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Wer auf Kilokalorien statt auf Kilo- joules schaut, langt herzhafter zu.
 
Allgemeinmedizin 21. September 2011

Wenn das Gefühl täuscht

Verbraucher schätzen Mengenangaben auf Lebensmitteln unterschiedlich ein, je nachdem, in welcher Einheit sie angegeben werden.

Wissenschaftler der Universitäten Gent und Tilburg untersuchten das Zahlengefühl von Konsumenten und fanden heraus, dass die Probanden oft daneben lagen, egal, ob es sich um Kalorien, Preisrabatte oder Inhaltsmengen handelte.

 

Testpersonen beurteilten den Unterschied zwischen 9 und 9,5 auf einer Skala von 10 auf Anhieb als größer im Vergleich zu dem zwischen 90 und 95 auf einer Skala von 100. Die Forscher erklären dies mit der Tatsache, dass nur die „nackten“ Zahlen wahrgenommen werden, dabei aber die Skalenwerte nicht berücksichtigt werden

Am Beispiel von Kalorien zeigte sich, dass die Käufer bei Größenunterschieden in der Maßeinheit Kilojoule oftmals eher einer süßen Verführung widerstanden als beim bloßen Vergleich der niedrigeren Kilokalorienwerte. So schreckt uns die Gegenüberstellung von 1.250 und 1.050 Kilojoule eher von der gehaltvolleren Variante ab als der Vergleich von 250 und 300 Kilokalorien – obwohl der Unterschied der gleiche ist. Auch unliebsame Nährstoffe wie Zucker lassen sich durch utopisch kleine Portionsgrößen schönrechnen. Hier nutzt die Lebensmittelindustrie den Umstand, dass kaum ein Käufer abschätzen kann, dass 30 Gramm Cornflakes nur etwa drei Esslöffeln entsprechen – eine wohl eher unbefriedigende Frühstücksportion. Auch Angebote und Rabatte lassen den Verbraucher unbewusst zugreifen. In Erwartung eines Schnäppchens bleibt hier der Produktvergleich vor der Kaufentscheidung häufig jedoch aus.

Die Forscher schlagen daher vor, auf Verpackungen die Energieangaben prominent in Kilojoules anzugeben, um Konsumenten so zum Kauf energieärmerer Nahrungsmittel zu animieren. 

 

Pandelaere, M. et al.: How to Make a 29% Increase Look Bigger: The Unit Effect in Option Comparisons How to Make a 29% Increase Look Bigger: The Unit Effect in Option Comparisons. Journal of Consumer Research 2011; . 38 (2): 308–22

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