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Allgemeinmedizin 21. Oktober 2011

Apotheker warnen vor "Wetter-Set" im Web

Dem Apothekerverband ist die Konkurrenz aus dem Internet wieder ein Dorn im Auge: Konkret erzeugt das "Wetter-Set" der Versandapotheke "zur Rose", mit Aspirin Complex Granulat, Rhino Spray plus und Wick Formel 44 Plus Hustenlöser Sirup Unmut. Die Kombination sei pharmakologisch äußerst bedenklich, so die Apotheker. Der Internetanbieter weist den Vorwurf zurück. Kunden würden seriöse Informationen und fundierte Beratung erhalten.

Apotheker warnen

"Bei Bluthochdruck-Patienten und bei schlecht eingestelltem Blutdruck kann die gleichzeitige Einnahme von Rhino Spray und Aspirin Complex zu einer nicht erwünschten  Wirkungsverstärkung und zu einer Blutdruck-Krise führen. Wir Apotheker raten als Arzneimittel-Experten ganz klar von dieser Kombination ab. Außerdem ist Aspirin Complex erst ab dem 16. Lebensjahr zugelassen", warnt Österreichs Apothekerverbandspräsident Dr. Friedemann Bachleitner-Hofmann.

Günstige Angebote

"Zur Rose" spricht von einer "Unterstellung des Apothekerverbandes" und weist die Vorwurf der bedenklichen Produktkombinationen zurück: "Kunden können von Zur Rose - wie in jeder guten Apotheke - seriöse Informationen und fundierte Beratung und sogar zusätzliche Sicherheitschecks wie beispielsweise eine Wechselwirkungskontrolle erwarten", so das Unternehmen in einer Aussendung und kontert, dass vielmehr die günstigen Preise Stein des Anstoßes seien, da die rezeptfreien Produkte bis zu 40 Prozent günstiger wären.Der Apothekerverband lässt das Argument so nicht gelten und unterstellt hingegen dem Versandhandel ein reines Profitdenken: "Kein Apotheker würde eine derartige Kombination an seine Patienten abgeben", ist sich Bachleitner-Hofmann sicher. Dem Versandhandel gehe es mit solchen "Sets" offenbar nur um die Ausweitung seines Umsatzes.

Freiheit der Konsumenten 

Tatsache ist: Die Produkte des "Wetter-Sets" kosten in der Apotheke € 24,50 und bei Bestellung im Internet € 14,50. "Rezeptfreie Medikamente bequem und günstig über den Versandkanal zu beziehen, stärkt die Konsumentenfreiheit" freut sich der Internetanbieter. Es brauche keinen zusätzlichen "Vertrieb" von Medikamenten in Österreich, so die Apotheker.

Grauzone Österreich

Der Versand von Arzneimitteln ist in Österreich zwar strikt verboten, da er jedoch in anderen europäischen Ländern erlaubt ist, gelangen Arzneimittel sehr wohl auf dem Postweg nach Österreich. "Das Verbot des Versandhandels mit Arzneimitteln ist EU-rechtswidrig. Ich weiß, da trete ich jetzt in einen österreichischen Fettnapf" beurteilt Dr. Ruth E. Hütthaler-Brandauer, Rechtsanwältin und Referentin auf der IIR Fachkonferenz, die österreichische Rechtslage.

Klaus Gritschneder, Vorstand und Generalsekretär des Europäischen Verbands der Versandapotheken ist der Meinung: "Der Versandhandel mit Arzneimitteln hat sich in den letzten 10 Jahren in Europa fest etabliert und hat eine hohe Akzeptanz bei den Kunden. Das Ende des Wachstums ist noch nicht in Sicht."

Veranstaltungstipp

Das Institute for International Research Österreich veranstaltet
am 29. und 30. November 2011 die Fachkonferenz: "Arzneimittelversandhandel nach und in Österreich"

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