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Allgemeinmedizin 24. April 2009

Lipometer erkennt Birne und Apfel

Nicht alleine das Zuviel an Fett ist problematisch, sondern vor allem die Platzierung des Fettgewebes im Körper: Sie beeinflusst das Risiko für Diabetes mellitus Typ 2 und für Atherosklerose. Ein in Österreich entwickeltes Gerät macht diese Verteilung messbar.

Ein Spin-off-Unternehmen der Medizinischen Universität Graz entwickelte ein marktreifes medizintechnisches Gerät für die einfache Körperfettmessung, das „Lipometer“. Es soll von niedergelassenen Ärzten, Diätassistenten sowie Fitness- und Wellnessbetrieben eingesetzt werden.

Rund zwei Jahre hat die Entwicklung des Lipometers vom Forschungstool zum marktreifen Serienprodukt in Anspruch genommen. Das Lipometer des Spin-offs Möller Messtechnik wurde Anfang April 2009 als Medizinprodukt europaweit zertifiziert. Das Unternehmen wird von der Medizinischen Universität Graz und dem Science Park Graz unterstützt. Mit der Zertifizierung öffnet sich ein größerer Markt, da das Lipometer nun von niedergelassenen Ärzten, Diätassistenten sowie Fitness- und Wellnessbetrieben eingesetzt werden kann und damit weit über den wissenschaftlichen Sektor hinausgeht.

Exakte Bestimmung der Körperfettverteilung

Zahlreiche Studien belegen den Zusammenhang zwischen erhöhtem Krankheitsrisiko und verkürzter Lebenserwartung im Falle von Übergewicht und Fettleibigkeit. Die gleiche Fettmenge kann unterschiedlich verteilt sein und somit zu einem höheren oder niedrigeren Risiko von metabolischen und hormonellen Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes, koronare Herzerkrankungen und Fertilitätsstörungen führen. Die meisten Geräte zur Messung des Körperfettes sind jedoch nicht in der Lage, die individuelle Verteilung des Körperfettes („Birnentyp“, „Apfeltyp“) zu beschreiben und geben lediglich Auskunft über den gesamten Körperfettanteil.

CT als Referenzmethode

„Das Lipometer eröffnet eine völlig neue Dimension und Sichtweise auf die menschliche Körperzusammensetzung und Fettverteilung. Es ist ein optisches Computermesssystem zur präzisen Bestimmung der Schichtdicke des subkutanen Fettgewebes in Millimetern. Die Evaluierung und Kalibrierung des Lipometers erfolgte mittels Computertomographie als Referenzmethode“, erklärt Prof. Dr. Reinhard Möller von der Medizinischen Universität Graz, Erfinder und Entwickler des Lipometers.

Fettverteilung als „persönlicher Fingerabdruck“

Ein Standardset von 15 anatomisch eindeutig definierten Messpunkten vom Nacken bis zur Wade ergibt die vollständige Subcutaneous Adipose Tissue-Topography (SAT-Top) Information der individuellen Körperfettverteilung. Das SAT-Top Profil der gemessenen Person ist wie ein „persönlicher Fingerabdruck“ der eigenen Fettverteilung. Einflussfaktoren sind genetischer Hintergrund, Geschlecht, sowie Alter, Ernährungszustand und Lebensstil. Bis heute wurden 25.000 gesunde Personen aller Altersgruppen und Patienten mit verschiedenen metabolischen und hormonellen Störungen untersucht.

Diese Datensätze bilden die Grundlage der statistischen Analysen und sind Teil einer Datenbank, die es ermöglicht, zwischen den individuellen Messdaten einer Person und sowohl gesunden Probanden desselben Alters und Geschlechts als auch erkrankten Personen Vergleiche zu ziehen.

„Rund 30 wissenschaftliche Publikationen wurden bisher über das und mit dem Lipometer veröffentlicht und unterstreichen damit die wissenschaftliche Relevanz dieser innovativen, patentierten Technologie“, betont die Vizerektorin für Forschung der Medizinischen Universität Graz, Prof. Dr. Irmgard Th. Lippe.

 

MedUni Graz/PH, Ärzte Woche 17/2009

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