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Foto: Paul Cowan / photos.com
Acht von zehn Erwachsenen in unseren Breiten weisen erste leichte Veränderungen der Beinvenen auf.
 
Allgemeinmedizin 2. April 2012

Keine Chance für Krampfadern

Nur ein Bruchteil der Betroffenen sucht Hilfe beim Arzt, oft führt der erste Weg in die Apotheke.

Wenn im Frühjahr mit Beginn des schönen Wetters Röcke und kurze Hosen aus dem Schrank geholt werden, kommt es wieder zutage: Acht von zehn Erwachsenen in unseren Breiten weisen erste leichte Veränderungen der Beinvenen auf. Bei Beschwerden führt dann oft der erste Weg in die Apotheke.

 

Die meisten Veränderungen im Venensystem zeichnen sich als Besenreiser auf der Hautoberfläche ab. Etwa 15 Prozent leiden bereits unter Krampfadern. Die volkswirtschaftlichen Kosten sind nicht unerheblich. Allein die direkten Krankheitskosten durch Venenerkrankungen werden auf über zwei Milliarden Euro geschätzt.

Im Mittelpunkt der Therapie bei venösen Erkrankungen steht nach wie vor die konsequente Kompressionsbehandlung mittels Verbänden oder Strümpfen. Allerdings sucht nur ein Bruchteil der Betroffenen fachliche Hilfe beim Arzt viele suchen bei Beschwerden zunächst häufig eine Apotheke auf. Apothekern kommt daher eine wichtige Beratungsfunktion zu. Vor einer Selbstmedikation sind Kunden mit leichten Venenerkrankungen von jenen mit schweren zu differenzieren und letztere zum Arzt zu schicken. Das gilt bei deutlichen Ödemen, zunehmenden Beschwerden wie Schmerzen und Hautveränderungen ebenso wie bei ausgeprägten Krampfadern. Vorsicht ist jedenfalls bei unspezifischen Beschwerden in den Beinen geboten. Denn Missempfinden und Schmerzen können ebenso von einem Bandscheibenvorfall herrühren, und auch Diabetiker klagen häufig über eine Schwellungsneigung.

Ist eine Selbstmedikation möglich, können sowohl Kompressionsstrümpfe als auch Medikamente empfohlen werden. Mit der Kompressionstherapie – und zwar nicht nur zur Reiseprophylaxe und für Sportler – kann vor allem ein sofortiger Effekt erzielt werden. Allerdings lassen sich erfahrungsgemäß die allermeisten Patienten die Strümpfe lieber vom Arzt verordnen. Ebenfalls muss bei der Empfehlung von Medikamenten klar sein, dass sie nur symptomatisch wirken – zumindest nach bisheriger Studienlage. Sie reduzieren vor allem die Schwellungsneigung und die Beschwerden wie Schmerzen und Juckreiz – und zwar, um so besser, je schwerer die Symptome sind. Die in einigen Präparaten enthaltenen antientzündlichen Komponenten bergen möglicherweise langfristig ein größeres Potenzial.

Pflanzliche Wirkstoffe zur internen Anwendung

Zur internen Anwendung stehen dabei grundsätzlich Substanzen zur Verfügung, die ödemprotektiv, vasoaktiv/venentonisierend, ödemaus-schwemmend und gerinnungshemmend wirken. Für verschiedene pflanzliche Wirkstoffe liegen gute Studiendaten bei CVI vor, wenn Beschwerden wie Schmerzen und Schwellungen in den Beinen, Juckreiz und nächtliche Wadenkrämpfe bestehen. In einer kontrollierten Multicenterstudie wurde zum Beispiel die Wirksamkeit des roten Weinlaubextraktes an 248 Probanden mit CVI getestet. Nach zwölf Wochen hatte sich mit Verum im Vergleich zu Placebo das Unterschenkelvolumen signifikant reduziert. Auch Schmerzen in den Beinen nahmen ab.

Kontinuierliche Einnahme ist ausschlaggebend

Für nachweisbare Effekte empfiehlt es sich, orale Zubereitungen über mindestens zwölf Wochen einzunehmen. Kunden sollten zudem darauf hingewiesen werden, dass die volle Wirkung erst nach etwa zwei bis vier Wochen eintritt. Die Verträglichkeit der Präparate erhöht sich, wenn sie vor oder zu den Mahlzeiten eingenommen werden.

Gerinnungshemmende Externa etwa mit Heparin oder Hirudin können zwar durch den Kühleffekt eine subjektive Linderung erzielen. Zur perkutanen Permeation und Wirksamkeit liegen aber nur ungenügende Kenntnisse vor.

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