zur Navigation zum Inhalt
Copyright 2012, Austria Presse Agentur, Wien, Österreich, alle Rechte vorbehalten
 
Allgemeinmedizin 18. Jänner 2012

Humanisierung statt Ökonomisierung

Der heurige "´Tag der Gesundheitsberufe" steht ganz im zeichen der Humanisierung. Die in Österreich gesetzlich geregelten Gesundheitsberufe - von den Ärzten bis zu den Krankenpflegern und Therapeuten - wollen eine Humanisierung des Gesundheitswesens statt einer zunehmenden Ökonomisierung samt Einsparungen auf Kosten einer generell älter werdenden Bevölkerung.

Tag der Gesundheitsberufe

Es fehle an Personal, aber auch an bedarfsgerechten Ausbildungskapazitäten, hieß es Dienstagabend bei einem Hintergrundgespräch in Wien aus Anlass des bevorstehenden zweiten österreichischen "Tages der Gesundheitsberufe" morgen, Donnerstag (19. Jänner).

Ökonomie ist kein Vorteil

"Es ist an der Zeit, in eine Humanisierung der Medizin zu investieren. Ich lehne es ganz einfach ab, dass wir die gesamte Entwicklung immer nur von der wirtschaftlichen Seite betrachten. Die Ökonomen sind kein Vorteil. Sie tappen von einem Desaster ins Nächste. Der Bogen der Gesundheitsberufe spannt sich von der Geburt mit den Hebammen bis zum Ende des Lebens hin. Man diskutiert nur, wie man den armen Leuten das Letzte nimmt", sagte der Präsident der Österreichischen Ärztekammer, Walter Dorner.

Auslagerungen und Sparmaßnahmen

In Österreich arbeiten rund 230.000 Menschen im Gesundheitswesen, 150.000 davon fallen unter die gesetzlich geregelten Gesundheitsberufe (Ausbildung, Berufsausübung, Fortbildung etc.). Günter Flemmich von der Bundesarbeitskammer betonte die Mankos im System: "Die Arbeitsbedingungen sind sehr schlecht. Es ist einfach zu wenig Personal da. Das betrifft alle medizinischen Assistenzberufe. (...) Die Manager sind nicht bereit, auf das Personal einzugehen." Wann immer aus simpler wirtschaftlicher Sicht Kosten entstehen könnten, reagiere man mit Auslagerung, Sparmaßnahmen.

Schlechtes Beispiel Spital

Die Entwicklung ist offenbar besonders deutlich in den Krankenhäusern zu spüren. Dort trifft es neben den Ärzten speziell das Krankenpflegepersonal. Ursula Frohner, Präsidentin des Gesundheits- und Krankenpflegeverbandes: "Wir haben eine Leistungsverdichtung bei einer Verkürzung der Krankenhaus-Aufenthaltstage. Das macht mehr Aufnahmen. Die Krankenpflege wird immer komplexer. Es wird an der Schraube gedreht, damit es billiger wird." In der Krankenpflege werde man in Österreich auf diese Weise das "Triple A" langfristig nicht mehr aufrechterhalten können.

Vergessene Diätologen

Während die diplomierten Psychologen weiterhin darauf warten, dass auch sie - bei vom Hauptverband der Sozialversicherungsträger konstatierten rund 900.000 Österreichern mit psychischen Erkrankungen - stärker in das aus öffentlichen Geldern bezahlte Gesundheitswesen eingebunden werden, kommen dort beispielsweise die Diätologen gar nicht vor. Diabetiker müssen bei ihnen eben privat zahlen, wie Gabriele Jaksch vom Dachverband der gehobenen medizinisch-technischen Dienste betonte. Es gebe echte Versorgungslücken.

Stiefkind Logopädie

Die Standesvertreterin mit Bezug auf das südliche Niederösterreich und die Behandlung von Sprachstörungen bei Kindern: "Da wartet eine Mutter mit ihrem Kind auf einen Platz beim Logopäden eineinhalb Jahre." Was fehlte wären auch Berufslisten, um überhaupt einmal wissen, wer wo arbeite. Apothekerkammer-Vizepräsidentin Christiane Körner betonte die Rolle der Apotheker als Schnittstelle im Gesundheitswesen. Probleme tauchten dort auf, wenn zum Beispiel Arzneimittel von den Krankenkassen nicht mehr bezahlt würden.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben