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Die Studienautoren betonen die Notwendigkeit, unnötige Antibiotikaverordnungen in der Primärversorgung einzudämmen.
 
Allgemeinmedizin 24. Februar 2012

Unnötige Verordnungen

Studie: Hausärzte können problemlos Antibiotika einsparen.

Britische Hausärzte, die an einem Fortbildungsprogramm zur Eindämmung von bakteriellen Resistenzen teilgenommen haben, verordnen seltener Antibiotika. Diese Einsparungen gehen nicht auf Kosten der Patienten, wie eine Studie im British Medical Journal belegt.

 

An der randomisierten kontrollierten Studie beteiligten sich 68 Hausarztpraxen. Die Ärzte von 34 Praxen absolvierten das Fortbildungsprogramm STAR (Stemming the Tide of Antibiotic Resistance), mit dem eine kritische Überprüfung und gegebenenfalls eine Veränderung des eigenen Verordnungsverhaltens angestoßen werden soll.

Das Programm beinhaltet unter anderem Falldiskussionen, Informationen über (lokale) Antibiotikaresistenzen und Tipps für die Beratung der Patienten.

Studie: Fortbildung statt fragwürdige Verschreibungen

Im Jahr nach dieser Fortbildungsmaßnahme verschrieben die Ärzte seltener orale Antibiotika als im Vorjahr, im Schnitt waren es pro 1.000 Patienten 14,1 Rezepte weniger. Dagegen wurden in den 34 Praxen der Kontrollgruppe sogar 12,1 Rezepte mehr ausgestellt als zuvor. Damit hatten die STAR-Ärzte ihre Antibiotikaverordnungen im Vergleich zu den Kontrollärzten signifikant um 4,2 Prozent vermindert. Von den Einschränkungen waren alle Antibiotikaklassen mit Ausnahme der penicillinaseresistenten Penicilline betroffen. Am stärksten zurückgefahren wurde die Verordnung von Phenoxymethylpenicillinen (Penicillin V) und Makroliden.

Trotzdem wurden die Patienten der STAR-Praxen nicht häufiger in ein Krankenhaus eingeliefert als die Patienten der Kontrollpraxen. Zwar stieg die Rate von stationären Aufnahmen wegen Atemwegsinfekten um 1,9 Prozent im Vergleich zur Kontrollgruppe, der Unterschied war aber nicht signifikant. Auch Wiedervorstellungen in der Praxis innerhalb von einer Woche nach einem ersten Termin nahmen nicht zu. Erwartungsgemäß lagen die Ausgaben für Antibiotika in der Interventionsgruppe niedriger (um 5,5 Prozent) als in der Vergleichsgruppe. Diese Einsparung wurde aber durch die Kosten für die Fortbildung zunichte gemacht.

Die Studienautoren betonen die Notwendigkeit, unnötige Antibiotikaverordnungen in der Primärversorgung weiter einzudämmen. Nach wie vor würden viele Rezepte in Indikationen mit fraglichem Nutzen ausgestellt, etwa bei Bronchitis, Otitis media oder Sinusitis. Bei antibiotisch behandelten Patienten bleibt das Risiko, Träger von resistenten Keimen zu sein, nachweislich bis zu zwölf Monate lang erhöht – und damit auch das Risiko für ein Therapieversagen und die Ausbreitung von Resistenzen. 

 

Butler CC et al.: Effectiveness of multifaceted educational programme to reduce antibiotic dispensing in primary care: practice based randomised controlled trial. British Medical Journal 2012;344:d8173; doi: 10.1136/bmj.d8173

Springermedizin.de, Ärzte Woche 8 /2012

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