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Zu Beginn einer ernsthaft angestrebten Gewichtsreduktion sollte ein Ernährungstagebuch geführt werden.
 
Allgemeinmedizin 14. März 2012

Wissen was man isst

Die persönliche Strategie, Verlockungen zu widerstehen und das Bewusstsein für den Nährwert von Lebensmitteln helfen beim Abnehmen.

In Österreich sind 42 Prozent der Erwachsenen übergewichtig, wobei dieser Anteil bei den Über 65jährigen wieder zurückgeht. Übergewicht ist multifaktoriell bedingt. Und die Zahl jener, die mit ihrem Körpergewicht subjektiv nicht zufrieden sind, schwankt nach Altersgruppe, Geschlecht, sozioökonomischen Gegebenheiten und Lebensumfeld beträchtlich. Für anhaltende Erfolge ist jedenfalls eine Umstellung der Ernährungsgewohnheiten und des Lebensstils notwendig. Dabei kann Unterstützung auf verschiedenen Ebenen hilfreich sind.

 

Nur etwa 15 Prozent der Versuche abzunehmen sind erfolgreich. Doch: Da jeder Erfolg die Motivation erhöhen kann, können auch kurzfristige Diäten sinnvoll sind. In jedem Fall empfiehlt es sich zu Beginn einer ernsthaft angestrebten Gewichtsreduktion ein Ernährungstagebuch zu führen, indem alle pro Tag verzehrten Lebensmittel und die Begleitumstände unter denen sie konsumiert werden, aufgezeichnet werden. Allein dies führt häufig schon zu einer Reduktion der Essensmenge. Die westlichen Industrieländer bieten jedenfalls ein Umfeld, das Übergewicht fördert. Experten sprechen von der „obesogenen“ Umwelt und das bedeutet, dass unter anderem Portionsgrößen angestiegen sind, die Vermarktungsstrategien für Nahrungsmittel aggressiver werden, die Menschen weniger gezwungen werden, Bewegung im Alltag zu machen und das Angebot an passiv rezipierten Unterhaltungsmedien zunimmt.

Mit dem Projekt „Schlank ohne Diät (SOD)“ bietet die Niederösterreichische Gebietskrankenkasse in Zusammenarbeit mit dem Institut für Sozialmedizin der Medizinischen Universität Wien ein Gewichtsreduktionsprogramm, das zur Verhaltensmodifikation im Ess- und Bewegungsverhalten der Teilnehmer führen soll. Dabei geht es darum, die Vorteile einer kontinuierlichen, langsamen Gewichtsreduktion zu vermitteln. Internationale Empfehlungen gehen davon aus, dass ein anhaltender Erfolg mit einer Gewichtsreduktion von einem halben Kilo pro Woche am besten erreicht werden kann.

Ziel: Verhaltensänderung

Das Programmziel war eine Verhaltensänderung und eine Verbesserung der Selbstkontrolle, um falsche Essens- und Bewegungsmuster zu identifizieren und zu ändern. Dazu werden die Teilnehmer motiviert, ihre ganz persönlichen Strategien zu finden, wie sie mit den täglichen kulinarischen Verlockungen umgehen können. Das Programm bestand aus Schulungsterminen während zehn Wochen mit Beratern aus verschiedenen Berufsgruppen, wie Ärzten, Pflegewissenschaftlern, Psychologen, Ernährungsberatern etc.

Eine Analyse von 4.053 Teilnehmern zeigte, dass das Programm die Zielgruppe von Gewichtsreduktionsprogrammen sowohl in Bezug auf BMI und Alter der Teilnehmer erreichte und auch der Erfolg bei der Gewichtsreduktion mit anderen Programmen vergleichbar ist. Eine durchschnittliche Gewichtsreduktion im Rahmen des Schlank ohne Diät-Programmes von 4,26 kg vom Ausgangsgewicht konnte sechs bzw. zwölf Monate nach Programmende gehalten werden. Jene Teilnehmer, die den Therapieempfehlungen folgen und beispielsweise nicht nur die aufgenommene Nahrungsmenge dokumentieren, sondern auch in den entsprechenden Brennwert umrechnen, haben einen signifikant höheren Gewichtsverlust. Die Teilnahme an Nachbesprechungen nach Ende der Beratungszeit war jedoch gering. Auch wurde eine Zunahme des Gewichts zwischen dem ersten und dem zweiten Nachbeobachtungszeitpunkt sechs bzw. zwölf Monate nach Ende der Intervention festgestellt. Strikte Ernährungsvorschriften seien jedenfalls nicht nötig, um Gewicht zu verlieren, stellen die Autoren fest, sondern eine Steigerung der Sensibilität für den Nährwert der verzehrten Nahrungsmittel.

 

Quellen: Arnold Lohaus, Holger Domsch (Hrsg.): Psychologische Förder- und Interventionsprogramme für das Kindes- und Jugendalter, Springer Medizin Verlag Heidelberg 2009; Boehm et a.: Evaluation of the sustainability of the Public Health Program “Slim without diet (Schlank ohne Diät)”: Wien Klin Wochenschr (2011) 123: 415–421

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