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Foto: ©iStockphoto.com/asiseeit
Wenn auf der Leinwand die Spannung steigt, lassen sich gewohnte Knabberer auch schlechtes Popcorn andrehen – und essen brav auf.
 
Allgemeinmedizin 19. September 2011

Essen, obwohl’s nicht schmeckt

Eine Studie enthüllt die Macht der Gewohnheit und die Auswirkungen auf das Körpergewicht.

Wer im Kino jedes Mal Popcorn knabbert, isst diese auch dann auf, wenn sie alt und schal sind. Wer abnehmen möchte, sollte versuchen, mit alten Gewohnheiten zu brechen.

 

Für viele ist ein Kinobesuch ohne Popcorn nicht komplett. Und die Lieblingsserie im Fernsehen ohne Chips geht gar nicht. Dabei kommt es offenbar nicht auf den Geschmack an: Eine Untersuchung enthüllt, warum schlechte Essgewohnheiten aufrechterhalten werden, und zwar auch dann, wenn das Essen überhaupt nicht schmeckt. Die Studie zeigt auch überraschend einfache Möglichkeiten, schlechte Gewohnheiten zu bekämpfen und die Kalorienzufuhr besser zu kontrollieren.

In dieser besagten Studie gaben US-amerikanische Psychologen einer Gruppe von Kinobesuchern frisch hergestelltes Popcorn mit in die Vorstellung, einer anderen jedoch welches, das schon eine Woche alt war. Kinobesucher, die normalerweise kein Popcorn kaufen, aßen viel weniger von dem alten Popcorn als vom frischen: das alte schmeckte einfach nicht.

Diejenigen aber, die angaben, dass sie beim Filmschauen meistens Popcorn essen, aßen gleich viel, egal ob alt oder frisch. Das heißt, für diejenigen, die es gewohnt waren, im Kino Popcorn zu essen, machte es überhaupt keinen Unterschied, ob dieses gut oder schlecht schmeckte.

Für die Forscher ist das ein Hinweis dafür, dass Menschen nicht zu viel essen, weil es eben so unwiderstehlich schmeckt, sondern weil sie in bestimmten Situationen so konditioniert sind und einfach futtern, egal ob hungrig oder nicht. „Die Leute glauben, ihre Essgewohnheiten seien dadurch gesteuert, wie das Essen schmeckt. Aber niemand mag kaltes, schwammiges Popcorn, das schon eine Woche alt ist“, sagt Koautorin Prof. Dr. Wendy Wood. „Ist die Gewohnheit jedoch einmal geformt, kümmern wir uns nicht mehr darum, wie das Essen schmeckt. Wir essen dieselbe Menge, ob frisch oder alt.“

Die Forscher wiederholten ihren Test übrigens in einer Umgebung, in der üblicherweise kein Popcorn gegessen wird: im Besprechungszimmer. Dort spielte es jedoch eine große Rolle, ob die Knabberei frisch war oder nicht. Das alte blieb übrig.

Mit der „falschen“ Hand

Um das automatische Futtern aus Gewohnheit zu unterbrechen, reichte übrigens eine simple Übung: In einem weiteren Testdurchlauf wurden Kinobesucher dazu aufgefordert, mit der „falschen” Hand zu essen, also nicht mit der, die sie normalerweise dazu benützen. Unter diesen Umständen achteten die Probanden viel eher darauf, was sie aßen. Menschen, die abnehmen wollen, sollten versuchen, Situationen, in denen sie üblicherweise zu viel essen, zu verändern, und sei es nur, dass die Hand, mit der das Essen zum Mund geführt wird, gewechselt wird. PH

 

Neal D. T. et al., „The Pull of the Past: When Do Habits Persist Despite Conflict With Motives?“ Personality and Social Psychology Bulletin 2011; doi: 10.1177/0146167211419863.

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