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Allgemeinmedizin 21. Jänner 2011

Die genaue Betrachtung ist wichtig

Sehen ist eine Sache, interpretieren und erkennen eine andere. „Allgemeinmedizin hat immer einen Schwerpunkt im Hören und Sprechen, während die Dermatologie mit dem Sehen stark verbunden ist“, leitete Prof. Dr. Josef Smolle, Rektor der Medizinischen Universität Graz, seinen Vortrag über Hautveränderungen bei Allgemeinerkrankungen ein. Wie wichtig nicht nur das gezielte Betrachten von dermatologischen Veränderungen ist, sondern auch deren Interpretation, zeigte er am Beispiel sternförmiger Gefäßreiser auf.

Einmal harmlos, einmal nicht

Multiple sternförmige Gefäßreiser, die bei einem 64-jährigen männlichen Patienten im Gesicht und auf der Brust auftraten, waren die Zeichen einer Hepatopathie, während ein ähnliches – ein- oder zweifach – vorkommendes Merkmal an der Nasenwurzel eines acht Jahre alten Buben einen Naveus areaneus darstellte. In letzten Fall ein völlig harmloses und unter Umständen zeitlich limitiertes Merkmal.

„Von Seiten der Dermatologie zielt der Zugang in die Richtung, den Leuten beibringen zu wollen, wie sie ein Melanom erkennen können“, so Smolle. „Ebenso wichtig ist es aber, dass Ärzte die 95 Prozent der gutartigen Nävi, die harmlos sind, sicher erkennen – dies der Zugang zur dermatologischen Befundung in der Allgemeinmedizin.“

Ein weiteres Beispiel, dem eine Lebererkrankung zugrunde liegen kann, ist die Dupuytrensche Kontraktur – erstmalig vorgestellt im Jahre 1832 durch Guillaume Dupuytren. Bei dieser Fibromatose, welche mit einer Beugekontraktur der Finger einhergeht, ist nach wie vor die handchirurgische Intervention die Therapie der Wahl.

Die diabetische Dermatopathie, charakterisiert durch hyperpigmentierte leicht atrophische Areale, auch prätibiale Pigmentflecken genannt, wiederum kann erstes Anzeichen für eine diabetische Stoffwechsellage und somit einen beginnenden Diabetes mellitus sein. Diese ist oftmals mit einer Mikroangiopathie an anderer Stelle kombiniert, wie zum Beispiel am Auge oder der Niere. Die Prävention eines diabetischen Fußes kann hierbei auf mehrere Arten erfolgen. So unter anderem durch die Vermeidung von Verletzungen, Selbstinspektion durch die Patienten, genaue Diabeteseinstellung, orthopädische Schuhversorgung nach dynamischer Pedographie, aber auch durch die regelmäßige Betreuung von geschulten und speziell ausgebildeten Fußpflegerinnen und Fußpflegern. Diese Vorgehensweisen können einer Ulcusentstehung vorbeugen.

Xanthelasmen gehören zur Gruppe der Xanthome und sind ab dem 70. Lebensjahr sehr häufig. Grundlage ist hierbei die Ansammlung fettspeichender Makrophagen an den Oberlidern, welche auch mit einer Fettstoffwechselstörung assoziiert sein können. Xanthelasmen stellen – unabhängig von den Fettwerten – einen kardiovaskulären Risikofaktor dar.

 

Christian Vajda, Ärzte Woche 1 /2011

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