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Foto: Buenos Dias/photos.com
Discounter bieten immer mehr Gesundheitsprodukte an.
 
Allgemeinmedizin 12. März 2009

Die Supermarkt-Therapie

Fehlende Studien, keine Beratung: Mittel aus der Gesundheitsabteilung.

Die deutsche Konsumentenzeitschrift Öko-Test hat Gesundheitspräparate, die beim Discounter erhältlich sind, unter die Lupe genommen: Teilweise werden Vitamin- und Mineralstoffpräparate in zu hohen Dosierungen angeboten. Hustenmittel, Schlafmittel sowie Blasen- und Nierentees wurden mit „gut“ bewertet. Auch wenn sich der Test nicht ohne Einschränkung auf österreichische Verhältnisse übertragen lässt, so ganz anders sieht es in unseren Supermärkten auch nicht aus.

Zum Arzt zu gehen ist oft mühsam: Da muss ein Termin vereinbart werden, man sitzt im Wartezimmer, muss womöglich peinliche Fragen beantworten und anschließend mit einem Rezept zur Apotheke gehen, und dann soll man zur Kontrolle wiederkommen. Viel zu mühsam, finden manche Menschen, die sich eigentlich „eh gesund“ fühlen. Wenn dann auch die Apotheke nicht gerade in der Nähe ist, nehmen viele den einfacheren Weg, den zur Abteilung mit den Gesundheitsprodukten im Supermarkt. Dort finden sich alle Varianten von Kapseln und Brausetabletten, Sirups, Cremes und Gels. Der Renner sind Nahrungsergänzungsmittel.

Viel hilft viel, oder?

Die Zeitschrift Öko-Test nahm sich in der aktuellen Ausgabe 86 Arzneimittel, Medizinprodukte und Nahrungsergänzungsmittel vor, die in Deutschland bei Discountern erhältlich sind. Kriterien waren die Qualität der Inhaltsstoffe, die Deklaration und mögliche Mängel, wie etwa chlorierte Kunststoffe in der Verpackung oder ein hoher Alkoholanteil. 17 Produkte schnitten mit „sehr gut“ ab, 34 mit „gut“. Über die Hälfte der untersuchten Produkte waren Nahrungsergänzungsmittel, wobei festgestellt wurde, dass viele Vitamine und Mineralstoffe in „haarsträubenden Dosierungen“ angeboten werden. Vor allem Multivitaminpräparate für die Generation 50+ schnitten mit „ungenügend“ ab, da die Mengen der Inhaltsstoffe über die Empfehlungen des deutschen Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) weit hinausgehen.

Bei anderen Produkten bemängelten die Tester den fehlenden Hinweis darauf, dass manche Mittel aufgrund ihres Zinkgehalts für Kinder und Jugendliche unter 18 nicht geeignet seien. Dafür wurde nicht selten ein Nutzen angepriesen, der wissenschaftlich nicht belegt ist, wie etwa die Stärkung des Immunsystems durch Vitamin-C-Tabletten.

Unterstützende Wirkung

Produkte, die zwar nicht heilend, aber zumindest unterstützend wirken, wurden mit „gut“ bewertet: Blasen- und Nierentees, Schlafmittel auf Baldrianbasis, Spitzwegerich-Hustensaft, Fenchelhonig und eukalyptushaltige Tropfen. Ein Meerwasser-Nasenspray zur Befeuchtung wurde mit „sehr gut“ bewertet, ein weiterer Schnupfenspray aufgrund fehlenden Wirksamkeitsnachweises nur mit „gut“.

Je leichter erhältlich die Arzneimittel, desto schwammiger die Indikation: zur Stärkung, zur Besserung des Befindens, zur Vorbeugung. In Österreich wird die Abgabe von Johanniskrautpräparaten restriktiver gehandhabt. In Deutschland (und im Internet) jedoch sind Produkte erhältlich, die laut Hersteller so schwach dosiert sind, dass Nebenwirkungen ausgeschlossen sind. „Unterdosiert“, urteilt Öko-Test, da „bei nicht mehr vorhandenen Nebenwirkungen auch keine Wirkung mehr zu erwarten“ sei, abgesehen davon, dass die Mittel gekauft werden, um undiagnostizierte Depressionen zu lindern.

Es wird nicht falsch sein, Patienten, wenn sie denn doch den Weg in die Ordination finden, danach zu fragen, welche Mittel aus der Apotheke sie einnehmen – und welche aus der „Gesundheitsabteilung“.

 

Quelle: ÖKO-TEST-Magazin März 2009, 40–53 .

Foto: Buenos Dias/photos.com

Discounter bieten immer mehr Gesundheitsprodukte an.

Von Mag. Patricia Herzberger, Ärzte Woche

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