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Allgemeinmedizin 19. April 2011

Die tägliche Vergiftung?

Häufige Ursache einer Medikamentenvergiftung ist die überdosierte Einnahme von Schmerzmitteln.

Im klinischen Bereich von Notaufnahmestationen und insbesondere an der Toxikologischen Intensivstation im Wiener Wilhelminenspital, der einzigen in Österreich auf die Therapie von Vergiftungen spezialisierten Intensivstation, stellen Medikamentenvergiftungen mit Schmerzmitteln häufig zu behandelnde Krankheitsbilder dar.

Verzweiflungsreaktionen

"Vergiftungen können Folge von sowohl in selbstmörderischer Absicht eingenommenen Medikamenten sein als auch von chronischer Medikamenten-Überdosierung bei Schmerzzuständen durch die Patienten selbst", betonte Dr. Rainer Schmid von der Toxikologischen Intensivstation der Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin im Wilhelminenspital in Wien.

Selbstmordversuche durch Einnahme einer Überdosis von Medikamenten geschehen häufig als spontane Verzweiflungsreaktionen auf emotionale oder körperliche krisenhafte Zustandsbilder (z.B. Depressionen, unzureichend behandelte Schmerzzustände etc.) und werden meist ungeplant gesetzt. Dabei werden oft alle zu Hause auffindbaren Medikamente eingenommen.

Rezeptfreie Analgetika

Insbesondere die rezeptfreien OTC-Analgetika sind meist in toxikologisch relevanten Mengen in jedem Haushalt verfügbar. "Einige weit verbreitete ,banale‘ Schmerzmittel verursachen jedoch bereits in üblichen Abgabemengen (eine Packung) durchaus bedrohliche Vergiftungssymptome", hob Schmid hervor. So können Analgetika aus der NSAR-Gruppe bei Überdosierung neben Funktionsstörungen der Niere oder Schädigungen der Magenschleimhaut auch zu bedrohlichen Veränderungen des Säure-Basen-Haushaltes im Körper und zu Krampfanfällen führen.

In manchen Fällen entwickeln sich sogar lebensbedrohliche Atemstörungen durch Aspiration. Das erfordert neben einer entsprechenden Entgiftungstherapie die genaue Überwachung und Behandlung der betroffenen Patienten an einer Intensivstation.

Paracetamol und Opioide

Andere OTC-Schmerzmedikamente (Paracetamol-Präparate) können bei Überdosierung schwere Schädigungen der Leberfunktion verursachen. Vergiftungen mit Paracetamol gelten in Europa als häufigste Ursache für ein akutes Leberversagen und können zu chronischen Leberschädigungen führen, die eine Lebertransplantation erfordern oder sogar den Tod zur Folge haben.

Opioide bewirken bei Überdosierungen Atemstörungen, die ebenfalls die Behandlung an einer Intensivstation erfordern können. Speziell bei diesen Medikamenten ist daher die korrekte Einstellung durch kompetente Schmerzmediziner erforderlich. Bestimmte begleitende Erkrankungen (z.B. hoch fieberhafte Infekte) erfordern insbesondere bei älteren Patienten mit einer laufenden Opioidmedikation eine Dosisanpassung. Wird diese unterlassen, kann es ebenfalls zu Überdosierungs- und Vergiftungserscheinungen kommen.

"Daher erscheint die Therapie von Schmerzpatienten durch speziell ausgebildete Ärzte sinnvoll, um unbeabsichtigte Überdosierungen zu vermeiden", so Schmid. Zudem gilt es zu beachten, dass diese Patienten kompetent betreut werden müssen, um Verzweiflungstaten wie suizidale Medikamentenüberdosierung möglichst zu vermeiden.

 

Quelle: Pressekonferenz „Abwege in der Schmerzmedizin“ anlässlich des 5. Wiener Schmerztages, 15. 4. 2011

 

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