitig gezeigt, wie dieses Umfeld sicher gemacht werden kann: einerseits durch passive Schutzeinrichtungen wie Herdschutz-, Stiegengitter, Steckdosenschutz oder Schubladenstopp, andererseits aber auch durch die Schaffung von Bewusstsein für diese Gefahren und deren effiziente Vermeidung. Kinder und alle, die mit Kindern leben und arbeiten, werden sensibilisiert, Gefahrenmomente zu erkennen, um entsprechend entgegenwirken zu können.

Zielpublikum sind Kinder, deren Eltern und alle, die mit Kindern leben und arbeiten. Erwachsene können die Bärenburg mit einer Führung oder auf eigene Faust erkunden und sich von den anwesenden Sicherheitsexperten viele weitere Tipps für die Sicherheit ihrer Kinder auch im Verkehr oder beim Sport holen. Für Kindergruppen (Kindergarten, Schule) wird eine eigene Erlebnis-Tour angeboten, die alle Sinne anspricht und die Kinder zum Mitmachen einlädt.

Kasten:
Details zum Kommunikationspreis 2009
1. Platz: „Im Mund geht’s rund!“ – Ein Zahntheather PGA Wien – Verein für prophylaktische Gesundheitsarbeit
2. Platz: MINI MED Studium MINI MED – Verein zur Förderung der Information über Gesundheitsfragen
3. Platz: Bärenburg - Kindersicherheitshaus Graz Österreichisches Komitee für Unfallverhütung im Kindesalter

Eingelangte Bewerbungen: 122 aus ganz Österreich
Nominierte Bewerbungen: 25 (siehe www.oeapg.at)
Auszeichnung: Der österreichische Kommunikationspreis 2009 wird in den Auszeichnungen gold, silber & bronze vergeben.
Einreichfrist: 28. Jänner – 30. März 2009.
Auswahlverfahren: Durch eine unabhängige Jury in einer nicht-öffentlichen Sitzung am 15. April 2009. Die Entscheidung erfolgte unter dem Aspekt der Relevanz für vorbildliche & innovative Gesundheitskommunikation unter Berücksichtigung folgender Kriterien:
- Kreativität des Ansatzes
- Wirkungsbereich: Prävention und/oder Gesundheitsförderung
- Ergebnisse im Hinblick auf die Zielerreichung
- Nachhaltigkeit der Ergebnisse
- Übertragbarkeit bzw. Modellhaftigkeit der Ergebnisse
Jury: Vizepräs. Hon.-Prof. Dr. Robert Schlögel (BMG) (Vorsitz), Dr. Martin Bernhofer (ORF), Thomas Braunstorfer (Pharmig), Mag. Brigitte John-Reiter (ÖAPG), Prof. DDr. Mathias Karmasin (Kommunikationswissenschaft), Ernst Mauritz (Kurier), Dr. Ricarda Reinisch (ORF), Dr. Monika Steinmaßl-Wirrer (SpringerWienNewYork), Dr. Christof Zernatto (Zernatto Consulting)
 www.oeapg.at

Von Dr. Monika Steinmaßl-Wirrer, Ärzte Woche 18/2009

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