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Allgemeinmedizin 6. April 2011

Diagnose aus dem Blut, was kann das Labor?

Rund 60 Prozent der Diagnosen sind laborgestützt. Ein Großteil der in Leitlinien empfohlenen Untersuchungen wird jedoch nicht in Auftrag gegeben. Hier liegen Chancen für Einsparungen im Gesundheitssystem, ist Prof. Dr. Winfried März vom Synlab Heidelberg, einem medizinischen Versorgungszentrum für Labordiagnostik, überzeugt. Was Labordiagnostik leisten kann, präsentierte er in seinem Vortrag im Rahmen der 44. Fortbildungswoche der Österreichischen Apothekerkammer in Saalfelden.

 

„Krankheiten, die nicht entstehen oder frühzeitig erkannt werden, verbessern und verlängern das Leben des Einzelnen und entlasten gleichzeitig das Gesundheitssystem“, so März. „Sorgsam ermittelte Messergebnisse bilden auch Vertrauen und gelten als quasi objektiv.“ Volkskrankheiten wie Herz-Kreislaufleiden (z. B. NT-proBNP bei Verdacht auf Herzinsuffizienz), Krebs (etwa der HP-Virus-Nachweis als Risikofaktor für das Zervixkarzinom) oder Diabetes könnten dadurch rasch entdeckt werden. „Mehr Diagnostik insgesamt – und nicht nur aus dem Labor – könnte die Früherkennung allerdings noch weiter verbessern“, sagte März.

Metabolisches Syndrom wird hinterfragt

„Vorbehalte bestehen etwa gegen das metabolische Syndrom“, so der Experte. Dieses ist durch Adipositas, hohe Triglyzeride, niedriges HDL-C, Diabetes und hohen Blutdruck gekennzeichnet. Die Kriterien seien willkürlich, die Schwellenwerte unklar und nicht international, so sei etwa der BMI in Asien viel geringer als in Europa. Auch der prädiktive Wert schwanke, die Vorhersagekraft sei etwa für KHK eher gering, für Diabetes dagegen besser.

„Unbefriedigend ist auch, dass etwa die Hälfte der Diabetiker unterdiagnostiziert ist“, so März. Eine neue Definition von Diabetes mellitus sei deshalb wichtig – Glukose HbA1c von > 6,4 Prozent, Nüchternglukose 125 mg/dl, erhöhtes Risiko bei gestörter Nüchternglukose und Glukosetoleranz. Ebenso sei die Einschätzung von chronischen Entzündungen – CRP, Lp-PLA2 als Risiko einer Artherioklerose – zu beachten. „Doch schon ein Schnupfen kann diese Werte beeinflussen“, betonte März.

Bei der Beurteilung des Herzinfarktrisikos habe sich die Messung des Tropamin-T-Markers geändert, die Grenzwerte wurden gesenkt.

Cholesterin-Senkung, Statintherapie

Eindeutig seien die Aussagen hinsichtlich des Lipidstoffwechsels. „Glücklich, wer ein angeboren niedriges Cholesterin hat und damit ein vermindertes Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden“, so März. Bei erhöhten Lipidwerten, dem für die Gefäßwände aggressiven LDL, sei eine lipidsenkende Therapie mit Statinen unumgänglich. Damit könne das Herzinfarkt-Risiko wesentlich gesenkt werden. Neben einer Statintherapie hätten auch Bewegung und Alkohol einen positiven Einfluss. Modifiziert könne der protektive Effekt von Alkohol allerdings durch den ADH 13 Genotyp werden .

Rolle des Vitamin-D-Stoffwechsels

Ein Mangel an Vitamin D könne weitreichende Folgen haben. So würde die Zunahme von Infektionen einem Mangel an Vitamin D zugeschrieben. Ein niedriger Vitamin-D-Spiegel beeinflusse den Kalzium-Stoffwechsel und führe zu Osteoporose. „Ein starker Zusammenhang besteht zwischen Vitamin-D-Werten und Hypertonie, Myokardinfarkt und Insult sowie der Präposition für Typ-1- und Typ-2-Diabetes.“ Darum plädierte März für „Let the sunshine in!“, da die einfachste Methode, einen Vitamin-D-Mangel zu beheben, eine ausreichende Sonnenbestrahlung sei. Dafür genügten schon 15 Minuten Sonnenbad um die Mittagszeit ohne Sonnenschutzmittel. Aber auch über die Nahrung könne Vitamin D aufgenommen werden, vor allem mit fettem Fisch. Allerdings müsste man etwa ein Kilogramm Lachs pro Tag essen. In der sonnenarmen Zeit von Oktober bis März könnten Vitamin-D-Supplemente etwa in Form von Tropfen, 1000 IE pro Tag, eingenommen werden. Bei älteren Menschen betrage die Prävalenz des Vitamin-D-Mangels weltweit beinahe 50 Prozent. Das habe auch eine erhöhte Sterblichkeit zur Folge.

Aber auch ein Serotonin-Mangel könne eine negative Prognose für Herz-Kreislauferkrankungen bedeuten. „Bring mehr Schwung ins Leben, anti-aging, als Beitrag für Gesundheit, Wellness und Lebensstil“, empfahl daher der Diagnostiker.

 

Quelle: 44. Fortbildungswoche der Österreichischen Apothekerkammer, 27. Februar bis 4. März 2011, Saalfelden/Salzburg

Von Dr. Gerta Niebauer, Ärzte Woche 14 /2011

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