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Das Diabetesrisiko kann möglicherweise durch gezielte, tageszeitlich abgestimmte Veränderungen des Lebensstils verringert werden.
 
Allgemeinmedizin 6. November 2011

Innere Uhr verstellbar?

Schichtarbeiter erkranken drei- bis fünfmal häufiger an Diabetes Typ 2 als andere Arbeitnehmer.

Studiendaten weisen auf Zusammenhänge zwischen dem metabolischen Syndrom und Störungen körpereigener Zeitrhythmen hin. 2009 fanden Ärzte der Harvard Medical School in Boston heraus, dass die Ausschüttung von Hormonen, die Stress und Hunger verursachen, unter Schichtarbeit zunimmt. „Wer im Schichtdienst tätig ist, sollte darauf achten, dass zwischen den Nacht- und Tagdienstwechseln mehrere freie Tage liegen, in denen der Körper sich wieder an den normalen Rhythmus gewöhnen kann“, erklärt Thomas Haak, Diabetes-Klinik Bad Mergentheim und Vorstandsmitglied der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG).

Wissenschaftler des Universitätsklinikums Eppendorf in Hamburg starteten im Juli 2011 ein auf fünf Jahre angelegtes europaweites Forschungsprojekt, mit welchem sie den Mechanismen der inneren Uhr, die an der Blutzuckerregulierung beteiligt sind, auf den Grund gehen wollen. Eine Untersuchung innerhalb des Projekts werden die Forscher an Nacht- und Schichtarbeitern durchführen, deren innere Uhr durch die Schichtarbeit beeinträchtigt ist und die daher ein höheres Risiko für die Entwicklung von Übergewicht und Diabetes aufweisen.

In einer zweiten Studie werden bislang gesunde Kinder von Eltern mit Diabetes Typ 2 untersucht. Sie haben ein Risiko von mehr als 50 Prozent, selbst Diabetes zu entwickeln. Die Fragestellung beider Untersuchungen ist zum einen, ob das Erkrankungsrisiko für Diabetes durch gezielte, tageszeitlich abgestimmte Veränderungen des Lebensstils verringert werden kann. Zum anderen wollen die Forscher herausfinden, ob und wie sich die innere Uhr möglicherweise „verstellen“ und besser an Nachtarbeit anpassen lässt, denn Menschen über 40 Jahre und jene, die bereits unter Erkrankungen wie Bluthochdruck oder Verdauungsstörungen leiden, fällt die Anpassung an wechselnde Schichten schwerer als jüngeren gesunden Menschen.

diabetesDE/PH, Ärzte Woche 48 /2011

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