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Dr. Christian Euler Präsident des Österreichischen Hausärzteverbandes (ÖHV)

 
Allgemeinmedizin 24. Dezember 2011

Österreicher setzen auf den Hausarzt

Die Bindung zum Hausarzt ist am Land noch ausgeprägter als in der Stadt.

Ein überwältigendes Votum geben die Österreicherinnen und Österreicher für ihren Hausarzt ab. 77 Prozent haben einen Hausarzt, nahezu jeder Fünfte hat innerhalb der letzten 14 Tage die Praxis eines Allgemeinmediziners besucht. Dies geht aus einer repräsentativen Umfrage hervor, die das Büro für die Organisation angewandter Sozialforschung (BOAS) unter der Leitung von Prof. Dipl.-Ing. Ernst Gehmacher im Auftrag des Österreichischen Hausärzteverbandes durchführte. Erstaunlich: Nur 40,6 Prozent der Österreicher bezeichneten sich bei der Umfrage als völlig gesund.

„Das Bedürfnis der Menschen nach einer vertrauensvollen, persönlichen Beziehung zu ihrem Hausarzt wird bei diesen Ergebnissen mehr als deutlich“, kommentiert Dr. Christian Euler, Präsident des Österreichischen Hausärzteverbandes (ÖHV) die Umfrage. Auch wenn die Politik derzeit systematisch damit beschäftigt sei, diese bestens funktionierende Beziehung in einer Flut an bürokratischen Fallen, Ausbildungs-Hindernissen und ökonomisch motiviertem Zentralisierungswahn zu ersticken.

Kostenschonung durch den Hausarzt

Wie die aktuelle Umfrage zeigt, trägt gerade der Hausarzt zur Kostenschonung des Gesundheitssystems bei. So unterzogen sich 80 Prozent aller Menschen mit Hausarzt im letzten Vierteljahr einer ärztlichen Kontrolle, hingegen nur 50 Prozent der Menschen ohne Hausarzt. 64 Prozent der Befragten kennen ihren Hausarzt schon seit mehr als fünf Jahren. Und bei mehr als drei Viertel übernimmt der Hausarzt die medizinische Betreuung der gesamten Familie, bei vielen auch jene von Freunden und Bekannten.

Insgesamt ist die Bindung zum Hausarzt am Land noch stärker ausgeprägt als in der Stadt. So haben in Vorarlberg, Salzburg und dem Burgenland knapp 90 Prozent aller Einwohner „ihren“ Hausarzt. In Wien, dem Schlusslicht, immerhin noch 66 Prozent. Wenig überraschend: Die Bindung zum Hausarzt steigt mit fortschreitendem Alter. Und von jenen Personen, die derzeit keinen Hausarzt haben, gaben nicht weniger als drei Viertel an, sie hätten gerne einen.

Nur vier von zehn Österreichern sind ganz gesund

Ein weiteres interessantes Detail der Umfrage: Im Durchschnitt geben die Österreicher ihrem eigenen Gesundheitszustand die Schulnote 2,2, Männer fühlen sich dabei ein bisschen gesünder als Frauen. Lediglich vier von zehn Österreichern stufen sich jedoch als völlig gesund ein, selbst bei den unter 25-Jährigen liegt dieser Wert nur bei 61 Prozent. 9,3 Prozent der Befragten gaben an, unter einer chronischen Dauererkrankung zu leiden, die sie massiv beeinträchtigt. 19 Prozent der Befragten waren im Lauf der letzten beiden Wochen in Hausarzt-Behandlung.

„An den Hausarzt gibt es keine ‚Zuweisung’, es handelt sich um ein echtes Vertrauensverhältnis“, betont auch Sozialforscher Gehmacher. Im komplexen Feld von Kostenwirklichkeit und realem Glücksnutzen komme dem Hausarzt entscheidende Bedeutung zu, so Gehmacher. Er entspreche in unserem Gesundheitswesen nämlich am ehesten jenem Prinzip, den Arzt für die Erhaltung der Gesundheit zu honorieren und nicht für den Aufwand an Krankheitsbehandlung. FH

 

 Weitere Informationen unter www.hausaerzteverband.at

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