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Allgemeinmedizin 29. Jänner 2012

Blut im Harn frühzeitig abklären

Mancher Blasenkrebs könnte früher erkannt und behandelt werden. Vor allem bei Frauen vergeht oft zu viel Zeit bis zur Diagnose.

Nicht viel Neues brachte das Jahr 2011 in Sachen Blasenkrebs, fasste Prof. Dr. Stephan Madersbacher anlässlich des 4. Oncoforums zusammen. Was allerdings auch nicht neu ist: Zwar sind Männer häufiger vom Blasenkarzinom betroffen, doch Frauen haben zum Zeitpunkt der Diagnosestellung eine schlechtere Prognose als Männer. Das ließe sich ändern, wenn diese Patientinnen früher einer urologischen Untersuchung einschließlich einer Zystoskopie zugeführt würden.

 

Nicht selten werden Frauen nach dem Auftreten erster Symptome noch relativ lange mit Verdacht auf eine Infektion vom Hausarzt oder Gynäkologen versorgt, bevor an ein Blasenkarzinom gedacht wird.

Nicht nur an Infekte denken

Bei Männern dauert es bis zur Diagnosestellung meist weniger lang – ein Grund, warum Männer zum Zeitpunkt der Diagnosestellung im Vergleich zu Frauen meist die besseren Karten haben. Dabei spielen mehrere Umstände eine Rolle wie beispielsweise der, dass Frauen seltener als Männer an Blasenkrebs erkranken, aber häufiger an Harnwegsinfekten, weshalb der Verdacht auf eine Krebserkrankung später aufkommt.

Um genauer abzuklären, warum es bei Frauen zu lange dauern kann, bis sie zum Urologen kommen, wurde österreichweit an mehreren Zentren untersucht, wie oft Männer und Frauen beim Hausarzt waren, Antibiotika erhalten haben etc., bis sie schließlich zur urologischen Untersuchung gekommen sind. Die Auswertung ist zwar noch nicht abgeschlossen, aber es zeigt sich schon jetzt, dass bei Frauen sehr viel kostbare Zeit vergehen kann, bis bei ihnen ein vorhandenes Blasenkarzinom diagnostiziert wird.

Wann stutzig werden?

Bei Blut im Harn sollte sicherheitshalber an den Urologen überwiesen werden, meint Prof. Dr. Stephan Madersbacher, stellvertretender Vorstand der Abteilung für Urologie und Andrologie sowie österreichischer Oncoforum-Reporter. Kommt ein Patient mit Blut im Harn und Zeichen eines Infektes, dann könne man ihm wohl einmal Antibiotika geben, „aber wenn nach zehn, 14 Tagen der Harn immer noch nicht in Ordnung ist, dann muss man weiter schauen.“ Außerdem sei es wichtig, die bekannten Risikofaktoren für die Entwicklung eines Blasenkarzinoms im Blick zu haben – der bedeutendste hiervon sei das Rauchen. Danach sollte also bei entsprechender Symptomatik gefragt werden.

Das Oncoforum Urology

Das Oncoforum ist ein multinationales Programm, das auf der Reviewtätigkeit von sogenannten Oncoforum-Reportern basiert: 24 internationale Experten (Urologen, Onkologen und Radioonkologen) besuchen die wesentlichen internationalen uro-onkologischen Kongresse (EAU, AUA, ASCO, ASTRO). Als österreichischer Reporter ist Prof. Dr. Stephan Madersbacher eingebunden. Die Reporter identifizieren die relevantesten Abstracts und verfassen zusammen mit Medizinjournalisten etwa 400 Dias. Dieser Diasatz wird von allen 24 Oncoforum-Reportern unabhängig voneinander hinsichtlich der klinischen Relevanz und Innovation bewertet. Anschließend werden die Informationen auf www.oncoforum.org zur Verfügung gestellt. Auch ein 20-seitiges Highlight-Papier steht zum Download bereit. Die finanziellen Ressourcen für dieses Programm werden von der Firma Astellas Pharma zur Verfügung gestellt, die Reporter arbeiten jedoch völlig unabhängig und neutral.

 

Quelle: Pressegespräch zum 4. Oncoforum am 13. Jänner 2012 in Wien

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