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Foto: Privat
Von Sabine Fisch
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Von Sabine Fisch

 
Allgemeinmedizin 3. April 2009

Kommentar

Der „Missbrauch“ des Missbrauchs.

Laut Statistik Austria leben in Österreich rund 2,4 Millionen Kinder zwischen Null und 18 Jahren. Studien zufolge werden im Lauf ihrer Kindheit und Jugend jedes vierte Mädchen und jeder siebente Bub Opfer sexueller Gewalt. Eine einfache Rechnung macht die Größenordnung deutlich: In Österreich wären das rund 300.000 Mädchen und rund 172.000 Burschen, die – meist von Personen aus ihrem näheren und nächsten Umfeld – sexuell missbraucht werden. Die Täter – auch das ist durch Studien hinreichend belegt – sind zu 90 Prozent Männer – egal, ob es sich beim missbrauchten Opfer um ein Mädchen oder einen Burschen handelt.

Trotzdem wird, und zwar bei jeder Veranstaltung zum Thema „Sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen“, an der ich in den vergangenen Jahren als Journalistin teilgenommen habe, unmissverständlich darauf hingewiesen, dass auch Frauen sexuellen Missbrauch begehen. So wie kürzlich im Wiener Haus der Ärzte, wo im Rahmen einer wissenschaftlichen Sitzung vor allem über forensische Aspekte des sexuellen Missbrauchs diskutiert wurde. In einem Vortrag zum Thema Opferschutz wurde mehrmals und mit Nachdruck darauf aufmerksam gemacht, auf keinen Fall die „Missbraucherinnen“ zu vergessen. Diese hätten zwar bisher im Schatten gestanden, vermehrte Aufmerksamkeit führe nun aber dazu, dass auch Frauen, die Kinder missbrauchen, ans Licht der Öffentlichkeit gebracht würden.

Ich möchte nicht missverstanden werden: Selbstverständlich sollen auch Frauen, die Missbrauch an Kindern und Jugendlichen begehen, ausgeforscht und bestraft werden. Ich möchte nur die Verhältnismäßigkeit gewahrt wissen: Neun von zehn Missbrauchern sind und bleiben Männer. Dies – und nicht der zwanghaft vorgebrachte Hinweis, „dass auch Frauen Täterinnen sein können“ – sollte im Mittelpunkt der Diskussion um den sexuellen Missbrauch an Kindern stehen.

Von Sabine Fisch, Ärzte Woche 13/2009

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