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Allgemeinmedizin 4. März 2012

Auf den Geschmack kommen

Konsensusbericht: Wie die Ernährungskompetenz junger Männer verbessert werden kann.

Um zu klären, wie man junge Männer für Essen jenseits von Pizza und Pommes interessieren kann, wurde im Mai vom Forum.Ernährung heute ein Symposium veranstaltet. Fachleute diskutierten über die Voraussetzungen dafür, dass Ernährungswissen an den Mann gebracht wird. Nun wurde ein Konsensusbericht erstellt.

Um jungen Männern das Kochen schmackhaft zu machen, sind laut Experten mehrere Faktoren wesentlich.

Aus der Rolle fallen

Wichtig: Die Nahrungszubereitung darf nicht unmännlich sein. Auf der gesellschaftlichen Ebene muss es selbstverständlicher werden, dass Männer am Herd stehen und nicht nur am Grill. Dann gebe es auch „unmännliche“ Speisen, wie Dr. Thomas Altgeld (Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin, Hannover) beim Symposium aufzeigte: „Die Forelle Müllerin etwa kann in den Augen vieler Herren mit Jägerschnitzel, Strammem Max oder einem Holzfällersteak nicht mithalten. Hier zeigt sich deutlich, dass man gerade beim Essen beweisen kann, wie männlich oder unmännlich man ist.“ Altgeld betonte, dass junge Männer ungesunde Ernährungsgewohnheiten kaum aufgeben könnten, ohne dabei um ihre männliche Identität zu fürchten. Daher müssten sich Männlichkeitskonzepte und Rollenerwartungen verändern.

Wenn es darum geht, ausgewogene Ernährung als Thema männergerecht zu präsentieren, seien auch die Medien gefragt, mahnte Mag. Marlies Gruber vom Forum.Ernährung heute beim Symposium.

Die Ernährungswissenschaftlerin Mag. Hanni Rützler, ist überzeugt, dass es vor allem einem Mann zu verdanken sei, dass Männer ihre Leidenschaft fürs Kochen entdecken können – Jamie Oliver: „Er hat ein neues männliches Kochen inszeniert.“

Kochen als Gewinn

Nicht nur die Zuschreibungen, was als männlich gilt, müssten hinterfragt werden. Auch der Begriff vom Kochen sei zielgruppengerecht zu adaptieren, heißt es in dem neuen Konsensuspapier: „Der Nutzen der eigenen Kochkompetenz kann im persönlichen Lustgewinn durch das Erleben von Freude und Spaß, aber auch im finanziellen Bereich liegen.“ Es sei dabei aber notwendig, zu zeigen, dass man auch bei einem knappen Zeitbudget für gutes Essen sorgen kann. „Mit einem kleinen 1x1 der Lebensmittelzubereitung und Qualitätsbewusstsein im Hinterkopf lassen sich auch schnell gute und situationsgerechte Essensentscheidungen treffen. Das kann man trainieren“, so Gruber.

Wo man die jungen Männer trifft

Um geeignete Orte zu finden, wo Burschen Kochduft schnuppern können, sind der Fantasie kaum Grenzen gesetzt: So würden es etwa neue Restaurantkonzepte ermöglichen, Männer fürs Kochen zu interessieren, wie Rützler anlässlich des Symposiums erklärte: „Da gibt es zum Beispiel ‚Kochen im Supermarkt‘: Die Leute können einkaufen, dort direkt selber alles zubereiten, essen und danach alles liegen lassen. Das Konzept ist sehr erfolgreich. Wie auch ein Trend namens ‚Visit Kitchen‘: Dort kann der Mann dem Koch über die Schulter schauen und Fragen stellen. So kochen zu lernen macht großen Spaß.“

Bei den Vorlieben der jungen Männer anzuknüpfen, statt mit erhobenem Zeigefinger auf sie zuzugehen, sei dabei wesentlich: Zum Einstieg sollte im Zentrum stehen, was sie gerne essen. Danach könne „das Bestehende schrittweise mit neuen Speisen und Lebensmitteln ergänzt werden“, so der Konsens.

Authentische Kommunikation

Information sollte über verschiedene Kanäle und dabei genderspezifisch aufbereitet an die Zielgruppe gebracht werden. Material dürfe nicht zu textlastig sein. Weiters müsse die Information authentisch wirken und dürfe nicht als Werbebotschaft daherkommen.

Das Forum.Ernährung heute wird nun ein an das Konsensuspapier angelehntes zielgruppenspezifisches Projekt starten. 

 

Gruber, M. et al.: Ernährungskompetenz junger Männer – ein Konsensuspapier. In: Ernährung/Nutrition, Volume 35, 12-2011; 526–40 www.forum-ernaehrung.at

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