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Allgemeinmedizin 30. August 2011

Anaphylaxie: Zu wenige Patienten mit Notfallmedikation

Britische Studie: Zwei Drittel der Todesopfer hatten keinen Adrenalin-Autoinjektor.

Seit 20 Jahren stehen Patienten mit Nahrungsmittelallergien Adrenalin-Autoinjektoren zur Verfügung. Trotzdem liegt deren Sterberate noch immer bei rund fünf Prozent, wie Dr. Richard Pumphrey (Central Manchester Hospitals, GB) am EAACI-Kongress in Istanbul berichtete. Hauptgrund dafür: Die Injektoren wurden nicht verwendet.

Nicht vorgesorgt

Pumphrey untersuchte die Umstände von 110 Todesfällen, die infolge von Nahrungsmittelallergien seit der Einführung der Autoinjektoren aufgetreten waren. Dabei stellte er fest, dass zwei Drittel der Opfer gar keine Autoinjektoren erhalten hatten, da ihre früheren allergischen Reaktionen so schwach gewesen waren, dass es offenbar nicht für notwendig befunden worden war, für den Notfall vorzusorgen.

Bei näherer Betrachtung der Todesumstände derjenigen Patienten, welche die Notfallmedikation erhalten hatten, zeigte sich, dass die Hälfte von ihnen das Adrenalin im Notfall entweder zu spät eingesetzt hatten oder gar nicht, weil sie den Injektor nicht dabeihatten.

Schulungen für junge Leute

Der Forscher zieht daraus den Schluss, dass dafür gesorgt werden müsse, dass die Betroffenen die Notfallmedikation auch wirklich erhalten und dabeihaben.

Außerdem sei es wichtig, Patienten in der korrekten Handhabung der Autoinjektoren zu schulen.

Zielgruppe für die verstärkte Aufklärung sollten vor allem junge Leute sein, denn die meisten Todesopfer waren in der Altersklasse der 18- bis 24-Jährigen.

Zwar gebe es noch keine gesicherten Hinweise, dass bei übergewichtigen Allergikern das Adrenalin sein Ziel, nämlich das Muskelgewebe, nicht erreiche, aber er empfehle dennoch, Adipösen zu zeigen, an welchen Körperstellen die Fettschicht am dünnsten ist, und die daher für den Einstich besonders geeignet seien.

Die Allergie-Auslöser seien natürlich zu vermeiden und Erkrankungen, die die Gefahr bei einer allergischen Reaktion erhöhen, entsprechend zu behandeln.

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