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Allgemeinmedizin 13. Dezember 2011

Sexualität: Randgruppen bleiben stigmatisiert

DSTIG fordert zum Menschenrechte-Welttag mehr Aufklärung über Sex Anlässlich des Welttags der Menschenrechte fordert die Deutsche STI-Gesellschaft (DSTIG), eine medizinische Fachgesellschaft zur Förderung der sexuellen Gesundheit, eine offene Kommunikation und die Aufklärung über sexuelle Rechte.

"Jeder soll frei seine Sexualität ausleben zu können, solange er nicht die Freiheit anderer einschränkt", sagt DSTIG-Präsident Norbert Brockmeyer gegenüber pressetext. "Sexuelle Rechte sind Menschenrechte. Sie gehören auf die Agenda, denn sie basieren auf dem Grundrecht auf Freiheit, Gleichstellung, Privatsphäre, Selbstbestimmung, Integrität und der Würde aller Menschen", betont Brockmeyer.


Schwule werden gemobbt


Immer noch werden Randgruppen stigmatisiert. "Beispiele sind die Stigmatisierung von Sexarbeiterinnen und der gleichgeschlechtlichen Sexualität. Außerdem gibt es auch nicht-akzeptierte Beziehungen zwischen Menschen unterschiedlicher Hautfarben", sagt der DSTIG-Chef. Die Facette der Stigmatisierung sei sehr groß. "Es ist schwer, über sexuell übertragbare Krankheiten zu sprechen, wenn ohnehin ungern über Sexualität gesprochen wird. Der Umgang mit Sexualität scheint freier geworden zu sein, aber bei HIV ist die Stigmatisierung größer geworden", so Brockmeyer.


Auch muss sich der Mediziner öfter anhören, dass homosexuelle Männer gemobbt werden. "Homosexualität ist noch immer nicht stigmafrei. Es gibt Männer, die Angst haben, sich zu outen." Der Experte fordert Aufklärung und Kommunikation über sexuelle Rechte und Gesundheit statt Stigmatisierung. Er leitet an der Dermatologischen Klinik der Ruhr-Universität Bochum im St. Josef-Hospital das Zentrum für sexuelle Gesundheit und sieht im Klinikalltag, wie vielschichtig das Problem der Stigmatisierung ist.


Stärkere Präventionsarbeit gefordert


Defizite gibt es dem Fachmann nach in der Präventionsarbeit und sexuellen Bildung. "Unsere Aufgabe ist es, alle Menschen über ihre sexuellen Rechte aufzuklären und auf Gefahren für ihre sexuelle Gesundheit hinzuweisen", sagt Brockmeyer. Angst vor Stigmatisierung auf Seiten der Patienten und mangelnde Kommunikation über Sexualität auf ärztlicher Seite führten immer wieder dazu, dass Fragen zu sexuellen Rechten unausgesprochen bleiben.

Schlüsselelement Sexualität


Zum einen sollte die Kommunikation zur sexuellen Gesundheit und über sexuelle Rechte Bestandteil des medizinischen Lehrplanes werden. Zum anderen sollten Kliniken für urogenitale Erkrankungen etabliert werden, wo Betroffene umfassend beraten werden. Sexuelle Gesundheit gehe über die klinische hinaus: "Sie gehört auch zur körperlichen und geistigen Gesundheit und ist ein Schlüsselelement für unsere Identität als Menschen."


Dem DSTIG-Präsidenten nach stehen die Bemühungen im Licht gleichberechtigter Beziehungen und sexueller Erfüllung. Das Recht auf Selbstbestimmung spiele eine entscheidende Rolle - egal, ob es um die Frage der Fortpflanzung gehe oder um die sexuelle Orientierung: Jeder sollte frei von Diskriminierung oder Gewalt diese Entscheidungen treffen dürfen.

 

Pressetext/AN, springermedizin.at

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