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Von den etwa 2.000 bekannten Skorpionen-Arten können etwa 50 als (lebens)gefährlich bezeichnet werden. Hauptverbreitungsgebiete sind Nord- und Südafrika, Vorderasien, tropisches Asien, Mexiko und Brasilien.

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Allgemeinmedizin 15. Juni 2011

Tropische „Fremdkörper“

Bisse oder Stiche von giftigem Getier.

Skorpione, Spinnen, Hymenopteren, Schlangen, Quallen etc. – giftige Vertreter dieser Arten können bei Unachtsamkeit die Urlaubsfreude trüben. Welche Maßnahmen vor den stechenden oder beißenden Tieren schützen können, erörterte Prof. Dr. Horst Aspöck von der medizinischen Parasitologie am Institut für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin der MedUni Wien, beim 5. Österreichischen Infektionskongress.

 

Gifttiere sind in zahlreichen Tiergruppen von Schwämmen bis Wirbeltieren vertreten. Ihre Gifte können sich sowohl biochemisch als auch pharmakologisch deutlich voneinander unterscheiden (Peptide, Proteine, Amine, Alkaloide, Terpene, Steroidglykoside). Das Eindringen des Giftes in den Menschen kann durch Bisse, Stiche, Verletzungen, Kontakt oder durch orale Aufnahme erfolgen, manchmal kombiniert mit einer Infektion. Die Reaktionen können toxisch oder toxisch-allergisch ausfallen, wobei Kinder aufgrund des ungünstigen Dosis-Körpergewichts-Verhältnisses besonders gefährdet sind.

„So gut wie alle für den Menschen relevanten Gifttiere attackieren aber nicht gezielt, Giftunfälle sind fast immer Folge von Zufällen, Unachtsamkeit oder mutwilligem Verhalten“, betonte Aspöck. Ausnahmen stellen blutsaugende Anthropoden – Zecken und viele Insekten, bei denen das Blutsaugen mit Einspritzen von (toxischem) Speichel verbunden ist – dar. Die weitaus meisten Bisse (auch Giftschlangen) und Stiche (auch Skorpione) sind nicht lebensgefährlich.

Stellenwert von Unfällen durch Gifttiere

Schätzungen zur Häufigkeit und Letalität sind sehr unterschiedlich:

  • Coelenteraten (Quallen, Polypen): bis 50.000 Ereignisse und etwa 300 Todesfälle pro Jahr
  • Skorpione: mehrere 100.000 Ereignisse, 5.000-12.000Todesfälle/Jahr
  • Spinnen: 2.000-5.000 Todesfälle/Jahr
  • Hymenopteren: bis zu 3.000 Todesfälle (in ME bis 0,5 pro Mil. EW/Jahr)
  • Schlangen: bis 4 Millionen Bisse und >100.000 Todesfälle/Jahr
  • In den USA: insgesamt durch alle Gifttiere 200-300 Todesfälle pro Jahr

Skorpione stechen

Von den etwa 2.000 bekannten Skorpionen-Arten können etwa 50 als (lebens)gefährlich bezeichnet werden. Hauptverbreitungsgebiete sind Nord- und Südafrika, Vorderasien, tropisches Asien, Mexiko und Brasilien. Die Zusammensetzung der Gifte ist sehr verschieden, die Cocktails bestehen aus bis zu 70 Einzeltoxinen. Die Symptomatik nach einem Stich ist abhängig davon, ob das Gift kardio-, neuro- oder myotoxisch wirkt. Dementsprechend sind Herz-Kreislauf, Atmung oder das Nervensystem besonders betroffen. Die Behandlung erfolgt durch symptomatische Therapie und Antiseren, zur Prävention sind folgende Maßnahmen empfohlen: das Tragen hoher Schuhe, die Verwendung einer Taschenlampe bei Dunkelheit, das Ablegen der Kleidung am Abend auf den Boden und das Ausschütteln dieser am Morgen.

Spinnen beißen

Weltweit leben etwa 40.000 Spinnen-Spezies, fast alle sind giftig, jedoch nur ein kleinerer Teil wirklich (lebens)gefährlich. Diese leben bevorzugt in tropischen und suptropischen Gebieten, im Mittelmeerraum, in Südafrika, Südamerika und Australien. Das Einspritzen des Gifts erfolgt über die Cheliceren durch Biss, dieser kann – auch bei harmlosen Spinnen – sehr schmerzhaft sein. Neben systemischen Reaktionen können auch leichte bis schwere Gewebenekrosen auftreten. Die Behandlung erfolgt symptomatisch, es gibt nur wenige Antiseren.

Hymenopteren stechen

Hymenopteren sind weltweit mit etwa 132.000 Arten verbreitet. Medizinisch relevant sind besonders Faltvespen (Vespidae), Ameisen (Formicidae) und Bienen (Apidae), sowohl als Erreger akut-toxischer Reaktionen als auch (besonders) als Auslöser von (oft lebensgefährlichen) allergischen Reaktionen (fast durchwegs Typ-I-Sofortreaktion). Erste Hilfe nach Hymenopteren-Stichen ist die Entfernung des Giftstachels mit einer Pinzette und die Behandlung von Lokalreaktionen durch Kühlung, topische Kortikosteroide, orale Antihistaminika und NSAIDs. Systemische Reaktionen werden mit Adrenalin (i.v., i.m.), Antihistaminika (oral, i.v.), Kortikosteroide (oral, i.v.) oder inhalative Beta-Mimetika behandelt. Einen besonderer Notfall stellt ein Stich im Mund dar. Maßnahmen zur Prävention von Stichen bzw. ihren Folgen sind ruhiges Verhalten, keine hastigen Bewegungen und nicht barfuß gehen. Auch können bestimmte Parfumes manche Hymenopteren aktivieren.

Schlangen beißen

Schlangen sind ebenfalls weltweit verbreitet, von den etwa 3.300 Spezies sind etwa 500 giftig. Giftschlangen der verschiedenen Familien (Giftnattern, Kobras, Seeschlangen, Vipern, Klapperschlangen, Trugnattern, Nattern) leben besonders in den Tropen und Subtropen, in Mitteleuropa sind nur vier Spezies bekannt. Die Giftwirkung ist abhängig von der Art und Menge des Gifts, von der Art des Bisses und dem Allgemeinzustand des Gebissenen. Maßnahmen zur Ersten Hilfe sind: Ruhe bewahren, möglichst wenig Bewegung und keine Manipulationen an der Wunde. Wenn möglich, kann eine Schlinge oder Schiene angelegt werden, mit Vorsicht Kompressions-Immobilisations-Methoden. Danach sollte rasche ärztliche Hilfe, wenn möglich in einer Klinik, gesucht werden. „Wundermittel wie schwarze Steine, Schamanen, Wunderheiler, Elektrotherapie etc. sind abzulehnen“, betonte Aspöck. Präventionsmaßnahmen sind hohe feste Schuhe, unten geschlossene Hosen, festes Auftreten im Gelände, die Verwendung eines Stocks, Aufmerksamkeit, wo man hingreift, und das Tragen einer Taschenlampe bei Dunkelheit. Im Wohnbereich, besonders auch beim Zelt, sollten Abfälle vermieden werden, da diese Nager anziehen und diese wiederum Schlangen. Auch Moskitonetze bieten Schutz vor Schlangen.

 

Quelle: 5. Österreichischer Infektionskongress, 6.-9. April 2011, Saalfelden

Von Dr. Friederike Hörandl , Ärzte Woche 24 /2011

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