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Wohldosierte Kraftausdrücke lassen Schmerzen besser ertragen.
 
Allgemeinmedizin 6. Dezember 2011

Fluchen als Schmerztherapie

Vorsicht vor Überdosis: Fluchen erhöht die Schmerztoleranz, das hatten britische Forscher schon vor zwei Jahren festgestellt. Nun haben sie nachgelegt – in einer Art Dosisfindungsstudie.

Die Wissenschaftler von der Keele University in Staffordshire, Großbritannien, beschäftigen sich schon seit längerem mit dem Thema, auf welche Weise Flüche die Schmerzempfindung beeinflussen.

Für ihre aktuelle Studie hatten sie 71 Probanden rekrutiert. Diese mussten versuchen, wie lange sie ihre Hände in verflucht kaltes Wasser (5 °C) zu tauchen vermochten. Es zeigte sich, wie schon in der Vorgängerstudie, dass jene Probanden, die während des Tauchgangs wiederholt Flüche ausstoßen durften, ihre Hände länger im Eiswasser belassen konnten als die Teilnehmer der nicht fluchenden Gruppe. Zudem erhöhte sich durch das Fluchen die Herzfrequenz. Die Versuchspersonen gaben auch darüber Auskunft, wie oft sie im sonstigen Leben fluchten. Zu beobachten war ein fluchbezogener Effekt, den man in der Pharmakologie als Toleranzentwicklung bezeichnen würde. Je häufiger nämlich die Teilnehmer täglich fluchten, desto weniger half ihnen das Fluchen gegen den kälteverursachten Schmerz: Bei 60 Flüchen täglich (umgerechnet ein Fluch alle 24 Minuten, Schlafzeiten nicht eingerechnet) war der Schmerzvorteil im Eisbad dahingeschmolzen.

Grundsätzlich scheint das Fluchen eine emotionale Reaktion auszulösen, die Schmerzzustände erträglicher macht. Vermutlich kommen dabei Fight-and-Flight-Mechanismen in Gang, wie sie von der stressinduzierten Analgesie her bekannt sind. Doch anscheinend müssen sich Vielflucher auf einen Gewöhnungseffekt gefasst machen – womit sich der Satz „Viel hilft viel“ ein weiteres Mal als verdammter Irrtum erwiesen hätte.

Stephens, R.; Umland, C.: Journal of Pain 2011; doi:10.1016/j.pain.2011.09.004

springermedizin.de/PH, Ärzte Woche 49 /2011

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