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Foto: ©iStockphoto.com/Ridofranz
Wer etwas für sein Herz tut, verbessert damit auch seine sexuelle Gesundheit, was wiederum zu einem Plus an Lebensqualität führt.
 
Allgemeinmedizin 29. November 2011

Sex als Herzensangelegenheit

Was der Pumpe nützt, hilft auch bei schwächelnder Potenz.

Die erektile Dysfunktion ist ein besonders früher und gut wahrnehmbarer Marker für ein erhöhtes Herzrisiko. Legen Sie Ihren Patienten beizeiten nahe, etwas für die „Pumpe“ zu tun, Sie schlagen damit zwei Fliegen mit einer Klappe: Körperliche Fitness und gesunde Ernährung senken nicht nur das KHK-Risiko, sondern tragen auch dazu bei, dass es im Bett besser klappt.

 

Männer mit Erektionsproblemen profitieren nicht nur von Potenzpillen, sondern auch von einem gesunden Lebensstil und der medikamentösen Therapie kardiovaskulärer Risikofaktoren; dies belegen mehrere publizierte Studien, die den Zusammenhang von Herz und Sex ergründet haben. Den meisten dieser Untersuchungen mangelt es allerdings an Teilnehmern. Das Team um Bhanu P. Gupta et al. hat nun die Daten von insgesamt 740 Patienten mit erektiler Dysfunktion (ED) aus sechs Studien zusammengetragen. In vier davon hatten die Autoren die Auswirkungen einer Lifestyle-Intervention, in zweien den Effekt von Statinen auf die ED ermittelt. Das mittlere Patientenalter lag bei 55,4 Jahren, die Studiendauer variierte zwischen 12 und 104 Wochen. Als Maßstab für die Verbesserung der ED wurde der International Index of Erectile Dysfunction (IIEF-5) herangezogen.

Das Ergebnis der Metaanalyse: Nahm das kardiovaskuläre Risiko ab, besserte sich die Sexualfunktion um nahezu 2,7 Punkte im IIEF-5 (95% KI: 1,86-3,47). Statistisch signifikant war die Besserung auch dann, wenn man als Grundlage nur die Lifestyle-Studien bzw. nur die Pharmakotherapiestudien heranzog (2,4 Punkte bzw. 3,07 Punkte). Das Resümee der Autoren: Wer etwas für sein Herz tut, verbessert damit auch seine sexuelle Gesundheit, was wiederum zu einem Plus an Lebensqualität führt.

Dieser Zusammenhang überrascht nicht: Wie die koronare Herzkrankheit (KHK) entsteht auch die ED auf der Basis einer Endothelschädigung, die über eine chronische Entzündung zur Atherosklerose führt; zu den modifizierbaren Risikofaktoren, die sich die beiden Erkrankungen teilen, gehören Bewegungsarmut, Adipositas, Rauchen, metabolisches Syndrom, Diabetes und Hochdruck.

Der Effekt in Guptas Untersuchung zeigte sich auch dann, wenn die Teilnehmer bereits versucht hatten, ihre Männlichkeit mit einem Potenzmittel zu steigern. In drei der ausgewerteten Studien nahmen insgesamt 240 Männer einen Phosphodiesterase-5-Hemmer ein. Hier ließ sich der IIEF-5-Score durch zusätzliche kardioprotektive Maßnahmen im Schnitt um 2,1 Punkte verbessern (95% KI: 0,22-3,95). Die erektile Dysfunktion besserte sich auch bei Männern, denen das Potenzmittel (Sildenafil) eher bescheidene Erfolge beschert hatte.

Die Autoren plädieren dafür, die ED auch in der Praxis als frühen modifizierbaren Risikofaktor für die Entwicklung einer kardiovaskulären Erkrankung zu akzeptieren. Zwischen dem ersten Auftreten einer ED und einer manifesten KHK liegen zwei bis fünf Jahre, es bleibt also ausreichend Zeit zu intervenieren. Für den Arzt ist es ein Vorteil, eine klar begrenzte Patientengruppe vor sich zu haben, bei der er mit der Motivation zu einem gesünderen Lebensstil ansetzen kann. Und schließlich ist die ED, anders als die KHK, eine Störung, die vom Betroffenen schon sehr frühzeitig bemerkt wird.

 

 

Gupta BP et al. The Effect of Lifestyle Modification and Cardiovascular Risk Factor Reduction on Erectile Dysfunction. Arch Int Med, Published online 12. September 2011; doi: 10.1001/archinternmed.2011.440

springermedizin.de, Ärzte Woche 47 /2011

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