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Allgemeinmedizin 2. März 2012

Virtueller Patient: Graz will Milliardenprojekt verwirklichen

Was zum Beispiel in der Autoindustrie schon lange Routine ist - die hundertfache Simulation am Computer in der Planungs- und Konzeptphase - soll künftig auch in die Medizin übernommen werden: "Können die Entwickler durch computerunterstützte Simulationen und Modellierungen im Vorfeld der klinischen Testung von Medikamenten konkrete Informationen über den Organismus und den biologischen Vorgängen bekommen, ersparen wir dem Patienten und der Industrie viele riskante Versuche und Zeit", schildert der Grazer Pathologe Kurt Zatloukal vom Institut für Pathologie der Med-Uni Graz im Gespräch. Diese optimierte Medikamentenentwicklung ist eine der Zielrichtungen der europäischen Großinitiative ITFoM.


"Einige wenige Faktoren werden heute schon routinemäßig erhoben, es fehlt jedoch die Integration in ein Gesamtmodell sowie Vergleichbarkeit und Standards bei der Erhebung der Daten", schildert Zatloukal. Seine Mitarbeiter haben über Jahre im Rahmen von Projekten, in dem u.a. die über ganz Europa verteilten Sammlungen von menschlichen biologischen Proben in einer einzigen virtuellen Biobank zusammengeführt wurden, Know-How im standardisierten Umgang und der Behandlung von Patientenproben gesammelt. Nun soll der gesamte Medizinbereich des Projektes von der Med-Uni Graz abgewickelt werden. Daneben sind in das Konsortium aus 24 Kernmitgliedern und 32 Kooperationspartnern molekularbiologische Analytiker und - für die enormen Rechnerleistungen - IT-Spezialisten und Unternehmen eingebunden.


ITFoM rittert mit fünf weiteren Finalisten im neuen europäischen Förderprogramm der Informationstechnologie (FET Flagship Initiative) um eine zehnjährige Forschungsförderung in der Höhe von rund einer Milliarde Euro. Die Finalisten wurden im April des Vorjahres aus 21 Bewerbungen ausgewählt. Zur Konkretisierung ihrer Vorhaben haben sie ein Jahr Zeit und 1,5 Mio. Euro zur Verfügung gestellt bekommen. Ende des Jahres soll die endgültige Entscheidung fallen, welches Projekt realisiert wird.

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