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Das neue Indikationsgebiet ist die aktive Impfung zur Prävention der invasiven Pneumokokkenerkrankung durch die im Impfstoff enthaltenen Serotypen von S. pneumoniae bei Erwachsenen ab 50 Jahren.
 
Allgemeinmedizin 15. November 2011

Schutz vor schwerem Pneumonieverlauf

Erster Pneumokokken-Konjugatimpfstoff für Personen ab 50 Jahren zugelassen.

Pneumokokken können schwere invasive Erkrankungen hervorrufen, vor allem bei kleinen Kindern und älteren Erwachsenen. Die Europäische Kommission hat nun den ersten Pneumokokken-

Konjugatimpfstoff Prevenar 13 für die aktive Immunisierung von Erwachsenen ab 50 Jahren zur Prävention invasiver Erkrankungen durch die im Impfstoff enthaltenen Serotypen von Streptococcus pneumoniae zugelassen.

 

Pneumokokkenerkrankungen werden durch das Bakterium Streptococcus pneumoniae hervorgerufen. Dabei handelt es sich um ein diplokokkes, grampositives Bakterium. Bisher sind 91 Serotypen identifiziert, wobei nicht alle pathogen sind. So sind zehn Serotypen für mehr als 60 Prozent der Erkrankungen weltweit verantwortlich, 23 für mehr als 90 Prozent. Die Serotypenprävalenz unterscheidet sich jedoch nach Altersgruppe und geographischem Gebiet.

Das Bakterium kann bei Menschen jeden Alters auftreten, Kleinkinder, ältere Erwachsene und Menschen mit chronischen Erkrankungen wie beispielsweise angeborener oder erworbener Immundefizienz, Asplenie, Lungenkrankheit, chronischen Herzerkrankungen und Niereninsuffizienz, nephrotischem Syndrom und Diabetes weisen jedoch ein höheres Risiko für schwerwiegende Erkrankungen auf.

Invasive Verlaufsformen besonders gefürchtet

Etwa zehn Prozent der Infektionen mit S. pneumoniae verlaufen invasiv, wobei sich die Erreger beispielsweise im Blut oder in der Rückenmarksflüssigkeit des Patienten ausbreiten. Diese Formen verlaufen in der Regel schwerer als nicht-invasive und führen zu einer erheblichen Morbidität und Mortalität, besonders bei der älteren Bevölkerung. Zu den invasiven Pneumokokkenerkrankungen zählen unter anderem die bakteriämische Pneumonie und Meningitis. Aus den epidemiologischen Untersuchungen ist ersichtlich, dass es sich bei etwa 80 Prozent der invasiven Pneumokokkenerkrankungen im Erwachsenenalter um bakteriämische Pneumonien handelt.

Verhinderung der Erkrankung

Obwohl Antibiotika und geeignete Therapieschemata zur Verbesserung der Prognose beigetragen haben, besteht das eigentliche Ziel in der Verhinderung der Erkrankung durch Präventivmaßnahmen. Bisher stand für Erwachsene einzig der 23- valente Polysaccharidimpfstoff zur Verfügung. Die Art der Immunantwort beim Pneumokokken-Polysaccharidimpfstoff erfolgt jedoch Thymus-unabhängig, es werden lediglich B-Lymphozyten stimuliert. Daher erzeugt dieser Impfstoff bei Kindern unter zwei Jahren auch keine Immunogenität. Konjugatimpfstoffe aktivieren hingegen B- und T-Zellen und induzieren damit ein immunologisches Gedächtnis.

Prevenar 7 (PnC-7v) war der erste verfügbare konjugierte Pneumokokkenimpfstoff, zugelassen für die Impfung von Säuglingen und Kleinkinder bis fünf Jahre. Dieser enthält die Serotypen 4, 6B, 9V, 14, 18C, 19F, 23F. 2009 folgten der zehn-valenten Synflorix (CnP-10) mit den ergänzten Serotypen 1, 5, 7F und der 13-valenten Prevenar mit den zusätzlichen Serotypen 3, 6A und 19A.

Zulassungserweiterung

Prevenar 13 wurde nun als erster Pneumokokken-Konjugatimpfstoff von der Europäische Kommission für die aktive Immunisierung von Erwachsenen ab 50 Jahren zur Prävention invasiver Erkrankungen durch die im Impfstoff enthaltenen Serotypen von S. pneumoniae zugelassen.

Die Entscheidung, die Zulassung auf diesen neuen Indikationsbereich auszuweiten, stützt sich auf die Auswertung der Daten zur klinischen Immunogenität und Sicherheit von mehr als 6.000 Erwachsenen ab 50 Jahren. Die Verabreichung erfolgt in einer Einzeldosis.

Die am häufigsten genannten lokalen und systemischen Nebenwirkungen sind (≥ 20%): Rötung, Schwellung, Berührungsempfindlichkeit, Verhärtung und Schmerzen an der Einstichstelle, eingeschränkter Bewegungsumfang des Armes, Appetitlosigkeit, Kopfschmerzen, Durchfall, Schüttelfrost, Erschöpfung, Erythem sowie Verschlechterung bestehender bzw. neu auftretende Gelenk- oder Muskelschmerzen.

Eine eventuelle Überempfindlichkeit (beispielsweise Anaphylaxie) gegen einen der Inhaltsstoffe von Prevenar 13 oder einen Diphtherietoxoid-haltigen Impfstoff stellt eine Kontraindikation dar.

Von F. Hörandl , Ärzte Woche 46 /2011

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