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Allgemeinmedizin 4. März 2009

Prävention am Teller

Lebensmittel – Nahrungsmittel – Ernährung: Quo vadis?

Der Ernährung kommt ein hohes präventives Potenzial zu. Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehen beispielsweise davon aus, dass etwa 41 Prozent der verlorenen gesunden Lebensjahre auf Erkrankungen zurückzuführen sind, bei deren Entwicklung die Ernährungswei-se eine wesentliche Rolle spielt (WHO, 2003). Weiteren Schätzungen zufolge könnten jedoch durch bessere Ernährungsgewohnheiten unter anderem je rund einem Drittel der kardiovaskulären Erkrankungen und aller Krebserkrankungen vorgebeugt werden (WHO, 2006).

Eine ausgewogene Ernährung und die richtige Auswahl an Lebens- und Nahrungsmitteln spielt nicht nur für die Gesundheit, sondern auch für die Leistungsfähigkeit und das Wohlbefinden eine wesentliche Rolle. In diesem Zusammenhang ist vor allem der Aspekt des „healthy aging“ besonders interessant, um auf diese Weise die behinderungsfreie Lebenszeit zu erhöhen und so unter anderem auch die Lebensqualität bis ins hohe Alter zu verbessern bzw. zu erhalten.

Wissenschaftliche Evidenz liegt vor, dass ein regelmäßiger Konsum von Obst und Gemüse das Risiko für Hypertonie, koronare Herzerkrankungen und Schlaganfall und wahrscheinlich auch für bestimmte Krebserkrankungen vermindert (siehe Tabelle, DGE 2007). Pro Portion Obst und Gemüse kann Metaanalysen zufolge das Risiko für Schlaganfall um fünf Prozent und das Risiko für koronare Herzerkrankungen um vier Prozent gesenkt werden (Dauchet et al., 2006; Dauchet et al., 2005).

Präventive Eigenschaften weisen insbesondere auch Ballaststoffe aus Obst, Gemüse und Vollkorngetreide auf. Studien zeigen beispielsweise, dass der Konsum von Vollkorngetreide mit einem geringeren Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen und Kolorektalkarzinome um jeweils 21 Prozent assoziiert ist. Risiken für Diabetes mellitus sowie für Übergewicht können durch den Konsum von Vollkorngetreide ebenfalls vermindert werden (Mellen et al., 2007; Schatzkin et al., 2007; Schulze et al. 2007; Liu et al., 2003).

Bunt ist gesund

Den in pflanzlichen Lebensmitteln enthaltenen sekundären Pflanzenstoffen, vor allem den Carotinoiden und den polyphenolischen Verbindungen, kommt aufgrund ihrer antioxidativen Eigenschaften eine besondere Bedeutung zu. Diese Pflanzeninhaltsstoffe können unter anderem oxidativen Stress – ein möglicher Schlüsselfaktor für den Alterungsprozess – verringern und eine Reihe von Erkrankungen wie zum Beispiel Arterienverkalkungen oder Krebserkrankungen vermindern (Elmadfa und Leitzmann, 2004; Kregel und Zhang, 2007; Wilcox et al., 2004). Polyphenolische Verbindungen wie beispielsweise Anthocyane sind unter anderem in Heidelbeeren, Spinat oder Erdbeeren, Resveratrol in Weintrauben, Quercetin in Zwiebeln, grünem Blattgemüse und Äpfeln, und Catechine in grünem und weißem Tee enthalten.

Auch mehrfach ungesättigte Fettsäuren, vor allem Omega-3-Fettsäuren, enthalten in Lachs, Makrele, Tunfisch, Hering, Leinöl, Rapsöl oder Walnüssen, haben positive Wirkungen und können mit überzeugender Evidenz das Risiko für Dyslipoproteinämie, Hypertonie und koronare Herzerkrankungen und mit wahrscheinlicher Evidenz auch für Schlaganfall reduzieren. Eine Ernährung mit generell hohem Fettanteil erhöht hingegen das Risiko für Dyslipoproteinämie mit überzeugender und das Risiko für Adipositas mit wahrscheinlicher Evidenz (DGE, 2006). Für Erwachsene wird von den D-A-CH-Referenzwerten für die Nährstoffzufuhr empfohlen, maximal 30 Prozent der Nahrungsenergiezufuhr in Form von Fett aufzunehmen. Der Anteil an gesättigten Fettsäuren sollte dabei maximal zehn Prozent der Gesamtenergiezufuhr betragen und der von mehrfach ungesättigten Fettsäuren bei etwa sieben Prozent liegen. Als Richtwert für die Zufuhr an Ballaststoffen gilt bei Erwachsenen eine tägliche Menge von 30 g (D-A-CH, 2000). Für Obst und Gemüse wird eine Aufnahme von mindestens 400 g pro Tag empfohlen (WHO, 2003).

14 geschenkte Jahre

In der Prävention spielt die Ernährung insgesamt, aber auch einzelne Nahrungsmittelgruppen und Lebensmittel eine entscheidende Rolle. Generell ist aber auch ein gesunder Lebensstil von wesentlicher Bedeutung. Jene Personen, die nicht rauchen, täglich mindestens fünf Portionen Obst und Gemüse essen, sich täglich mindestens eine halbe Stunde bewegen und nur moderat Alkohol konsumieren, weisen im Vergleich zu jenen Personen, die keine dieser Faktoren berücksichtigen, ei-ne um bis zu 14 Jahre längere Lebenserwartung auf (Khaw et al., 2008).

Doz. Mag. Dr. Ingrid Kiefer, Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH, (AGES)

Tabelle:
Einfluss von Obst- und Gemüseverzehr auf die Prävention
DatenlageVermindertes Risiko
Obst und Gemüse Obst Gemüse
überzeugend • Hypertonie
• Koronare Herzerkrankungen
• Schlaganfall
   
wahrscheinlich • Krebs (Speiseröhre) • Krebs (Magen, Dick- und Mastdarm, Lunge)  
möglich • Adipositas
• Krebs (Mundhöhle, Rachen, Kehlkopf, Niere, Dick- und Mastdarm)
• Rheumatoide Arthritis
• Chronische obstruktive Lungenerkrankung
• Asthma
• Osteoporose
• Demenz
• Augenerkrankungen (Makuladegeneration, Katarakt)
• Krebs (Harnblase) • Krebs (Magen, Lunge, Eierstock)
(modifiziert nach DGE 2007)

Doz. Mag. Dr. Ingrid Kiefer, Ärzte Woche

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