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Eckart Wolfram Schöll, MSc Facharzt für Allgemeinmedizin
 
Allgemeinmedizin 29. November 2011

Menopausekongress: Diabetes und Malignome

Bei Typ-2-Diabetikern ist das Malignomrisiko bis zu 2,5-fach erhöht. Beide Krankheiten haben gemeinsame Risikofaktoren.

Verschiedene Behandlungsregimes des Typ-2-Diabetes bewirken unterschiedliches Krebsrisiko und beeinflussen die Überlebensprognose bei manifester Tumorerkrankung. Vor allem bei der Therapie mit Sulfonylharnstoffen und Insulin wirkt sich dies deutlich aus.

Bei Kombination von Oralen Antidiabetika (OAD) mit Insulin ist das Malignomrisiko auf das 4-Fache erhöht. Was sind die Hintergründe hierfür? Insulinotrope OAD und Insulintherapie gehen mit erhöhten Insulinspiegeln einher. Insulinresistenz und Typ-2-Diabetes wirken auf zentrale zelluläre Schaltpunkte wie die AMP-aktivierten Kinasen (AMPK). Insulin- und IGF1-Rezeptoren haben hohe sterische und funktionelle Verwandtschaft. Insulin und Wachstumshormon haben zugleich metabolische und proliferative Effekte.

Metformin senkt das Krebsrisiko

In einer großen prospektiven Untersuchung ist bei Diabetikern die Malignomsterblichkeit unter Metformin auf eine HR von 0,43 erniedrigt. Es besteht eine Dosis-Wirkungsbeziehung. Metformin beeinflusst die AMPK und moduliert so die Protein-Biosynthese und die Zellproliferation. Die Substanz bewirkt einen partiellen Zell-Zyklus-Arrest in Tumorzellen.

Metformin verursacht eine partielle Blockade der oxidativen Phosphorylierung im Mitochondrium. Hierdurch werden ATP-abhängige proliferative Prozesse reguliert, das Tumorwachstum wird gebremst.

Adipositas ist ein Risikofaktor für Mammakarzinom

Im Rahmen eines Metabolischen Syndroms oder Typ-2-Diabetes erhöhte Insulinspiegel führen zu erniedrigten SHGB-Spiegeln. Der resultierende Anstieg freier Steroid-Hormone ist mit erhöhtem Risiko für postmenopausales Mamma-Karzinom assoziiert. Diabetikerinnen, die bei Mamma-CA unter Chemotherapie mit Metformin behandelt wurden, hatten in Studien eine signifikant höhere Rate von histologisch kompletter Remission als Patientinnen ohne Metformin.

In-vitro-Studien legen die Annahme nahe, dass Metformin selektiv Krebs-Stammzellen abtöten und die Wirksamkeit von Brustkrebs-Behandlungsregimes verbessern kann. Erste randomisierte, prospektive Studien zum therapeutischen Einsatz von Metformin beim Mamma-Karzinom sind in Vorbereitung.

Zusammengefasst haben das Metabolische Syndrom und der manifeste Typ-2-Diabetes ungünstigen Einfluss auf die Tumor-Genese und -Progression wie auf die Überlebenszeit von Krebspatienten. Verschiedene Behandlungsregimes des Diabetes haben signifikanten Einfluss auf das Tumorgeschehen und das Outcome. Das Verständnis der physiologischen und zellulären Hintergründe hierfür ist von großer Bedeutung für richtige Therapie-Entscheidungen.

Eckart Wolfram Schöll hielt am 9. Dezember am Menopausekongress (Wissenschaftliche Sitzung „Endokrinologie und Stoffwechsel“) einen Vortrag über dieses Thema.

Weitere Informationen:
www.menopausekongress.at

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