zur Navigation zum Inhalt
 
Allgemeinmedizin 26. September 2011

Bild der Pflege - gut, aber...

Jeder vierte Österreicher ist über 60 Jahre alt und wird statistisch gesehen noch mehr als 20 Jahre leben. Ein Teil davon wird Pflege in irgendeiner Form benötigen, doch die Frage, wer diese zahlenmäßig zunehmende Tätigkeit einmal ausführen wird, ist derzeit ungeklärt.

Mit den am Freitag begonnenen Pflege-Strukturverhandlungen soll bis Ende nächsten Jahres eine Gesamtkonzeption für die Zeit ab 2015 erreicht werden. Um den demographischen Bedarfsanstieg der kommenden zehn Jahre erfüllen zu können, werden aus heutiger Sicht 17.000 zusätzliche Pflegepersonen benötigt. Doch das Bild der Pflege ist schlecht: „Anstrengend, schlecht bezahlt und unbedankt“ ergab eine Umfrage, die der private Pflegeheimbetreiber SeneCura nun präsentierte. Positives Ergebnis: Der Pflege wird hohes Vertrauen und große Zufriedenheit ausgesprochen.

Hohe Anerkennung - schlechtes Image

Die Kluft ist deutlich: 82 Prozent der Österreicher, die bereits der Pflege in einer Einrichtung bedurften, fühlten sich gut oder sehr gut betreut. Und dennoch ist der Beruf tendenziell negativ bewertet. Daher können sich nur 24 Prozent vorstellen, selbst in diesem Beruf zu arbeiten. 72 Prozent schließen dies für sich selbst aus. Denn: Der Pflegeberuf ist anstrengend, belastend und unterbezahlt. Nur 32 Prozent der Befragten sehen den Pflegeberuf als „anerkannt“. Neben der schlechten Bezahlung, werden auch die unregelmäßigen Arbeitszeiten mit Schichtdienst und der Umgang mit Kranken als Gründe angegeben, warum sich nicht genügend junge Menschen für einen Pflegeberuf entscheiden.

Finanzierung, Ausbildung und Qualität 

Die Fragen, die es also möglichst bald zu klären gilt, sind die Finanzierung, aber auch die Ausbildung, die Arbeitsbedingungen und die Qualität der Pflege, stellte Sozialminister Rudolf Hundstorfer fest. Noch gebe es in den einzelnen Bundesländern ganz unterschiedliche gesetzliche Vorgaben und Zuständigkeiten. Die Einkommen liegen derzeit einige Prozentpunkte unter dem gesamtwirtschaftlichen Lohnniveau. „Das muss ein Signal sein“, so Hundstorfer. Allerdings stelle dies wiederum für die Finanzierung eine Herausforderung dar.

Ausbildung fördern und strukturieren

Je besser die Ausbildung und klarer die Berufsperspektiven, desto höher ist die Berufszufriedenheit. Auch in der Pflege. Derzeit verfügen von den in unterschiedlichen Qualifikationsniveaus Beschäftigten 28 Prozent über keine formale Berufsausbildung, berichtete Hundstorfer. Andererseits habe man in den vergangenen Jahren in Zusammenarbeit mit dem Arbeitsmarktservice (AMS) 21.000 Personen zu Diplomierten, Alten- und Heimhilfepflegekräften qualifiziert. In Zusammenarbeit mit Betreibern von Pflegeeinrichtungen könnten auch Stiftungsformen für Ausbildungszwecke entwickelt werden. Die immer wieder diskutierte Idee Pflege als Lehrberuf zu konzipieren sieht der Sozialminister skeptisch, die Arbeit am Patienten erst ab 17 Jahren sei durchaus sinnvoll. Die Tendenz in der Ausbildung der diplomierten Pflegepersonen gehe ohnedies in Richtung Beginn nach der Matura.

Wer vertritt die Interessen? 

Gebraucht werden aber auch, so Rudolf Öhlinger, Geschäftsführer von SeneCura, Pflegehelfer und Altenpfleger für qualifizierte Betreuungsleistungen. „Wir sind in einem Diskussionsprozess“, so Hundstorfer. In diesen sind die Interessensvertreter der Pflegeberufe zwar eingebunden, einer Pflegekammer, wie von ebendiesen Interessensverbänden schon länger gefordert und erst kürzlich wieder zurückgewiesen, erteilt auch der Sozialminister eine Absage: „Das löst das Problem der Pflege nicht.“ (ki)

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben