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Allgemeinmedizin 22. Februar 2012

Schmerz „verlernbar“?

Die Empfindlichkeit für Schmerzen wird durch unbewusste Lernprozesse beeinflusst. Bei Patienten mit chronischen Schmerzen sind diese Lernvorgänge beeinträchtigt.

Eine deutsch Studie zeigt Ansatzpunkte für ein Training zur Normalisierung der Schmerzwahrnehmung bei Patienten auf.

Mannheimer Forscher untersuchten, ob Patienten, die unter chronischen Schmerzen leiden, unter geeigneten Bedingungen eine gesteigerte oder reduzierte Schmerzempfindlichkeit erlernen können. Dazu nahmen Patienten, die unter Fibromyalgie oder unter Fibromyalgie mit gleichzeitigem Reizdarm litten, sowie gesunde Personen an einem Experiment teil, in dem die Wahrnehmung eines Hitze-Schmerzreizes durch eine Lernaufgabe moduliert wurde. Die Teilnehmer wussten jedoch nicht, dass sie eine Lernaufgabe ausführten.

Im Gegensatz zu den gesunden Personen, die Veränderungen in der Wahrnehmung entsprechend der Aufgabe lernten, reagierten die Patienten anders: Fibromyalgiepatienten ohne zusätzliches Reizdarmsyndrom lernten zwar vergleichbar mit den gesunden Personen eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit. Wider Erwarten entwickelten diese Patienten jedoch eine noch stärker erhöhte Empfindlichkeit unter der Bedingung, in der sie eigentlich das Gegenteil lernen sollten, nämlich weniger empfindlich zu reagieren. Im Unterschied dazu lernten Fibromyalgiepatienten mit Reizdarmsyndrom weder eine gesteigerte noch eine verminderte Empfindlichkeit.

Die Ergebnisse legen nahe, dass das veränderte Wahrnehmungslernen bei der Entstehung oder zumindest der Aufrechterhaltung chronischer Schmerzen eine direkte Rolle spielt. Da insbesondere das Lernen verminderter Empfindlichkeit bei einer Gruppe der Patienten beeinträchtigt war, haben diese Ergebnisse wichtige Implikationen für klinische Anwendungen. So kann dieser Befund als Ausgangspunkt für die Entwicklung eines Trainings dienen, mit dem die Schmerzwahrnehmung von spezifischen Patientengruppen normalisiert werden könnte.

Becker, S. et al.: Pain 2011 152 (6): 1408–17; doi: 10.1016/j.pain.2011.02.027

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