zur Navigation zum Inhalt
Ultraschallgezielte Punktion der Krampfader (grün angezeichnet) zur endovenösen Behandlung.
Foto: Privat

Prim. PD Dr. Afshin Assadian, Abteilung für Gefäßchirurgie des Wilhelminenspitals Wien

Einführen eines Drahtes in die Krampfader (grün angezeichnet).

Retikuläre Varizen, ideal geeignet zur Verödungstherapie.

Fotos (5): Wilhelminenspital

Die Radiofrequenz-Sonde in der Vene bringt durch Erwärmung die Krampfader zum Schrumpfen.

 
Allgemeinmedizin 22. Februar 2011

Jeder Vierte ist von Varizen betroffen

Vorteile und Grenzen verschiedener Behandlungsmethoden.

Krampfadern, auch Varizen genannt, sind ein weit verbreitetes Leiden und zählen zu den häufigsten Erkrankungen des Gefäßsystems. Den Betroffenen ist oft nicht bewusst, dass es sich dabei nicht nur um ein „ästhetisches Problem“ handelt, sondern eine medizinische Versorgung angezeigt ist.

 

Bei Krampfadern handelt es sich um Veränderungen der Wand der oberflächlichen Beinvenen. Im Laufe des Lebens kommt es infolge der Schwäche der Venenwand und entsprechender Risikofaktoren zu unterschiedlichen Ausprägungen der Krampfadern. Frauen leiden häufiger unter Varizen. Als Risikofaktoren gelten Übergewicht und zunehmendes Alter. „Im Allgemeinen geht man aber von einer erblichen Veranlagung als Ursache der Entwicklung von Varizen aus“, erklärt PD Dr. Afshin Assadian, Vorstand der Gefäßchirurgie des Wilhelminenspitals Wien.

Je nach Ausprägung unterscheidet man zwischen Stammvarizen, Seitenastvarizen, Perforansvarizen und Besenreisern.

Die Beschwerden, die Krampfadern verursachen, können von leichtem Missempfinden, Juckreiz, Schweregefühl in den Beinen, Schwellung und Spannungsgefühl, Veränderungen der Haut (dunkle Verfärbung, Verhärtung, Ekzem mit Schuppung) bis hin zum langsam oder nicht heilenden Geschwür reichen. Dabei entspricht das Ausmaß der sichtbaren Krampfadern – besonders bei stark übergewichtigen Patientinnen und Patienten – nicht immer den teilweise starken Beschwerden.

„Neben der optischen Ausprägung und der Beschwerden, die durch die unterschiedlichen Krampfadertypen verursacht werden, ist auch eine unterschiedliche Behandlungsstrategie sinnvoll und notwendig“, so Dr. Afshin Assadian.

Medizinisch relevante Varizen

Wenn Krampfadern die Patientin bzw. den Patienten kosmetisch stören oder die oben erwähnten Beschwerden verursachen, ist eine Behandlung sinnvoll, da diese unbehandelt häufig zu offenen Geschwüren und Entzündung der Krampfadern (Varikophlebitis) führen können. Patientinnen und Patienten mit medizinisch bedeutsamen Krampfadern haben neun- bis zwanzigmal häufiger Komplikationen im Venensystem als mit Menschen, die Krampfadern ohne Beschwerden aufweisen. Das Ziel der Behandlung ist die Entfernung oder Verödung der krankhaft veränderten Venen. Dadurch wird der erhöhte Druck auf das umliegende Gewebe verringert, die Stauung und somit Schwellung verschwindet. Zusätzlich werden die kosmetisch belastenden Krampfadern entfernt und somit ein schönes Bein wiederhergestellt. „Das Ziel und die Methode der Behandlung muss auch an die Erwartungen der Patientinnen und Patienten sowie an die zugrundeliegenden Beschwerden angepasst werden. So ist bei einem Geschwür das klare Ziel die Abheilung der nicht heilenden Wunde. Dabei können durchaus Maßnahmen angewandt werden, die bei einem ausschließlich kosmetischen Behandlungswunsch primär nicht in Frage kommen“, so Assadian.

Die Voraussetzung einer invasiven Therapie ist die klinische Untersuchung der Patientinnen und Patienten sowie eine Bildgebung des oberflächlichen und tiefen Venensystems. „Nur nach ausführlicher Untersuchung der Krampfader und des tiefen Venensystems sollte die anzustrebende Therapie mit der Patientin bzw. dem Patienten besprochen werden, da jede Methode ihre Vorteile und Grenzen hat“, so Assadian weiter.

Das klassische Stripping

Bei der Stripping-Operation wird die gesamte erkrankte oberflächliche Vene über zwei kleine Schnitte entfernt. Die Vorteile der Methode sind bekannte Langzeitergebnisse. Weiters ermöglicht sie, dass alle Krampfadern, unabhängig von Größe und Schlängelung, behandelt werden können. Zudem können bereits in einer Sitzung besonders große Seitenäste entfernt werden. Um ein ideales kosmetisches und funktionelles Ergebnis zu erzielen, sollte nach der Operation mindestens für vier bis sechs Wochen ein Stützstrumpf getragen werden. Die Operation kann nur in Allgemeinnarkose oder nach Kreuzstich durchgeführt werden.

Minimalinvasive, endoluminale Verfahren (Laser, RadiofrequenzTherapie)

Eine endovenöse Behandlung von Krampfadern erfolgt durch Schädigung und Schrumpfung der Venenwand mittels Hitze. Die Behandlung wird in lokaler Betäubung durchgeführt, es müssen keine Hautschnitte angelegt werden. Die mittelfristigen Ergebnisse sind etwas schlechter als die der Stripping-Operation. Patienten haben aber nach der Behandlung – besonders bei der Radiofrequenzbehandlung – weniger Schmerzen als nach dem Stripping.

Der Nachteil ist, dass besonders große und besonders geschlängelte Venen nicht optimal mit den endovenösen Methoden zu behandeln sind, da ein sicheres Schrumpfen der Krampfader oder ein Durchkommen mit der Sonde nicht gewährleistet ist. Um ein ideales kosmetisches und funktionelles Ergebnis zu erzielen, sollte nach der Operation mindestens für zwei bis drei Wochen ein Stützstrumpf getragen werden.

Verödung

Bei der Verödung oder Sklerosierungstherapie wird durch die lokale Injektion einer Flüssigkeit oder eines Schaums die innere Auskleidung der Vene geschädigt oder zerstört, so dass es zu einer narbigen Schrumpfung der Krampfader kommt. Mit dieser Methode können Besenreiser, Seitenastvarizen und Stammvarizen behandelt werden. Das frühe Wiederauftreten von Varizen ist bei dieser Methode recht hoch. Wenn sehr große Krampfadern behandelt werden, kann ein narbiger Strang in der behandelten Region zurückbleiben. Weiters sind Pigmentveränderungen möglich. Die besten kosmetischen Ergebnisse können mit anschließender Kompressionstherapie für zumindest eine Woche nach der Verödung erzielt werden.

Frühtherapie verhindert Schäden

„Generell ist empfehlenswert, beim ersten Auftreten von Beschwerden und sichtbaren Veränderung der Venen und bestehender erblicher Vorbelastung einen Gefäßspezialisten aufzusuchen. Bei Früherkennung und Frühbehandlung verbessert sich die Lebensqualität der Patientin bzw. des Patienten und längerfristige größere gesundheitliche Schäden können leichter verhindert werden. Ein ideales kosmetisches Ergebnis ist bei frühzeitiger Therapie ebenfalls deutlich einfacher und sicherer zu erreichen“, erklärt Assadian.

 

www.gefaesschirurgie-wien.at  

Assadian/Comm:unications, Ärzte Woche 8 /2011

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben