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Akute Kreuzschmerzen haben zu 90 Prozent keine gravierende Ursache und verschwinden meist innerhalb von vier Wochen.
 
Allgemeinmedizin 12. September 2011

Akute Rückenschmerzen in der Hausarztpraxis

„red and yellow flags“ steuern das diagnostische Vorgehen.

Bei den meisten Patienten sind akute Rückenschmerzen muskulär bedingt. Eine gründliche körperliche Untersuchung reicht meist aus, um die Diagnose nicht spezifischer Rückenschmerzen zu stellen.

 

Bei den meisten Patienten, die aufgrund akuter Rückenschmerzen in die Praxis kommen, reichen Anamnese und körperliche Untersuchung aus, um eine Diagnose zu stellen. Eine bildgebende und labordiagnostische Befundung sind häufig nicht notwendig, wenn keine Warnhinweise („red flags“) auf schwerwiegende Erkrankungen als Ursache für die Schmerzen vorliegen.*

„yellow flags“ sollten nicht übersehen werden

Bestandteil der Anamnese sollten nicht nur Fragen nach Lokalisation, Stärke, Auslöser, Dauer und Ausstrahlung der Schmerzen sowie nach Bewegungseinschränkungen sein. Zu berücksichtigen sind auch eventuelle psychosoziale Risikofaktoren („yellow flags“), die sich in körperlichen Symptomen wie Rückenschmerzen und Muskelverspannungen niederschlagen können.

Außerdem können die Symptome schmerzverstärkend wirken und in der Folge eine Chronifizierung der Schmerzen begünstigen. Zu diesen „yellow flags“ zählen etwa Arbeitsüberlastung, geringe soziale Unterstützung oder Probleme in der Partnerschaft, Depression, Angst oder Somatisierungsstörungen sowie ausgeprägtes Schonverhalten.

„red flags“ sind unter anderem Frakturen (etwa bei schwerwiegenden Traumata wie Sturz oder Unfall, bei Osteoporose oder systemischer Kortikoidtherapie), Tumoren, Infektionen oder Radikulo- und Neuropathien (etwa neurologische Defizite wie Sensibilitätsstörungen in den Beinen, Kaudasyndrom). Finden sich bei einem Patienten „red flags“, ist unverzüglich eine weiterführende Diagnostik (Labor, Bildgebung) zu veranlassen.

Inspektion und Palpation der Muskulatur auf Schmerzhaftigkeit und Verspannung sind wesentliche Bestandteile der körperlichen Untersuchung am ausgezogenen Patienten. Schmerzbedingte Schonhaltung oder Ausweichbewegungen fallen schon beim Entkleiden auf. Am stehenden Patienten lassen sich Störungen der Körpersymmetrie oder Fehlhaltung erkennen.

Muskulär bedingte Verspannungen, Überwärmung und Krepitationen der Gelenke können durch Palpation festgestellt werden. Zudem wird die Beweglichkeit der Gelenke getestet. Eine neurologische oder radikuläre Beteiligung an den Schmerzen lässt sich mit einfachen neurologischen Tests (Lasègue, Reflexe, Sensibilität) prüfen.

Bildgebende Diagnostik oft nicht notwendig

In etwa 90 Prozent der Fälle findet sich für Rückenschmerzen keine gravierende organische Ursache, sodass die Diagnose nicht spezifischer Kreuzschmerz gestellt werden kann. Dieser ist meist muskulär bedingt und verschwindet in der Regel innerhalb von vier Wochen.

Der Verzicht auf Röntgen, Computertomografie oder Magnetresonanztomografie sollte auch den Patienten plausibel gemacht werden. Denn bei nicht spezifischem Rückenschmerz trägt die Bildgebung nichts zur Klärung der Ursache bei. Vielmehr setzt sie die Patienten einer unnötigen Strahlenbelastung aus und verursacht vermeidbare Kosten. Es werden allenfalls Zufallsbefunde erhoben – etwa asymptomatische Bandscheibenvorfälle oder degenerative Veränderungen –, die keine klinische Relevanz haben und die Patienten eher verunsichern.

Dass die bildgebende Diagnostik meist nicht notwendig ist, hat auch eine Metaanalyse von sechs Studien mit insgesamt 1.800 Patienten mit nicht spezifischem Kreuzschmerz bestätigt: Die Ergebnisse zeigten, ob mit oder ohne Bildgebung – die Schmerzen ließen sich ähnlich gut oder schlecht lindern (Lancet 2009; 373: 436).ÄZ/KK

 

* www.versorgungsleitlinien.de bzw. www.kreuzschmerz.versorgungsleitlinien.de 

Von U. Maronde, Ärzte Woche 36 /2011

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