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Allgemeinmedizin 8. Februar 2011

Gebrechlichkeit vorbeugen

Eine im kritischen Ausmaß reduzierte Muskelmasse bedeutet lebensverändernde Beeinträchtigung, die behandelt werden muss.

Der altersassoziierte skelettale Muskelverlust ist ein multifaktorielles Geschehen, das im fortgeschrittenen Stadium zu erhöhter Krankheitshäufigkeit, Behinderung, erhöhtem Sturz- und Knochenbruch-Risiko, Hospitalisierung und letztlich zu erhöhter Sterblichkeit führen kann. Das als Sarkopenie definierte Syndrom ist zwar weit verbreitet, wird aber in der Allgemeinmedizin zu wenig erkannt oder wahrgenommen.

 

Die Muskulatur fungiert als Proteinreservoir, das im Krankheitsfall als wichtige Quelle zur Energieproduktion und als Baustofflieferant für Abwehr- und Regenerationsprozesse dient. Physiologisch beginnt der muskelabbauende Prozess schon zwischen dem 25. und 30. Lebensjahr. Anfangs unmerklich, schreitet der Verlust an Muskelmasse über die Jahre stetig voran, bis etwa mit 80 Jahren nur noch die Hälfte des Muskelvolumens vorhanden ist.

Die Sarkopenie ist ein multifaktorielles Geschehen, das zum einen durch genetische, teilweise rever- sible Alterungsprozesse ausgelöst und zum anderen durch zusätzliche Faktoren verstärkt wird wie z. B. durch Aktivitätsmangel, verschiedene Krankheiten und Malnutrition mit einer verringerten Energie- und/oder Proteinzufuhr. Obwohl die Sarkopenie bereits vor mehr als 20 Jahren als Krankheit etabliert wurde, ist sie dennoch bei etwa 20 Prozent der Allgemeinmediziner nicht bekannt. Zudem ist dieses Syndrom nicht selten. Je nach Definition und Kriterien wird die Prävalenz von Sarkopenie zum Beispiel bei 60- bis 70-Jährigen mit bis zu 13 Prozent angegeben. Demnach gibt es in Österreich in dieser Altersgruppe etwa 120.000 an Sarkopenie Erkrankte, wobei Studien sogar eine höhere Häufigkeit angeben. Im zunehmenden Alter steigt sie dann sprunghaft an und beträgt bei den über 80-Jährigen bereits 50 Prozent. Diesem gefährlichen Muskelverlust kann aber durchaus entgegengewirkt werden, denn Sarkopenie ist gut diagnostizierbar und kann im frühen Stadium mit einer individuellen Bewegungs- und Ernährungstherapie positiv beeinflusst werden.

Erhöhte Proteinzufuhr wichtig

Eine Behandlung der Sarkopenie beruht auf einer Kombination von körperlichem Training (Krafttraining) und proteinreicher Ernährung. Ältere Menschen benötigen zur Bildung der gleichen Menge von Muskelproteinen eine höhere Eiweißzufuhr als jüngere. Diese Tatsache ist insofern problematisch, als Senioren oft durch alters- oder krankheitsbedingte Veränderungen (z. B.  Zahnprothesen, Schluckbeschwerden), Schwierigkeiten beim Essen haben und daher nicht fähig sind, eine größere Menge an nährstoffreichen Mahlzeiten zu konsumieren. Daher ist auch die während eines akuten Krankheitszustandes verlorene Substanz nur schwer wieder aufzubauen. Darüber hinaus ist bei Immobilität die Sensitivität gegenüber der Proteinzufuhr weiter reduziert.

Eine individuelle und qualitativ hochwertige Supplementmischung mit Proteinen, essentiellen Aminosäuren (v. a. Leucin als wichtigstem Regulator der Proteinsynthese des Skelettmuskels) und wichtigen Vitaminen (Vit. D) ist daher im Kampf gegen den gefährlichen Muskelabbau durchaus sinnvoll und zudem durch Studien gut belegt.

Voraussetzung für eine kompetente Behandlung ist allerdings eine möglichst frühzeitige und exakte Diagnose. In diesem Zusammenhang wurde vor kurzem ein neues Experten-Papier präsentiert, das Ärzten zeigen soll, mit welchem einfachen Diagnose-Algorithmus die Sarkopenie sicher festgestellt werden kann und welche therapeutischen Optionen zum Einsatz kommen können.

„Expert/-innen-Statement“ unter: http://www2.bkkommunikation.at/uploads/Expertenstatement%20Sarkopenie_print%20ohne%20Beschnitt%20130111.pdf

 

Quelle: Pressegespräch, Jänner 2011

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