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Allgemeinmedizin 30. August 2011

Zu Unrecht unter Doping-Verdacht?

Leistungssportlern, die Asthmamittel brauchen, wird oft Betrug vorgeworfen.

Wenn Athleten ohne „richtige Krankheit“ angeben, aufgrund von Asthma-Symptomen bestimmte Medikamente einnehmen zu müssen, ist die Optik schnell einmal schief. Zu Unrecht, wie Prof. Dr. Sergio Bonini (Institut für Neurobiologie und Molekularmedizin in Rom, Italien) meint. Er berichtete am EAACI in Istanbul von Untersuchungen, die sein Team gemeinsam mit dem nationalen Olympia-Komitee von Italien durchgeführt hat. Daten von über tausend Athleten, die an den Olympischen Spielen in Peking teilgenommen hatten, wurden analysiert. Es zeigte sich, dass tatsächlich 15 Prozent der Sportler Asthmaprobleme hatten, im Vergleich von bis zu fünf Prozent in der Allgemeinbevölkerung.

Bonini begründete dies damit, dass Olympioniken sich eben an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit brächten. Strapaziöses Training ist ein Stressor, der die Anzahl der Immunzellen verringert. „Die Zellen, die Allergien und Asthma erhöhen, werden hingegen vermehrt“, so der Forscher. Außerdem könne ein so ausgedehntes Training, wie es die Eliteathleten absolvieren, zu Hyperventilation und Dehydration und letztlich zu einer plötzlichen Bronchokonstriktion führen. Es müsse daher zwischen „echtem“ Asthma und anstrengungsinduzierter Bronchokonstriktion unterschieden werden.

Der Forscher hält Missbrauchsvorwürfe für weitgehend unbegründet: Bronchodilatatoren, die die Muskelmasse erhöhen könnten, seien von der Anti-Doping-Agentur bereits verboten worden. Die Gefahr der Brochokonstriktion bestehe für die Athleten hingegen tatsächlich. Man müsse sich in die Lage der Sportler hineinversetzen, meinte der Forscher: Das Vermeiden solcher Attacken habe für sie auf diesem Niveau oberste Priorität, damit es nicht zu erzwungenen Trainingspausen oder gar Ausfällen während eines Wettkampfs komme. Verständlicherweise würden die Sportler daher die Medikamente bei wichtigen Veranstaltungen präventiv anwenden – wie etwa David Beckham, der auch schon während eines Spiels zum Inhalator griff.

„Die zugelassenen Bronchodilatatoren bringen gar keinen wirklichen Leistungsvorteil – im Gegenteil: Einige können Tremor oder Herzrasen auslösen, was für Wettkämpfer von Nachteil sein kann“, argumentierte Bonini weiter.

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