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Maßvolle regelmäßige körperliche Aktivität hat einen positiven Einfluss.
 
Allgemeinmedizin 29. November 2011

Massenphänomen Übergewicht

Blutgerinnung bisher als Risikofaktor für Folgekrankheiten maßgeblich unterschätzt.

Ein Forscherteam des Klinischen Instituts für medizinische und chemische Labordiagnostik (KIMCL) der Medizinischen Universität Graz fand bei übergewichtigen Menschen einen neuen Ansatz zur Beurteilung des Herzinfarktrisikos, der auf einem Blutgerinnungstest beruht. Mittels eines neu zugelassenen Gerinnungs-Gobaltests konnte ein hochsignifikanter Zusammenhang zwischen erhöhtem Cholesterin, stammbetonter Körperfettverteilung, Entzündungsaktivierung und der Blutgerinnbarkeit herausgefunden werden.

„In unserer Forschungsarbeit gingen wir der Frage nach, ob die Blutgerinnung nur bei der Bluterkrankheit, bei Beinvenenthrombosen und Lungenembolien von zentraler Bedeutung ist, oder ob sie auch bei der Entstehung von Volkserkrankungen wie Herzinfarkt maßgeblich beteiligt ist“, so Prof. Dr. Harald Mangge.

Die Wissenschafter unter der Leitung von Mangge, Klinisches Institut für Medizinische und Chemische Labordiagnostik, und das Gerinnungsteam des KIMCL Graz (OA Dr. Florian Prüller, PD Dr. Reinhard Raggam) untersuchten 300 normal- und übergewichtige Probanden der STYJOBS/EDECTA Kohorte auf das so genannte generierbare Thrombinpotenzial (Detailinformation zu STYJOBS/EDECTA: http://clinicaltrials.gov/ct2/show/NCT00482924).

Thrombin ist ein Schlüsselenzym der Blutgerinnung und somit auch ein wichtiger Blutgerinnungsfaktor in neuen Therapiestrategien. Für die Untersuchung des Thrombinpotenzials wurde ein spezieller Gerinnungstest angewandt.

Thrombin: ein zentraler Risikofaktor bei Übergewicht

An der STYJOBS/EDECTA Kohorte zeigte sich interessanterweise, dass Thrombin ein zentraler Risikofaktor bei Adipositas ist. Neben der Beobachtung, dass das Thrombinpotenzial durch Adipositas positiv beeinflusst wird und somit Übergewichtige eine erhöhte Blutgerinnungsbereitschaft aufweisen, gibt es einen komplexen Zusammenhang mit dem Risiko für Gefäßwandschädigung, der Aktivierung des Entzündungssystems und den Blutfetten.

Das Thrombinpotenzial scheint bei atherosklerotischen Gefäßwandherden eine wichtige Rolle zu spielen: wird ein atherosklerotischer Gefäßwandherd instabil (vulnerabel), kommt es lokal zu einer gefährlichen Gerinnungsaktivierung. Dieser Prozess kann zu einem lebensbedrohlichen Gefäßverschluss bzw. zu einer Gewebeeinblutung führen. Die Balance zwischen hemmenden und aktivierenden Faktoren der Blutgerinnung ist für den weiteren Verlauf des Geschehens essentiell.

Derzeit wird in weiteren Untersuchungen noch genauer erforscht, inwiefern das generierbare Thrombinpotenzial für das Ereignis eines fatalen Herzinfarktes oder auch Schlaganfalles mitverantwortlich ist.

Eine sehr wichtige Schlussfolgerung für übergewichtige Menschen aus den vorliegenden Daten ist, dass durch maßvolle regelmäßige körperliche Aktivität die ungünstige Veränderung des Thrombinpotenzials positiv beeinflusst wird. Dies wurde in allen Altersstufen der untersuchten Probanden (Altersbereich 16 bis 58 Jahre) beobachtet und unterstreicht einmal mehr, wie wichtig regelmäßige körperliche Aktivität in jedem Lebensalter ist. Sie muss aber der jeweiligen körperlichen Grundverfassung angepasst sein. Übertreibung ist auch hier ungünstig.

Sollten sich die Ergebnisse in weiteren Studien erhärten, muss zukünftig die Gerinnung in die frühdiagnostische Risikobeurteilung bei übergewichtigen Menschen miteinbezogen werden.

 

Quelle: Medizinische Universität Graz.

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