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Prof. Dr. Heinz Ludwig
Vorstand der 1. Medizinischen Abteilung – Zentrum für Onkologie und Hämatologie, Wilhelminenspital

 
Allgemeinmedizin 6. März 2012

Herausforderung Palliativmedizin

Mehr als ein bloßes Begleiten des unheilbar Kranken knapp vor seinem Tod.

Die Facetten einer zeitgemäßen Palliativ- und Supportivmedizin wurden im Rahmen eines Symposiums unter der Leitung von Prof. Dr. Heinz Ludwig, Vorstand der 1. Medizinischen Abteilung – Zentrum für Onkologie und Hämatologie, Wilhelminenspital, Wien, Ende Februar in Wien von Experten unterschiedlichster Disziplinen diskutiert.

 

Heute gelingt es, durch umfassende palliativ- und supportivmedizinische Betreuung bereits vom Zeitpunkt der Diagnose an die Lebensqualität signifikant zu verbessern sowie mitunter auch die Lebensdauer der Patienten zu verlängern. In die Therapie mit einbezogen werden neben physischen Faktoren auch die individuellen emotionalen, psychischen, spirituellen und sozialen Bedürfnisse der Betroffenen.

Wichtige Aspekte der Palliativmedizin

Die moderne Palliativmedizin hat viele Facetten. Hauptaugenmerk wird auf die Therapie von belastenden Symptomen gelegt, die mit der schweren Erkrankung verbunden sind. Ziel der palliativmedizinischen Maßnahmen ist dabei stets die Optimierung der Lebensqualität für den betroffen Patienten.

Zu den zentralen Bausteinen gehört z. B. die Schmerztherapie. Hier konnten in den letzten Jahren durch ein besseres Verständnis der Entstehung, Chronifizierung und Verstärkung von Schmerzen signifikante Verbesserungen erzielt werden. Wichtige Innovationen, die sich vor allem auch durch geringere Nebenwirkungen auszeichnen, sind die topische Anwendung von Schmerzmitteln (z.B. Capsaicin-Pflaster bei neuropathischen Schmerzen) und die invasive Schmerztherapie mit Ziconotide – kontinuierliche Gabe über eine Schmerzpumpe in die Rückenmarksflüssigkeit.

Ein weiterer Baustein ist die Supportivtherapie, da Diarrhoe, Obstipation, Mucositis, Nausea und Emesis und Fatigue bei Palliativpatienten häufig auftreten und nach Möglichkeit entsprechend therapiert werden:

Ein beträchtlicher Teil der Patienten mit unheilbaren Erkrankungen entwickelt im Verlauf der Krankheit schwere körperliche, aber auch psychische Beschwerden. Das Erkennen, Erfassen und möglichst optimale Bekämpfen dieser Beschwerden steht ebenfalls im Vordergrund und hat oberste Priorität.

Da rund zwei Drittel der Patienten älter als 65 Jahre sind, kommt in diesem Zusammenhang auch verschiedensten geriatrischen Aspekten eine gewisse Bedeutung zu (z.B. Demenz). Aber auch eingeschränkte vegetative bzw. organische Funktionen spielen eine Rolle; ebenso Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes.

Nicht genug betont werden kann auch der wesentliche Stellenwert einer aufrichtigen Kommunikation mit dem Patienten. Die Akzeptanz des Patienten als gleichberechtigten Partner und das Eingehen auf seine individuellen Bedürfnisse sind wichtige Faktoren der Betreuung im Rahmen der Palliativtherapie.

In einer Metaanalyse zur Bedeutung spiritueller Bedürfnisse von Menschen in Palliativsituationen (A. Edwards et al, Palliative Medicine 24(8) 753-770) wurde – wie Dr. Annette Henry vom „CS Hospiz Rennweg“/Palliativstation, Wien, erläuterte – die zentrale Bedeutung festgestellt, die tragfähigen Beziehungen zu Pflegenden, Ärzten und anderen Betreuern zukommt.

Gefragt sind nicht wohlgemeinte Ratschläge oder gar religiöse Bekehrung, sondern Antworten auf offene Fragen und eine lebendige Atmosphäre, die Alltäglichem wie Tiefgreifendem, Traurigkeit wie Freude nebeneinander Platz bietet.

Modernste Palliativstation wird Mitte 2012 eröffnet

„Mitte dieses Jahres wird die modernste Palliativstation Österreichs bei uns im Hause ihren Betrieb aufnehmen. 14 stationäre Betten mit umfassender, multiprofessioneller Betreuung werden dann zur Verfügung stehen“, erläuterte Dr. Barbara Hörnlein, Ärztliche Direktorin des Wilhelminenspitals, bei dem Symposium.

Auf diese wichtige Neuerung freut sich schon Ludwig: „Die Palliativmedizin versteht sich heute als Begleitung des gesamten Krankheitsweges, und in Zukunft sollte dies noch verstärkt der Fall sein."FH

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