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Allgemeinmedizin 17. Jänner 2012

Fettsucht stark von Bildungsniveau abhängig

Einen signifikanten Zuwachs der Adipositasrate bei Männern und Frauen zeigt eine Langzeituntersuchung zur Fettsucht in Österreich, die an der Med-Uni Graz durchgeführt wurde. Die Fettleibigkeit ist seit 1983 - abhängig von den jeweiligen Bevölkerungsgruppen - unterschiedlich angestiegen: Vor allem Personen ab dem 55. Lebensjahr mit niedrigem Bildungsniveau sind gefährdet.

 

Die Wissenschafter am Grazer Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie untersuchten die Entwicklung in der Erwachsenenpopulation zwischen 1983 und 2007, um betroffene Gruppen zu identifizieren und entsprechende präventive Maßnahmen zielgruppenspezifisch planen zu können. Dabei verwendeten sie Daten von rund 123.000 Personen (64.300 weiblich) aus vier nationalen, repräsentativen Erhebungen aus Interviews in Privathaushalten. Adipositas wurde definiert als ein Body-Mass-Index (BMI) ab 30, schilderte Studienautorin Franziska Großschädl auf Anfrage der APA.

 

Grundsätzlich zeigte sich, dass die allgemeine Prävalenz für Fettleibigkeit signifikant angestiegen ist. Insgesamt waren 1983 noch zehn Prozent aller befragter Frauen bzw. 8,5 Prozent (Männer) adipös. Im Jahr 2007 waren es bereits 15 Prozent der Frauen bzw. 13,8 Prozent der befragten Männer. Entsprechend der bildungsspezifischen Situation in Österreich wurden rund 100.000 Personen mit niedrigem Bildungsniveau (Pflichtschul- oder Lehrabschluss oder Abschluss einer berufsbildenden mittleren Schule), 14.500 mit mittlerem Bildungsniveau und 6.300 Akademiker befragt.

 

"Die Dynamik der Zuwächse innerhalb der Bevölkerungsschichten ist unterschiedlich", hielt Großschädl fest. "Die Personengruppe 55 plus mit niedrigem Bildungslevel verzeichnet den höchsten Anstieg an Adipositaserkrankten", so die Koordinatorin: 1983 litten 17,2 Prozent der Frauen dieser Gruppe bzw. 11,7 Prozent der Männer an Adipositas, 2007 schon 26,6 bzw. 21,8 Prozent. Vor allem Personen, die in ihrem Berufsleben körperlich aktiv sein mussten, sind bei Eintritt in den Ruhestand gefährdet, fettleibig zu werden, folgert Großschädel. Gleichbleibende Nahrungszufuhr bei vermindertem Energieverbrauch könnte dafür verantwortlich sein. Einen steigenden Trend gab es auch bei Akademikern im mittleren Erwachsenenalter - wenn auch auf niedrigem Niveau: Von den rund 6.300 befragten Akademikern waren 1983 2,5 Prozent (Frauen) bzw. 3,5 Prozent (Männer) adipös. 2007 waren es schon mehr als doppelt so viele, nämlich 5,7 bzw. 6,9 Prozent.

 

Innerhalb Österreichs bestätigten die Analysen das bekannte Ost-West-Gefälle: In der Region um Wien, Niederösterreich und Burgenland ist der Anteil der Fettleibigen am größten. Die meisten Schwergewichtigen leben im Burgenland: 2007 waren rund 23 Prozent der Frauen und 20 Prozent der Männer fettsüchtig. (moe)

apa.at

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