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Der Verein für Konsumenteninformation testete verschiedene Rauchentwöhnungs-Methoden: Sechs Monate nach Therapiebeginn war die Hälfte der Probanden immer abstinent. Testpersonen, die vor Testbeginn weniger abhängig waren und weniger rauchten, schafften de
 
Allgemeinmedizin 8. Februar 2012

Der letzte Zug – Raucherentwöhnung

Ein Vergleich von zehn verschiedenen nicht medikamentösen Methoden, dem blauen Dunst ade zu sagen.

Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) hat zehn verschiedene Nikotinentwöhnungs-Methoden von Akupunktur bis Verhaltenstherapie unter die Lupe genommen. Ein halbes Jahr nach Therapiebeginn waren 50 Prozent der 18 Testpersonen noch immer abstinent.

 

Beweggründe der 18 Testpersonen – Raucherinnen und Raucher mit unterschiedlich stark ausgeprägter Nikotin-Abhängigkeit –, sich für eine Raucherentwöhnung zu entscheiden waren Gesundheit, familiäre Situation, Abhängigkeitsgefühl und Kosten. 17 Probanden hatten bereits mehrmals (zwischen ein- bis zehnmal) versucht, mit dem Rauchen Schluss zu machen, für eine Person war es der erste Versuch. „Wir wollten wissen, ob und wie sich das Rauchverhalten der Testpersonen ändert und ob sie sechs Monate nach Beginn der Entwöhnung rauchfrei sein würden“, so die Konsumentenschützer.

Vielfältiges Angebot

Das Angebot der nicht medikamentösen Methoden ist vielfältig und reicht von Nikotinersatzpräparaten, Psychotherapie, Raucherberatung, Akkupunktur, Hypnose, Bioresonanz bis zu Coaching und Seminaren. Bestimmte Methoden sind langwierig und erfordern ein gewisses Durchhaltevermögen, auch die Kosten sind nicht zu vernachlässigen, da sie in der Regel nicht von den Krankenkassen übernommen werden. Der VKI hat folgende zehn Anbieter mit jeweils ein bis zwei Testpersonen unter die Lupe genommen:

  • Bei der Ohrakupunktur Obermann (www.dr-obermann.at) sollen durch die Stimulation gewisser Punkte die Entzugssymptome gemindert und die Suchtintensität gesenkt werden. Bei einer Testperson wurden Dauernadeln gesetzt und mit Heftpflaster fixiert, was als schmerzhaft empfunden wurde. Beide Testpersonen mit geringer Nikotinabhängigkeit sind inzwischen Nichtraucher. Die Therapiedauer betrug sechs Wochen (eine Sitzung pro Woche und Dauernadeln), die Kosten: 60 Euro pro Sitzung.
  • Die Raucherentwöhnung (www.mentaltraining-beckers.com) mittels Audio-CD (33,47 €) oder MP3 (19,90 €) basiert auf Suggestion. Das Unterbewusstsein soll gestärkt werden. Keine der beiden Testpersonen hörte mit dem Rauchen auf, für Testperson 1 war die tägliche Anwendung zu zeitaufwändig, für Testperson 2 war das Hören der CD zu anstrengend.
  • Bei der Bioresonanztherapie Kornfeld (www.bioresonanz-kornfeld.at) wird ein schwacher, gepulster Gleichstrom über Elektroden durch den Körper geleitet. Dadurch soll das Nikotin entfernt und eine Abwehrreaktion des Körpers erzielt werden. Insgesamt unterzogen sich die zwei Testpersonen vier Sitzungen à 150 Euro in vier Wochen. Beide Probanden hörten mit dem Rauchen auf, die Person mit starker Nikotinabhängigkeit ist allerdings nach ein paar Wochen rückfällig geworden und begründete dies mit „einem falschen Therapie-Zeitpunkt“.
  • Beim Coaching durch Dr. Christine Buchebner (www.yogavital.at) soll die Selbstreflexion gefördert und das Wissen über eigene Kompetenzen und Handlungsmuster erhöht werden. Die Kosten je Sitzung betragen 75 Euro, für die Therapie sind mehrere Monate veranschlagt. Eine Testperson brach die Therapie nach der ersten Sitzung wegen unklar definierter Ziele ab, die zweite Testperson hörte zunächst mit dem Rauchen auf, hat aber inzwischen wieder begonnen.
  • Ziel der Hypnosetherapie bei Martina Springer (www.stop-smoking.at) ist, dass die Patienten nicht wieder mit dem Rauchen beginnen. Kosten: 160 Euro. Die Testperson mit der Einzeltherapie hörte mit dem Rauchen auf, die zweite Testperson unterzog sich einer Gruppentherapie und schaffte es nicht. Als Begründung gab der Tester an, er sei noch nicht so weit.
  • Bei der Mesotherapie Stadler (www.ordination-stadler.at) werden bestimmte Wirkstoffe mit einer speziell geschliffenen Nadel an bestimmten Akupunkturpunkten in die Haut appliziert. Diese Mikroinjektionen sollen zu einer Nikotin-Aversion führen. Die Therapie erstreckt sich in vier Sitzungen über zwei bis vier Monate, eine Sitzung kostet 90 Euro. Beide Testpersonen – eine mit geringer und eine mit hoher Nikotinabhängigkeit – sind inzwischen Nichtraucher.
  • Die Nikotinersatztherapie (www.nicorette.at) mit wahlweise Kaugummi (29,50 €), Inhalator (17,45 €) oder Pflaster (48,45 €) soll das Verlangen nach Nikotin und die Entzugserscheinungen lindern. Keiner der beiden Testpersonen gelang der Ausstieg. Sie vertrugen die Methoden (Kaugummi) nicht, auch der Umstieg auf Inhalator bzw. Pflaster scheiterte.
  • Das Nichtraucherseminar von AZUR (Aufhören ZU Rauchen, www.azur.at) setzt auf Verzicht durch Erkenntnisgewinn. Die Therapiedauer betrug sechs Stunden, die Kosten lagen bei 139 Euro. Die Testperson (geringe Nikotinabhängigkeit) ist seit dem Seminar rauchfrei. Sie gab an, dass es die optimale Methode zum richtigen Zeitpunkt war.
  • Bei der Softlaser-Therapie (www.ohne-nikotin.at) handelt es sich um eine schmerzfreie Stimulation von Akupunktur-Punkten am Ohr mit Laser. Die Therapiedauer betrug 90 Minuten, die Kosten 230 Euro. Eine kostenlose Wiederholung innerhalb eines Jahres wird angeboten. Der Tester hörte unmittelbar nach der Behandlung zu rauchen auf und kann die Methode weiterempfehlen.
  • Die Verhaltenstherapie (www.geist-und-seele.at) (einzeln oder in Gruppen) soll zu einer Veränderung unerwünschter, die Lebensqualität beeinträchtigender Verhaltensweisen führen. Therapiedauer: mehrere Monate, eine Sitzung kostet 95 Euro. Eine Testperson war einige Zeit abstinent, begann nach Gewichtszunahme wieder mit dem Rauchen, für Testperson zwei war der Zeitpunkt für einen Verzicht noch nicht gegeben.

Fazit

Sechs Monate nach Therapiebeginn ist die Hälfte der Probanden noch immer abstinent. „Grundsätzlich zeigte sich, dass Testpersonen, die vor Testbeginn weniger abhängig waren und weniger rauchten, den Absprung eher schafften“, so die Konsumentenschützer. Wer selbst den festen Willen hat, vom blauen Dunst wegzukommen, habe deutlich höhere Erfolgsaussichten. Ein Rauchstopp wirkt sich sehr rasch aus. 20 Minuten nach der letzten Zigarette sinken Blutdruck und Herzfrequenz auf die Werte davor. Nach 12 Stunden verringert sich der Kohlenmonoxid-Spiegel im Blut. Innerhalb von drei Monaten verbessern sich Kreislauf- und Lungenfunktion. Innerhalb von ein bis zwei Jahren reduziert sich die Gefahr für einen Herzinfarkt, nach fünf Jahren für Mundhöhlen-, Luftröhren- und Speiseröhrenkrebs und nach zehn Jahren für Lungenkrebs um die Hälfte. Nach 15 Jahren gleicht das Risiko für koronare Herzerkrankungen dem von Nichtrauchern.

Kasten 1
Rauchertelefon
Untersuchungen zeigen, dass sich die Erfolgschance erhöht, wenn man eine Raucherberatung in Anspruch nimmt. Das österreichische Rauchertelefon ist eine Einrichtung der österreichischen Sozialversicherungsträger. Sie ist unter der Nummer 0810 810 013 von Montag bis Freitag von 10 bis 18 Uhr erreichbar. Die Kosten betragen 0,10 €/Minute. Anfragen können auch per E-Mail an gestellt werden.
Kasten 2
Rezeptpflichtige Medikamente
Erhältlich sind Präparate mit dem Wirkstoffen Bupropion (Zyban) oder Vareniclin (Champix). Die Erfolgsquote für ersteren liegt bei zehn Prozent, die für Champix bei 13 Prozent. Beide Mittel wurden ursprünglich zur Behandlung von Depressionen entwickelt und können teilweise schwerwiegende Nebenwirkungen auslösen. Bupropion führt bei 10 bis 30 Prozent der Anwender zu Schlafstörungen, weitere Nebenwirkungen sind Mundtrockenheit und Übelkeit. Die US-Arzneimittelzulassungsbehörde (FDA) hat bei diesem Wirkstoff Sicherheitsbedenken angemeldet. Einige Patienten, die zuvor nicht unter psychischen Erkrankungen gelitten haben, klagten nach der Anwendung über Depressionen und äußerten Selbstmordgedanken. Bei Vareniclin treten als häufigste Nebenwirkung Übelkeit sowie Schlafstörungen und Kopfschmerzen auf. Das Mittel steht zudem im Verdacht, das Risiko für Herzinfarkte und Herz-Kreislauferkrankungen zu erhöhen.

Von M. Strausz , Ärzte Woche 5 /2012

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