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Allgemeinmedizin 8. März 2011

Was kann die Männersprechstunde?

Dr. Georg Pfau ist Sexualmediziner in Linz und betreibt seit sechs Jahren eine der wenigen Männersprechstunden.

Dr. Pfau kennt die Sorgen der Männer sehr genau. Sein Interesse gilt nicht nur der biologischen und psychologischen Gesundheit des Mannes, sondern auch seiner Beziehung zu den Frauen.

 

Was bieten Sie in der Männersprechstunde an?

Pfau: Ich biete ausreichend Zeit und pünktliche Termine – angeblich gehen Männer nicht zum Arzt, weil sie nicht warten wollen – und natürlich die Kompetenz des ausgebildeten Sexualmediziners.

 

Was leistet die Männersprechstunde, was in der „normalen“ Ordination nicht geleistet werden kann?

Pfau: Einerseits ist es die Themenauswahl, die sich von der Allgemeinpraxis unterscheidet, andererseits auch die Organisationsform. In der Männersprechstunde gibt es ausschließlich 30-Minuten- oder 60-Minuten-Termine, manche Männer wollen auch mehr. Was ich dort mache, ist Sexualtherapie, ist ein auf die Psychosomatik der Sexualität bezogenes Gespräch.

 

Mit welchen Fragestellungen kommen die Menschen zu Ihnen?

Pfau: Es sind eben männerspezifische Themen, die Männer sich sehr häufig nicht so leicht anzusprechen trauen, weil sie ihnen entweder peinlich sind oder weil sie glauben, ihr Arzt hätte dafür kein Verständnis. Die „sexuelle Identität“, der Selbstwert im eigenen Geschlecht, steht im Mittelpunkt der Probleme. Hier geht es um das äußere Erscheinungsbild der Männer, Alterungsprozess, Gewichtsabnahme, Muskeltraining, aber auch um Haarausfall, Glatzenbildung und vieles andere mehr. Eine große Rolle spielen leichtere und schwierigere Fragestellungen rund um die Sexualität, wie zum Beispiel besondere sexuelle Vorlieben (Fetischismen, Pädophilie), sexuelle Störungen, die Fragen rund um sexuelle Orientierung oder auch um Transsexualität. Zu guter Letzt geht es auch um Problemstellungen innerhalb der Paarbeziehung.

Wie wird das Angebot angenommen?

Pfau: Es scheint einen Bedarf zu geben, denn es handelt sich um Themen, die sonst kaum angeboten werden. Auffallenderweise machen sehr häufig Frauen den Termin für ihre Männer, weil sie sehen, dass sie leiden, oder auch aus eigener sexueller Unzufriedenheit. Auffallend ist auch, dass viele Männer von weit anreisen, ein großer Teil meiner Patienten ist aus Wien, dem Salzburger Raum und der Steiermark. Die große Entfernung zum Heimatort ist die beste Garantie für Diskretion!

 

Wie alt sind Ihre Patienten?

Pfau: Der jüngste war elf, er glaubte, sich nicht normal zu entwickeln, und der älteste ist 96. Hier geht es, man glaubt es kaum, um Sexualität mit seiner um sieben Jahre jüngeren Gattin. Das sind die dankbarsten Patienten, und es macht Spaß zu helfen.

 

Das Gespräch führte Mag. Patricia Herzberger

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