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Allgemeinmedizin 25. Oktober 2011

Rolle von Alkohol neu bewerten

Der Konsum von bereits geringen Alkoholmengen scheint das Brust- und Darmkrebsrisiko zu erhöhen.

Die Rolle von Alkohol muss neu bewertet werden: Während sich ein bis zwei Gläser Wein pro Tag als Herz-Kreislauf-Prophylaxe positiv auswirken, scheint das Risiko, an Brust- oder Darmkrebs zu erkranken, auch schon bei kleinen Mengen zuzunehmen. Deutliche Hinweise gibt es auch darauf, dass die Kombination aus Übergewicht und Null-Bewegung unter dem Aspekt der Krebsvorsorge ebenso schädlich ist wie Rauchen.

 

Evidenzbasierte Krebsprävention gewinnt immer mehr an Bedeutung. Deshalb ist es wichtig, dass wissenschaftliche Erkenntnisse auch direkt in die Anwendung gelangen und in der Folge auch tatsächlich zum Wohle der Bevölkerung umgesetzt werden.

Zwei große Kohortenstudien in Europa und den USA mit 500.000 und 800.000 Teilnehmern liefern nun erste weitgehend übereinstimmende Ergebnisse in Hinblick auf die Wechselwirkung von Gesundheit und Ernährung. Im Lichte dieser Erkenntnisse müssen Ernährungsgewohnheiten vor allem in Hinblick auf Krebsvorsorge neu überdacht werden. Das diskutierten führende Wissenschaftler im Rahmen des dritten Europäischen Forums für evidenzbasierte Gesundheitsförderung und Prävention (EUFEP) in Krems.

Neue Fragezeichen

Dass sich der Lebensstil deutlich auf das Krebsrisiko auswirkt, legen die bis zu zehnfachen Unterschiede im Auftreten einzelner Krebsarten zwischen verschiedenen Ländern nahe. Welche Rolle die Ernährung spielt, ist jedoch noch nicht vollständig geklärt.

Eine deutliche Gefahr durch die viel diskutierten gesättigten Fette bestätigt sich bisher nur für das Herz-Kreislauf-System. Rind-, Lamm- und Schweinefleisch müssen demnach allerdings differenzierter betrachtet werden als bisher. „Rotes Fleisch und Fleischprodukte steigern durchaus das Risiko für Darm- und Magenkrebs, jedoch auch jenes für Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und höhere Gesamtsterblichkeit, womit die möglichen biologischen Mechanismen dieser vielfachen Assoziationen noch ungeklärt sind“, sagte Prof. Dr. Rudolf Kaaks vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg. Wer an die 80 Gramm rotes Fleisch pro Tag verzehrt, steigert offenbar sein Darmkrebs-Risiko um bis zu 40 Prozent. Wer hingegen Fisch und Geflügel isst, scheint das Risiko zu senken. „Wir wissen allerdings nicht, ob Menschen, die vorwiegend rotes Fleisch essen, nicht auch noch andere Vorlieben hinsichtlich ihres Lebensstils entwickeln. Jedenfalls bin ich mir nicht sicher, dass wir damit eine exakte Ursache für das Entstehen von Darmkrebs gefunden haben“, sagte Kaaks.

Vor Krebs schützt vor allem auch die Zurückhaltung beim Alkohol. Das betrifft nicht nur die bereits bekannten Krebsarten wie Speiseröhren-, Rachen- oder Mundhöhlenkrebs, bei denen man durch viel Trinken (eine Flasche Wein pro Tag) und Rauchen das Erkrankungsrisiko bis zum Hundertfachen steigert. Während ein Glas Wein pro Tag für das Herz-Kreislauf-System und für die Gesamtsterblichkeit eine positive Wirkung zeigt, gilt das für Krebs nicht: „Auch schon in kleinen, täglichen Mengen kann das zu einer Risikosteigerung vor allem für Brust-, Darm- und Leberkrebs führen“, sagte Kaaks. Mit drei bis vier Gläsern Wein pro Tag steigt die Risikozunahme, an Darmkrebs zu erkranken, auf 40 bis 50 Prozent. Bei Brustkrebs scheint sich das Risiko pro Glas Alkohol täglich um 5 bis 8 Prozent zu erhöhen. Den stärksten Effekt für eine Krebserkrankung sieht Kaaks im Rauchen. Ähnlich stark wirke sich allerdings die Kombination aus Übergewicht und Null-Bewegung aus. Daher empfiehlt die führende internationale Krebspräventions-Plattform WCRF, sich zu disziplinieren, eine Gewichtszunahme und damit Übergewicht zu vermeiden und sich körperlich zu betätigen. „Es ist sehr wahrscheinlich, dass körperliche Bewegung das Risiko senkt“, sagte Kaaks.

 

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